EU-Politik – Zwischen Putin und Erdogan

Deutschland und die EU möchten unbedingt, dass Erdogan die Flüchtlingsströme eindämmt und verbündet sich dafür mit einem Erpresser, der jederzeit Flüchtlinge, die bei ihm Unterkunft gefunden haben, Massenweise als Druckmittel weiter in die EU leiten könnte. Nette Situation, wo Erdogan gerade erneut versucht, die Nato in seinen ganz eigenen Krieg zu ziehen, ein Krieg, der Assad wegbomben und gleichzeitig einen Kurdenstaat verhindern soll. Was für ein Erpressungspotential, was für eine hinterhältige Taktik, die speziell Interessen der Union entgegenkommt, die in Deutschland immer mehr an Zustimmung verliert. Da kam Erdogan als Flüchtlingseindämmungshelfer gerade recht.

Jetzt aber sitzt man plötzlich zwischen allen Stühlen, denn Erdogan hat ja seine Grenze, seinen Luftraum, weit nach Syrien hinein verschoben. Schießt mal eben einen russischem Kampfjet ab, der nach CNN-Bebilderung offensichtlich im syrischen Luftraum, auf syrischem Gebiet war. Und Putin brauchen die, die ISIS bekämpfen wollen, denn nur mit Putin wäre ein sanfter Übergang von Assad in ein eventuell anderes Syrien möglich. Hinzu kommt, dass man nie genau weiß, ob Erdogan nicht doch klammheimlich ein doppeltes Spiel spielt, mit ISIS paktiert, denn die Truppe, die bekämpft auch jenen eventuell angedachten kurdischen Staat, den Erdogan um alles in der Welt verhindern will.

Man kann in Syrien, wenn man tatsächlich die Menschen im Auge hat, nur mit einem Partner agieren, man muss sich entscheiden, und Putin scheint der weitaus bessere Partner zu sein, der eben auch auf Assad, nur längerfristig verzichten, und weiteres Morden an den Kurden verhindern könnte- oder so…

Erdogan aber erpresst, spielt die Flüchtlingskarte gegen die EU-Staaten, hofft, man ist wegen der Ukraine seitens der Nato so verärgert, dass sich diese Organisation eher gegen Putin wendet, als dass jetzt vielleicht doch blitzartig Erkenntnis bei den anderen Nato-Partnern einkehren könnte, wer der eventuell zuverlässigere Partner, auch in der Zukunft für die EU sein könnte, und das ist sicher nicht Erdogan, der ein mieses Doppelspielchen spielt, der nicht nur die Flüchtlingskarte zieht, der zuzüglich die EU-Mitgliedskarte als Erpressungsmerkmal nutzt.

Ich bin der Meinung, man darf jetzt aus der Nato heraus nicht voreilig handeln, nicht auf Erdogans Spiel mit eventuell mehr Flüchtlingen hereinfallen, der Preis ist zu hoch. Putin war für die EU-Staaten immer der bessere Partner, und dauerhaft wird man mit Putin sicher auch die Ukrainekrise lösen können, wenn man jetzt nicht vorschnell handelt, denn wer die Flüchtlingskarte ziehen würde, der ist erbärmlich, der nutzt menschliches Leid für eigene Interessen, und spätestens jetzt muss man diesem Ballon die Luft rauslassen, zumindest dann, wenn die Aufnahmen von CNN beweisen, wo der russische Kampfjet tatsächlich abgeschossen wurde, was aus meiner Sicht auf syrischem Gebiet geschah. Die Angst vor mehr Flüchtlingen darf nicht dazu führen, dass man Erdogan, der ständig versucht, die Nato in einen provozierten Bündnisfall zu ziehen, jetzt nachgibt.

Ähm ja, meine persönliche Sicht, aber mir ist Putin, mit dem man dauerhaft eventuell zu einem euroasiatischen Handelsabkommen samt China kommen könnte, wirtschaftlich näher als Erdogan, wenn man es rein finanziell sieht, und rein menschlich übrigens auch, denn wer wie gesagt, Flüchtlingskrisen benutzen würde, wer die bombardiert, die Menschen helfen, Jesiden halfen, den Dreck wegräumt, den der Westen angerichtet hat, der ist mir näher als jener, der die unterstüzt, mit denen dealt, die den Terror zu uns tragen, die eine ganze Region terrorisieren und die der Westen gemeinsam bekämpft. Denn dabei fällt uns Erdogan derzeit tatsächlich in den Rücken, nur, weil er neben sich keinen kurdischen Staat wünscht, und weil er massiv vom IS profitiert …

Was für eine Scheiße, so zwischen zwei Stühlen zu hocken, nur, weil einem ansonsten vielleicht die Regierungsmacht flöten geht, wenn man mehr an die Menschen und ihre Zukunft denkt. In der Haut der Bundesregierung und der EU will ich in dieser Situation lieber nicht stecken, manchmal kann Verantwortung tatsächlich ein riesiger Misthaufen sein, wenn ihr versteht, was ich meine. Aber meine Entscheidung wäre trotz eventuellen Machtverlustes klar bei der Zukunft eines anderen Staates, eines eventuell neuen Staates, ginge in Richtung der Menschen einer Region, und dabei stört allenfalls einer, Erdogan, dabei der zweite heute Betroffene vielleicht noch Wirtschaftswachstum für die EU und irgendwann vielleicht tatsächlich Frieden in einer neu aufgestellten Ukraine in die Waagschale legt …

Man verhandelt nicht mit jemandem, der Flüchtlinge wie ein Geiselnehmer missbraucht, zuzüglich kämpft Putin ja auch eher an der Seite der USA als Erdogan. Und man gebraucht ja sonst auch seine Wirtschaftsbeziehungen, verhängt Sanktionen. Wer also zuzüglich noch die Zukunft der türkischen Bevölkerung im Blick hat, dort etwas für Demokratie machen will, der handelt in Richtung Russland und weist den Erpresser in seine Schranken, auch wenn dadurch mehr Flüchtlinge kommen, dann weiß man nämlich, mit wem man es tatsächlich zu tun hat, wenn Erdogan dadurch eventuell sein wahres Gesicht zeigt. Partnerschaft geht nämlich anders, eventuelle EU Partnerschaft erst recht, die darf man sich nicht so perfide und billig abringen lassen. So nicht!

Ich bin verwirrt. Ich nehme lieber das kleinere Übel.

©denise-a. langner-urso

  1 comment for “EU-Politik – Zwischen Putin und Erdogan

  1. 25. November 2015 at 22:54

    Das kommt davon, weil wir die Doppelmoral einfach übernommen haben von den USA! Ich bin auch überzeugt, dass gerade wegen der ungerechten Behandlung sich menschen anfangen zu radikalisieren, denn wenn man nicht darauf vertrauen kann, das recht auch recht bleibt, dann bleibt einigen nur der Weg selbst zu handeln.

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