Hans-Dietrich Genschers Tod – Mahnung zur Solidarität

 

genscher2560x1440_kleinZur Solidarität mit allen Flüchtlingen, die derzeit zu Vertriebenen werden, die auf griechischen Inseln auf ein Leben in Frieden warten, auf einen Neuanfang, die wir in Idomeni abweisen. Der nationale Hass im Osten zerstört all das, wofür dieser große Außenpolitiker ein Leben lang gekämpft hat.

Sein Tod soll jene, die einst in osteuropäischen Ländern als Wirtschaftsflüchtlinge, und sie waren eben nichts anderes, obwohl Deutsche, daran erinnern, wie sehr dieser Mann sich für sie engagiert hat, als sie selber in Dreck und Schlamm warteten, warteten darauf, dass ihnen jemand helfen würde. Und es wurde ihnen geholfen.

Und was tun wir heute? Wir schicken Syrer über Erdogan direkt dahin zurück, woher sie kamen, in den Krieg, Kurden ebenso, wir lassen Flüchtlinge im Schlamm von Idomeni hausen, schämen sollten wir uns! Auch jene Staaten übrigens, die nach der Wende massiv zu Profiteuren wurden, wir Ungarn. Und wie viele von denen, die einst Züge und Botschaften stürmten, ohne, dass sie vor Krieg flüchten mussten, rennen heute wohl zu Pegida und Co, wählen AfD? Erbärmlich sind solche Menschen!

Genscher hat sich sein Leben lang für Menschen in Notlagen engagiert, daran sollten wir uns erinnern, überdenken, wie sehr wir derzeit sein Lebenswerk beschädigen, wie sehr es derzeit durch das Handeln auch dieser Bundesregierung beschädigt wird.

Der derzeitig aufwachsende Nationalismus Europas zerstört all das, wofür nach dem Zweiten Weltkrieg mehrere Politikergenerationen gekämpft haben, bedroht auch das friedliche Zusammenleben innerhalb Europas selbst. Und dafür sind nicht die Flüchtlinge verantwortlich, verantwortlich sind die, die um Stimmen in rechten Lagern buhlen, nur um selber ihre Sessel, ihre „Volksalimente“ nicht zu verlieren.

Genscher hat immer Politik für die Zukunft gemacht, heute wird die Uhr rückwärts gedreht, so, als habe es den kalten Krieg niemals gegeben, und wir in Europa sind wieder mitten in ihm. Geniale Leistung, und was für ein furchtbares erstes Quartal 2016. Die letzte Stimme von Vernunft und Weitsicht scheint gestorben, denn darum geht es nicht mehr, nicht mehr seit dem Abkommen mit Erdogan, der jedweden europäischen Gedanken und Wert mit Füßen tritt.

Wie konnte man Europa nur so sehr verraten, wie konnte Europa vom guten Weg abkommen, auf dem es zu Zeiten der Wende war, und wie konnte man mit diesem Abkommen all jene Werte, für die sich Genscher und viele andere Dekaden lang eingesetzt haben, gegen rechte, nationalistische Wählerstimmen verscherbeln. Unfassbar traurig …

Danke an einen großen Staatsmann, wenigstens für kurze Zeit erlebte Europa all das, wofür dieser Mann gekämpft hat, Zusammenwachsen und friedliche Zusammenarbeit. Sein Tod soll uns daran erinnern, dass ein besseres Europa möglich ist, wenn man darum kämpft, sich nicht beirren und durch rechte Krawallbrüder und -schwestern vom Weg abbringen lässt, und wenn man statt zu schweigen, hin und wieder deutliche, laute Worte spricht gegen all jene, die genau so ein Europa bekämpfen wollen.

Sein Tod soll uns Mahnung sein, uns daran zu erinnern, wie Europa aussehen könnte, wenn Nationalisten und Egoisten nicht alles dafür tun würden, jahrzehntelange Arbeit vieler Politiker zu zerstören. Danke, dass Hans-Dietrich Genscher uns für kurze Zeit ein anderes Gesicht Europas gezeigt hat.

©denise-a. langner-urso

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