Altmeier ist, wenn dir die Hutschnur hochgeht

Und einem Politiker nicht mehr einfällt zum Referendum in der Türkei als das:

„Das Ergebnis zeigt, dass es in der Türkei ganz offenbar eine sehr lebendige politische Debatte mit ganz unterschiedlichen Auffassungen gibt.“

Ähm, ja ne, is klar, damit kann man auch Assads Krieg gegen die eigene Bevölkerung und überhaupt jeden Angriff von Terroristen, die versuchen Macht über ganze Regionen in aller Herren Länder rechtfertigen, mit diesem Satz zeigt man, dass man rein gar nichts auf dem Kasten hat.

Dieser Satz zeigt, dass man eigentlich gar keine Meinung, keinen Standpunkt hat, man zeigt Hilflosigkeit. Wer so über die Sachlage des Referendums und wie es zum Ergebnis kam urteilt, der hat in so hoher Funktion, wie Herr Altmeier sie ausübt, nichts, aber auch gar nichts zu suchen. Aber so ist das eben, wenn man seine Meinung erst Wochen später bis überhaupt nicht bildet, weil damit unter Umständen ja auch Zeichen an die Wirtschaft und Börsen gesendet werden, und weil solche Zeichen dem eigenen Wachstum schaden könnten.

Deutliche Worte, vergesst sie. Aus jeder noch so kruden Menschenrechtslage, aus jedem Rechtsbruch, der Übertretung jeder roten Linie, lässt sich vielleicht ja doch noch Gewinn erzielen.

Mich wundert es nur, dass es überhaupt noch Optimisten gab, die dachten, das Referendum hätte anders ausgehen können, aber die Hoffnung stirbt bekanntlich ja immer zuletzt. Das war schon bei der US-Wahl so, das ist so, wenn es um Frankreich geht, es kann eigentlich nicht sein, und doch, sollte man lieber endlich einmal an Plan B arbeiten, statt sich durch Talkrunden zu schleifen oder wertvolle Zeit vor Kameras und mit Kommentaren zu vergeuden.

Aber Plan B ist ja speziell für diese Bundesregierung unvorstellbar, den braucht es nicht, verschieben wird doch auf morgen, auf irgendwann, in die Zukunft. Politiker werden aber gemacht, um Dinge zukunftsfähig zu gestalten, werden gewählt, weil es eben nicht um eine Momentaufnahme von Statistiken geht, sondern um langfristig zu gestalten, auch über den Tag ihrer Abwahl hinaus, um Staaten krisenfest und nicht um Dinge für Millisekunden an Börsen mit möglichst hohen Gewinnen handelbar zu machen, doch genau das passiert offensichtlich.

Nur nicht zu viel planen, erst abwarten, dann auf Gewinne oder Verluste reagieren, erst denken, dann handeln, weil gewisse Dinge sind einfach so unvorstellbar, die passieren schon nicht.

Stimmt, so, wie gewisse Reaktoren ja todsicher sind, weil eben Erdbeben und Tsunamis und Flutwellen ja auch nur mit unendlich kleiner Wahrscheinlichkeit theoretisch Atomkraftwerke fluten könnten, und weil auch nur mit geringer Wahrscheinlichkeit theoretisch jemand bei Flugzeugabstürzen ums Leben kommt, und so weiter und so fort. Und überhaupt machen wir hier für die derzeitigen Wähler Politik und nicht für Ereignisse mit geringer Wahrscheinlichkeit, wie etwa neuen Bankencrashs oder eventuellen Austritten von Freunden aus Bündnissen, und nach uns die Sintflut.

Ganz ehrlich, ich erwarte von Politikern mehr, viel mehr?! Ich erwarte als Wähler Plan B in der Hosentasche, weil speziell in diesem Fall Plan B wesentlich wahrscheinlicher war als Plan A. Und ich erwarte, dass es für viele Dinge Plan B gibt, denn wenn die derzeitige Politikergeneration abtritt, dann gibt es noch immer Kinder und Enkel. Ups, ich vergesse immer wieder, dieses „nach mir die Sintflut“ und dass Plan B ja ohnehin nie passiert, und der BER ist längst eröffnet, die doofen Bürger haben es halt nur noch nicht bemerkt …

Also dann, lasst uns lebendige politische Debatte mit ganz unterschiedlichen Auffassungen führen, denn mehr fällt offensichtlich niemandem ein, sonst müsste man ja sich an eigene rote Linien halten und endlich Zeichen setzen und handeln.

Eins beruhigt dann aber doch wieder, die EU und Deutschland haben auch nicht mehr drauf als die dicken Kleinkinder Trump und Kim, die sich an den Ostertagen mehr als bemühten der Welt zu beweisen und zu zeigen, wer den kürzeren hat, der nicht zu stehen vermag …

Ganz ehrlich, sie alle bringen die Welt kein Stück voran, wenn es um Frieden für die geht, die unter all den Kriegen leiden, die man so ganz sicher nicht beenden wird, wie da verfahren wird, derweil alle gemeinsam ihren Bürgern was von Wachstum, dass ohne die Kriege nicht so hoch wäre, vorschwafeln können, derweil sie immer mehr ähnliches Material und immer mehr Menschen benötigen, um ihre eigenen Wähler bei der Stange zu halten.

So, und ich will jetzt sofort Plan B sehen. Und die Wähler der CDU/CSU grüße ich herzlich und werde wohl nie verstehen, wie man jemanden wählen kann, der für eine Regierung bei so einer Entwicklung die Aussage trifft: „Das Ergebnis zeigt, dass es in der Türkei ganz offenbar eine sehr lebendige politische Debatte mit ganz unterschiedlichen Auffassungen gibt.“

Toll, Spitzenleistung, dafür bitte den Nobelpreis für die dümmste Aussage des Jahres.

©denise-a. langner-urso

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