Augen auf beim Pflanzenkauf im Internet

 

Als Gartenfreund hat man früher dicke Kataloge gewälzt, und man ist als umweltbewusster Mensch froh über jeden Katalog der einem nicht ins Haus flattert, und wenn man ehrlich ist, es nervt jede ungefragte Werbung, auch die die einem ständig von der Bundespost bündelweise und ungefragt ins Haus flattert. Dagegen hilft auch kein Hinweis, man wünsche diese Werbung nicht. Wer online hingegen fit ist, der kann darauf bauen, dass ein Hinweis genügt, und die Unternehmen unterlassen es, weiterhin massenweise Papier zu senden.

Derweil bei Internetbestellungen Amazon bei Reklamationen bestens funktioniert, laufen diese auch bei Lebensmittelhändlern zufriedenstellend. Wo es aber hapert, das ist beim Pflanzenkauf, denn da heißt es nach wie vor: Augen auf.

Bei Pflanzen wird gerne geschummelt, dabei kommt es genau an diesem Punkt zu Problemen, denn Pflanzen sind nun einmal Lebewesen. Und sehr oft ist es so, dass diese eben erst ab einem gewissen Alter robust genug sind, um überhaupt im Garten eine Überlebenschance zu haben. Das gilt zum Beispiel für Neuzüchtungen bei Palmen, von denen immer öfter neue Arten angeboten werden, die bis zu utopischen Tiefsttemperaturen winterhart sein sollen. Je besser diese vorab bereits darauf vorbereitet wurden, umso besser.

Ehrlich währt am längsten, auf die richtige Größe kommt es an!

Und wie man das erkennt, das ist die Frage, wenn man sich nicht wirklich damit auskennt. Dann muss man sich auf die Aussage im Internetangebot verlassen können. Und da fängt das Problem schon an. Viele Händler messen ihre Pflanzen von oberer Topfkante bis Spitze des höchsten Zweiges, wobei andere ab Boden des Topfes rechnen. Und von der Pflanzengröße hängt meist der Preis ab. Bereits an dieser Stelle gilt: ehrliche Händler messen die Größe ihrer Pflanzen ab Topfkante, denn an diesem Punkt beginnt der sichtbare Teil der Pflanze, nirgendwo sonst, alles andere ist unehrlich, hinzu kommt, die Pflanze ist dann wesentlich älter und robuster, wenn man nicht ab Topfboden misst.

Bei vielen Onlinehändlern fehlt dazu noch immer die Angabe, dabei kann man bei den meisten Pflanzen an der Größenangabe auch ablesen, ob das angegebene Alter in etwa stimmt. Anders gesagt, entweder fragen sie telefonisch oder schriftlich nach, oder sie werden aus Unwissenheit unter Umständen um das wahre Alter geprellt.

Für Palmen ist der Palmenmann zum Beispiel eine gute Anlaufstelle im Internet, da stimmen die gemachten Angaben, alle dort von mir erworbenen Pflanzen wachsen und gedeihen wunderbar, derweil jene von großen „Billiganbietern“ wie Pötschke oder Baldur vor sich hin murren, weil sie eben nicht ab Rand gemessen wurden, sondern ab Topfboden und somit zu jung waren.

Sehen wollen, was da kommt!

Und es gibt bei den Riesen im Pflanzenversand noch ein Problem: Kommen Pflanzen im Herbst und erkennt man nicht mehr genau was das beschnittene Etwas ist, fehlen gar die Blätter, hat man im Folgejahr statt der bestellten Clematis, urplötzlich einen Knöterich am Hals. Nein, das ist kein Scherz, mir ist das genau so passiert. Je kleiner das Unternehmen, je spezialisierter und auf bestimmte Pflanzentypen eingestellt, umso mehr Ruf ist zu verlieren. Bei Spezialisten stimmt die Qualität so gut wie immer, stimmt etwas nicht, wird dort umgehend gehandelt.

Eine hervorragende Quelle für Rosen sind zum Beispiel die Anbieter Agel, Kordes oder Ahrens + Siebers, bei allen stimmt die Qualität, ist man Rhododendrenliebhaber, ist die Anlaufstelle definitiv die Baumschule Nielsen.

Zypressen kauft man auch da, wo ab Oberkante Topf gemessen wird, ich habe derweil je zwei Zypressen bei unterschiedlichen Anbietern gekauft, da, wo ab Oberkante Topf die 60 genannten Zentimeter ankamen, wuchsen die Pflanzen in diesem Jahr um das Doppelte, da wo ab Topfboden gemessen war, ging eine der Pflanzen komplett ein, die andere weiß bis jetzt nicht genau, ob sie wachsen soll, oder nicht, wobei alle vier Pflanzen am gleichen Standort stehen, gleiche Bedingungen und gleichen Boden haben.

Wo sich der Katalog richtig lohnt

Wo zumindest ich gar keinen Fehler gemacht habe, das ist der Anbieter Rühlemann‘s, und da lohnt es sich, sich zuzüglich den Katalog liefern zu lassen, denn zu den Kräutern und zu vielen anderen Pflanzen werden dort geniale Rezepte angeboten, wird beschrieben, wie man leckere Gerichte oder Tees, Duftkugeln und anderes herstellen kann. Dieser Anbieter begeistert mich einfach nur.

Wichtig ist in jedem Fall vorab ein Blick ins Internet und auf die jeweiligen Pflanzen, die man sich anschaffen möchte, vergleichen, vergleichen, vergleichen.

Wasser braucht es kaum

Unter alle Pflanzen habe ich übrigens zuzüglich fast 10 Zentimeter Rindenmulch getan, das hält das Wasser und erspart gießen, und Ungeziefer wird bei mir mit Kräutern bekämpft, Salbei, Rosmarin und Majoran halten sehr viele Fressfeinde fern. Sammelt man dann noch anfallenden Kaffeesatz, hat man so gut wie kaum noch Probleme mit Schädlingen. Ein Garten soll ja auch Freude und nicht nur Arbeit machen, und die hält sich bei mir bis auf einen Heckeschnitt pro Jahr und Rosenschnitt nach Blüte im Vorbeigehen komplett in Grenzen.

Es lebe die Natur

Und übrigens, es ist auch ein Gerücht, dass Rosen viel Sonne brauchen. Bei mir gedeihen sie nämlich auch in völligem Schatten. Und es gilt das Motto: Pflanzen hat es immer schon gegeben, und wenn aus der Zuchtrose nun eben irgendwann Wildrosen werden, dann ist das eben so. Es macht viel Freude zu sehen, was sich von alleine so entwickelt, als ständig mit der Nagelschere zu lauern, damit ein Pflänzchen nur nicht in die falsche Richtung wächst, oder sich gar eine Ursprungssorte daraus entwickelt. Wer im Garten als Pflanze alleine nicht überleben kann, ohne, dass man ihm dauernd hilft, der gehört da nicht hin. Punkt. Es lebe die Natur, und die wird schon einen Weg finden …

©denise-a. langner-urso

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