Hamburg, FDP: Leben Totgesagte länger?

Wenn die Vorzeichen stimmen, dann könnte die FDP wieder in die Bürgerschaft in Hamburg einziehen, ebenso könnte die AfD den Sprung schaffen, wenn die Wähler die Skandälchen dieser Partei übersehen, ihr dennoch eine Chance geben. Und das wäre auch gut so, denn je mehr Parteien in einem Parlament vertreten sind, desto mehr Bürger finden dort auch ihre Vertreter, was eventuell mehr Ruhe auf der Straße bedeutet, weniger Demonstrationen vielleicht, die ja, seien wir ehrlich, auch die Kassenlage belasten.

Natürlich ändert all das nichts an der Stärke der SPD, die nirgendwo mehr Zuspruch findet als dort. Mehr Parteien würden aber auch dem Bundestag gut tun. Die 5% Hürde schließt unnötig viele Stimmen aus dem parlamentarischen Geschehen aus, und ich vermute, würde diese Hürde fallen, so hätten Bewegungen ala -gida wesentlich weniger Zulauf.

Sicher, eine Regierungsbildung würde dann hin und wieder schwieriger, aber es täte gut, auch andere Stimmen zu hören, und Parteien können nur im Parlament und durch dort gute Arbeit den Beweis antreten, dass sie gebraucht werden, dass da mehr ist, als nur schöner Schein, Empörung und Sonntagsreden. Nur bei Einzug in Parlamente können sie entzaubert werden oder beweisen, dass das, was sie im Wahlkampf versprochen haben auch dauerhaft tragfähig und durchhaltbar ist, eventuell Mehrheiten findet.

Wobei natürlich auch Altparteien sich daran messen lassen müssen, ob sie dauerhaft eben eine Partei aus Trotz ignorieren, wie man es mit der Partei Die Linke ja nun versucht. Streckenweise kommen aus der Ecke nämlich vernünftige Ansätze, die schon aus Prinzip generell abgelehnt werden. Und behaupte nur niemand, der Bürger bekäme so ein trotziges verhalten nicht mit, zumal dann nicht, wenn aus anderen Parteien wenig später und hin und wieder dann eben doch Vorlagen ins Parlament eingebracht werden, die wie Plagiate ausschauen.

Und warum sollte der Wähler dann nicht irgendwann doch lieber das Original wählen, wenn deutlich gute Ansätze aus einer Opposition übernommen werden. Zeigt sich doch an solchen Beispielen die wirklich gute Arbeit einer schwachen Opposition. Und davon ist ja nicht nur diese Partei betroffen, nein, auch bei den Grünen wird ja streckenweise abgekupfert bis es quietscht. Es ist ja wirklich nicht so, dass im Bundestag nicht in allen vertretenen Parteien Realisten sitzen, die noch nahe am Bürger agieren, speziell wenn sie erst kurze Zeit im Bundestag sitzen und die Nabelschnur zur alten Basis noch nicht ganz durchtrennt haben.

Aber es gibt auch in allen Parteien Nesthocker, die trotzdem bodenständig geblieben sind, und auf die kommt es an, nicht auf jene, die bereits in Ministerämtern sitzen, denn denen fehlt tatsächlich die Zeit für den heute mehr denn je dringend notwendigen Realismus, die Realität, ihre eventuell wegbrechende Basis. Und tauchen sie doch ab in deren Niederungen, so erschrecken sie über das, was sie dort vorfinden, wie zuletzt Herr Gabriel und die, die es nicht wagen, sich so herab zulassen, die können es nicht fassen, dass einer der Ihren es überhaupt wagt, das zu tun, was man daheim vermutlich lieber der Putzfrau überlässt, nämlich den „Müll“ nach seiner Nutzbarkeit und Rückgewinnungschance zu sortieren …

©denise-a. langner-urso

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