Es lebe das Internet! – Autoverkäufe und anderer Wahnsinn

Es wird immer mehr online gehandelt, und Plattformen wie Ebay und Amazon haben in der Masse dessen, was angeboten wird, längst alle Blätter überflügelt, in denen wir früher nach Kleinanzeigen suchten. Oft haben auch diese haben ihren Weg ins Internet gefunden. Das Internet bietet die Möglichkeit Preise zu vergleichen, und doch hat die Vielfalt ihren Preis, selbst wenn es nach umsonst ausschaut. Das wissen wir alle, denn dieses „Umsonst“ wird mit unseren Daten bezahlt und finanziert.

Dabei fand ich ursprünglich die großen Einkaufszentren und Passagen gar nicht so schlecht, denn die waren großen Portalen wie Amazon gar nicht unähnlich, zumindest in dem Fall, was der normale Mensch zum Überleben braucht. Da gab es von Büchern bis zu Armbanduhren und Lebensmitteln, von Bank bis Postfiliale auch alles. Und sogar für die Autopflege und das Anstellen dieser war gesorgt. Sogar Ärzte- Apotheken und Unterhaltungsangebote gab es, alles schön sortiert unter einem Dach.

Was im Internet die Vergleichsmöglichkeit verschiedener Stromanbieter war, das machte diese Einkaufspassage auch irgendwie. Und das beste war, man konnte die Dinge anprobieren, ohne erst darauf warten zu müssen und zumindest für einen selbst wusste man, es passt. Niemand wäre von A nach B gelatscht und hätte dort Schuhe bei einem Einkauf mehrmals in den verschiedenen Läden umgetauscht oder zurückgegeben, oder? Auf die Idee wäre man einfach nicht gekommen, niemand hätte 10 paar Schuhe gekauft um am Ende des tages davon 9 Paare oder gar alle zurückzugeben.

Und schon diese ganze Umtauscherei weil A doch besser ist als B, weil C nach postalischer Anlieferung noch besser ausschaut als B, die fabriziert doch unendlich an Verpackungen, an Transport, und ist damit nicht gerade umweltschonend, seien wir doch mal ehrlich. Hinzu kam jene Verkäuferin, die einen meist nett beriet, das freundliche Gespräch.

Und unsere Daten, unsere Anschrift, gar wissen, wo wir unser Bankkonto haben, danach hat die nette Dame im Buchhandel auch nie gefragt, und die wäre auch nie auf die Idee gekommen uns zu sagen: Die letzte Kundin, die diesen Schuh gekauft hat, die hat bei Aldi übrigens noch Waschmittel Saubermann und im Blumenladen den Topf Stinkefingerlilie gekauft, und ach, bevor ich es vergesse: die letzte Abhandlung von Blaues Auge über den Sinn der Erdrotation, die kann ich auch wärmstens empfehlen. Und hätte sie es getan, wir hätten die Ware stehenlassen.

Worauf will ich hinaus? Sehen wir uns doch nur einmal an, was gestern online los war, wie viele Computer und welche Institutionen vom neusten Hack betroffen sind, weil es für Geheimdienste keine Meldepflicht für Sicherheitslücken, die ganze Staaten bedrohen, gibt, machen wir uns klar, dass dies jedem passieren kann, der sich nicht ununterbrochen die neueste Hard- oder Software anschafft, mit immer neueren Ausspähmöglichkeiten, die unseren Diensten schon bekannt sind, oder vielleicht kurz danach bekannt werden, sogar bei Lautsprechern und Bildschirmen, wie erpressbar dadurch jeder werden kann, so stellt sich doch langsam irgendwie die Frage, will man das zulassen, will man davon immer mehr?

Ich denke, das muss nicht sein, nur so wenig Daten wie tatsächlich notwendig in die Welt setzen, so wenig Angriffsfläche wie möglich bieten. Und das Alte ist ha noch da. Alleine wer nur sein Auto verkaufen will, der kann doch schon massive Probleme durch Verkäufe bekommen, wenn er nicht sehr vorsichtig dabei handelt, und in diesem Zusammenhang nur eine einzige Mail verschickt. Ich verlinke dazu folgenden Artikel: Vorsicht vor der Abzocke auf dem Online-Automarkt.

Nichts gegen Onlineportale, auf denen man Preise vergleicht, eher selten muss man dort seine Daten vorab eingeben, meist reicht der Großraum, oder man sucht dort selber nur kurz nach dem Auto das man selber anbieten möchte und verschafft sich einen Überblick. Aber auch da gilt: man schaue sich die verschiedensten Autos und unterschiedlichster Preisklassen und Marken an, die eigene Marke mische man unter die Suche. Was man also wirklich vorhat, ist schwerer zu erkennen. Seiten wie etwa mobile.de sind dafür hervorragend geeignet. Weiß man dann ungefähr die Preisspanne dessen, was in der eigenen Umgebung angeboten wird, dann verkauft man offline und Auge in Auge. Schild ans Auto fertig. Auch in diesem Fall war übrigens immer schon Vorsicht an der Tagesordnung, Vorsicht vor Händlern, die zu dritt oder in noch größerer Menge anmarschieren, und die versuchen den Gegenstand madig zu machen.

Wie online, haben Sie sich natürlich auch schon einmal offline über den wahren Wert erkundigt, haben hoffentlich ein Angebot, das ehrlich genug für den gewünschten Preis ist. Das Auto ist technisch ok, sauber und sie wissen besser als jeder andere, dass es tatsächlich in dem Zustand ist, den ehrliche Käufer erwarten, und die reisen nicht zu einem vereinbarten Termin als Fußballmannschaft an.

Ich will das Blümchen selber sehen, das ich jemandem schenke, will mir gewisse Lebensmittel vorher anschauen, und will auch dem ins Auge schauen können, der mir einen Gebrauchtwagen verkauft, ohne dass der vorher meine Daten samt Familienstand abfragt. Und was für den Deal dann nötig ist, wenn man sich Auge in Auge gesehen hat, wenn die Chemie und die Ware stimmt, und im Zweifelsfall ich das noch prüfen lassen durfte, dann erfährt er alles Notwendige früh genug, und darauf kommt es an, weniger ist manchmal mehr, auch mehr an Sicherheit.

Und ich sage es hier nochmal ganz deutlich, nach dem was gestern passiert ist, werde zumindest ich mein Leben keinem selbstfahrenden Computer anvertrauen, und ich werde auch keiner Drohne die Tür öffnen, deren Kontrolle derweil ohne das Wissen eines Konzerns jemand anderes übernommen hat, und ich will um nichts in der Welt unsere Großeltern einem Pflegeroboter überlassen, der sie, wenn Wahnsinnige die Kontrolle übernehmen, fallenlässt oder mit seinen Armen zu Tode quetscht. Im Leben nicht, vergesst es!

Wenn Computer morden, wer haftet dann?

Achso, das passiert natürlich nicht. Also ich habe dazu tatsächlich, also zu einem quasi Mordversuch etwas gefunden …

Es zählt der Mensch und über dessen Qualität im Umgang mit anderen Menschen geht nichts, auch wenn es um der Wirtschaft willen noch so verlockend ausschauen mag. Und, wer mir einen Computer statt einer Bedienung oder Rezeptionistin vorsetzen will, der hat schon verloren, denn er würdigt mich als Menschen nicht persönlich, der will mir nur an den Geldbeutel, und sonst gar nichts. Und wenn dies sein einziges Ziel ist, dann möge er mich vergessen und sich doch bitte so ehrlich machen, gleich als Hacker tätig zu werden und zu versuchen, Bankkonten leerzuräumen, denn mehr als Geld hat so jemand nicht im Sinn, den Menschen schon gar nicht. Und wo wird schon über die Nebenwirkungen berichtet? Ich fand wenigstens dies: Japan stellt KI auf den Prüfstand. Ermordung eines Rentners durch Pflegeroboter knapp verhindert. Danke, mir reichen Menschen, die andere umbringen, die Krankenhäuser erpressen können.

Also vergesst eure Spielereien, die interessieren mich höchstens auf Jahrmärkten in dortigen neuartigen Freakshows oder in Freizeitparks in gleicher Umgebung. Und ja, ich bin mal gespannt, wann Leute mit selbstfahrenden Häusern bemerken, welchen Mist sie da haben, wenn diese nach einem Hack sie einsperren oder gar nach Angriffen in Abwesenheit komplett leergeräumt sind.

Mir reicht es, dass Menschen so pervers ticken, dass sie Krankenhäuser erpressen, mir reicht es, dass zu wenig Geld in unseren immer teuer werdenden Krankenkassensystem steckt, und dass dennoch, was Sicherheit angeht, in diesem sensiblen Bereich wir vielleicht ebenso erpressbar sind wie auf der Insel. Sicherheit stelle ich mir anders vor. Und innere Sicherheit beginnt für mich mit dem Schutz kranker Bürger vor solchen Angriffen wie gestern.

Und wenn ich noch einen einzigen Politiker von innerer Sicherheit im Wahlkampf faseln höre, der diesen jetzigen Angriff nicht meint, der nicht von aktueller Technik und deren Up-to-Date spricht, dann bekomme ich den Brechreiz, denn wenn irgendwo unsere Sicherheit ja wohl richtig gefährdet ist, dann da, wo ein Staat solche Angriffe wie derzeit nicht abwehren kann, weil für Sicherheit eben doch nicht genug investiert wird, weil Industrie xyz ihnen egal ist und erst gehandelt wird, wenn ganze Staaten und deren Systeme von Computerprogrammen und Viren angegriffen werden, die man durch Investitionen hätte längst beseitigen können.

Und einen Staat, unseren Staat, mit solche massiven Überschüssen wie derzeit, der dafür so wenig tut, der all das noch immer nicht verstanden zu haben scheint, dem ist wahrlich kaum noch zu helfen, den kann ich beim besten Willen nicht ernst nehmen, wenn er von Industrie 4.0 und dem damit verbundenen Segen schwafelt!

Ich stelle mir Leben in der Zukunft, und oft bereits jetzt, nicht vor als eine Dauerwerbesendung unter dem Titel: bei Risiken suchen sie einen hoffentlich gut ausgebildeten und vielleicht in ihrem Land vorhandenen Internetanwalt und bisher ist diese Spezies ja eher mit Abmahnen, denn mit Hilfe für von solchen Raffgeieern Betroffenen befasst …

Unsere notwendigen Sicherheitsberater haben vor mehr als zwei Dekaden in Schulen und Universitäten gesessen und hatten keine Chance, solche zu werden, begreift das endlich und handelt. Ach ne, stimmt ja, Religionsunterricht, und zwar der angeblich so christliche ist ja viel wichtiger. Stimmt, hat man gestern erst gesehen, in solchen Fällen hilft natürlich dann nur Beten, dass niemand zu Schaden kommt, und das muss man schon früh gelernt haben …

So, und mein Einstieg ins eigentlich verdiente Wochenende war mal wieder Ärger über Zukunftsunfähigkeit und Festhalten an der Vergangenheit. Klasse, ganz großes Kino!

©denise-a. langner-urso

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