Horst Köhler ist zurückgetreten und einen Teil der Mitschuld haben die politischen Akteure jeder Coleur. Die Achtung vor dem Amt, sie ist abhanden gekommen, man durfte seit Schröder respektlos über den Bundespräsidenten herfallen, ihn kritisieren. Alle Parteien taten das, viele Politiker, auch jene, die ihn heute scheinheilig würdigen. Sie alle haben das Amt beschädigt. Der Bundespräsident, er hat repräsentative Aufgaben, aber dennoch ist er eine Respektsperson, besser, er sollte so behandelt werden. Er und sein Amt.
Die Respektlosigkeit vor dem Bundespräsidenten und seinem Amt, sie ist Zeichen der Zeit und des Zustandes der Gesellschaft, des Zustandes auch der Jugend, die keinen Respekt mehr hat vor Institutionen, Ämtern, älteren Menschen, dem Leben selbst. Respektlosigkeit, die aus Perspektivlosigkeit, aus Armut und Joblosigkeit erwächst.
Die Respektlosigkeit beginnt im Elternhaus, setzt sich fort in der Schule, und endet beim Verhalten eines Aussenministers, der der englischen Sprache nicht mächtig ist und auf der deutschen Sprache besteht. Jugend sucht sich Beispiele, und in der Politik findet sie sie in Massen. Sie überträgt, leitet ab und prügelt schließlich auf wehrlos am Boden liegende Menschen ein, weil ihnen Aussehen oder Sprache nicht gefallen, weil sie Langeweile haben, Wut im Bauch, unausgeschlafen sind, mürrisch, schlechte Laune haben. Wie der Aussenminister sein Amt nach aussen abbildet, wie Politik es vorlebt, so benimmt sich die Jugend, wie Westerwelle verbal gegen Journalisten pöbelt, so übernimmt das die Jugend. Wie er mit seinem Amt umgeht, so geht die ganze Politkaste damit um, respektlos, würdelos. Vorbilder sind sie alle nicht.
Das Auftreten von Menschen in Elternhaus, Schule, Öffentlichkeit, all das endet bei einem Thema: Bildung, Erziehung. Wie es in den Wald hineinschallt, so schallt es heraus. Spätestens seit den 68ern ist die Bildung, die Erziehung auf einem Niveau angelangt, das zu wünschen übrig lässt. Es wundert nicht mehr, dass RTL und Co zu Bildungsprogrammen mutieren konnten und mit ihnen auch Bohlen,Raab und Waddedu. Wer seine Jugend so aufwachsen lässt und wer Raab und Bohlen ihre Erziehung übernehmen lässt, der muss sich über das Ergebnis nicht wundern. Wer seine Stars und Models von plumpen Klums suchen lässt und ihr die Mutterrolle überträgt, wer irgendwelche Supernannis aus dem Fernsehn braucht, der hat verloren, der kann keine Würde, keinen Respekt einfordern vor Menschen und Ämtern, auch nicht von Erwachsenen, denn diese haben es bereits selbst nicht mehr gelernt.
Wer seiner Jugend erzählt, sie bräuchte sich nur zu bewerben, dann sei alles machbar, der lügt, und Jugend bemerkt das spätestens, wenn sie die Schule verlässt. Es war alles Betrug, und ab sofort muss man zum Affen oder Clown bei Raab und Klum werden, sofern man überhaupt etwas erreichen will oder sich ausziehen wie Lena. Da bekommen Fußballer Tagegelder, von denen Familien einen Monat lang leben müssen, die Gesellschaft ist pervertiert und trotzdem kann eine ganze Industrie von Kindern mit Träumen davon leben. Davor hat man Respekt, vor dem Kapital, aber doch nicht vor Menschen und Ämtern. Da schickt man einen Boateng, der einen anderen Spieler zum Krüppel tritt zur WM, und das soll dann Vorbildfunktion haben.
Der Bundespräsident tritt zurück. Recht hat er! Wer fordert eine Nacktschnecke wie Lena, die von Raab betreut wird, mit dem Bundesverdienstkreuz zu versehen, nur weil sie alles tun würde um im Rampenlicht zu stehen, und da sind Nacktbilder vor einem Sieg ja hilfreich, der hat einen an der Klatsche, Entschuldigung, liebe CDU!
Wenn dem Bundespräsidenten dann auch noch angeraten wird, dafür ein Bundesverdienstkreuz zu vergeben, sorry, aber dann muss er definitiv zurücktreten aus Verzweiflung vor so viel Unsinn, vor solcher Dummheit, tiefer kann man einfach nicht sinken! Dem Finder der nuschelnden Nachtschnecke damit ebenfalls danken zu wollen, weil man ansonsten als Politik völlig versagt, das grenzt schon an groben Unfug. Man bietet Bankenrettungen, Staatenrettungen und als Wunder will man eine 19 jährige mit Selbstdarstellungswahn auszeichnen, wie tief ist Politik gesunken!
Bundesverdienstkreuze sind Auszeichnungen. Auszeichnungen nicht für nackte Studenten, die kaum englisch radebrechten können und meinen nun den großen Wurf getan zu haben, weil sie einen verkommenen Sangeswettstreit gewonnen haben. Perverser kann ein Vorschlag nicht sein. Für den Bundespräsidenten und das Amt ist er entwürdigend und zeigt dessen ganze Bedeutungslosigkeit gerade daran, dass man überhaupt auf die Idee kommen kann, so etwas sei auszeichnungswürdig.
Dass hinzukommt, was der ehemalige Bundespräsident in einem Radiointerview äusserte ist tragisch, aber man hätte es aus dem Weg räumen können. Was bleibt ist die Beschädigung und mögliche Neudefinition von Amt und Würde, Respekt, Achtung und Ehre. Auch die Frage, was auszeichnungswürdig ist, sie gehört erörtert, eine Lena jedenfalls ist es nicht.
Der nächste Präsident er verdient absoluten Respekt und sollte mit möglichst großer Mehrheit aller Parteien gewählt werden, er sollte den Menschen ein Herz zeigen, ihr Fürsprecher sein, ein Mahner und eine Person, die der Politik und der Wirtschaft Respekt einzuflössen vermag, einer oder eine, die Herz und Schnauze hat, und die Politkaste, sie sollte in sich gehen und gemeinsam ein Seminar buchen über Respekt und Ehrfurcht vor Menschen, Ämtern und Andersdenkenden, damit auch der politische Ton und Umgang miteinander wieder auf ein gewisses Maß an Achtung und Ehre zurückgeführt werden und nicht nur tiefe persönliche Wunden hinterlassen.
Menschen aber Würde, Achtung, Ehre, beizubringen, das sind Erziehungsaufgaben die Geld kosten, und nur so wird man dauerhaft diese Gesellschaft in immer schwierigen Zeiten irgendwie zusammenhalten können. Und selbstredend darf davon die Wirtschaft mit ihren rüden unwürdigen Methoden und ihrer Gier nicht ausgenommen werden.
Der Rücktritt heute zeigt, ein Land kapituliert an seinen eigenen Erziehungsfehlern, an seiner Lust zur Selbstdarstellung und letztlich an mangelndem politischen Willen, weil Menschen bis ins höchste Amt die Lust am Tun und Schaffen gründlich verdorben wird, und das, obwohl man dort halbwegs vernünftig von seinem Einkommen leben kann.
Der Rücktritt beweist, Deutschland hat eines zu gründlich von der radikalen herzlosen Marktwirtschaft gelernt, nämlich Menschen zu zerstören und zu beschädigen, selbst bis ins höchste Staatsamt hinein. Auf der Strecke geblieben ist die Achtung vor dem Anderen und vor dem Amt.
Und deshalb war auch der Abgang mehr oder weniger eine weitere Beschädigung des Amtes, weil er erfolgte als letzte Selbstdarstellung einer Mimose, die nur sich selbst diente und nie wirklich dem Volke, der Abgang eines Selbstdarstellers, der wenig zu sagen hatte und auch keine Brücken zu bauen vermochte.
Das Volk hat in dieser Legislatur mehr verloren als je zuvor, glaubhafte Politik und Politiker, mit Ecken und Kanten, die etwas zu sagen haben und die Fähigkeit an Besserung in der Zukunft wenigstens zu glauben. Und es hat eines gelernt, es lohnt sich nicht zu kämpfen, wenn man bereits von Beginn an als Verlierer gesetzt ist, und Köhler war dafür predestiniert, eben weil er sein Amt nicht mit Seele füllen konnte.
Und eines lernt man: Niemand ist unersetzlich, nur hätte es nicht auf dem Weg über die Beschädigung dieses Amt sein dürfen, das man mit grauen Eminenzen und Würde verbindet.
©denise-a. langner-urso
Foto-Pixelio: Christina Bieber
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