Koalitionen – Wenn die Union mit der Linkspartei sondierte …

Jetzt also sondiert die CDU mit der Partei Die Grünen und es wird klar, sollte daraus eine Regierungsbildung erfolgen, wird nie eine Partei ihre Wählerschaft mehr verraten haben, als Die Grünen. Umso lauter müsste eigentlich der Aufschrei in der Partei und an ihrer Basis sein, doch scheint die Partei ja noch geiler aufs Regieren zu sein, als jede andere, die es bis dato in den Bundestag geschafft hat.

Bei Herrn Kretschmann hatte man irgendwie schon immer das Gefühl, er sei eigentlich ein verkappter CSUler, aber dass jemand grüne Ideale vielleicht so sehr verraten wird, wie man es müsste, wollte man unter Merkels Regierungsstuhl den Dackel spielen, das dürfte für jeden Wähler auch anderer Parteien unglaublich sein, das ist Satire vom Feinsten, allenfalls.

Aber gut, Kretschmann kam immer schon sehr konservativ daher, da half auch der grüne Anstrich nicht, wer sich davon hat täuschen lassen, der sieht die Farbe, die unter dem abblätternden grünen Anstrich steckte spätestens jetzt, denn keiner biedert sich der Bundeskanzlerin mehr als diese Partei.

Und ja, bei der SPD sieht es nicht viel besser aus.

Spätestens in diesem Wahlkampf wurden Parteien deutlich auf ihre Stammklientel reduziert. Bei der FDP hocken die Ärzte, bei den Grünen vermutlich jene, die sich Wachstum durch erneuerbare Energien versprechen, und das war es dann auch schon.

Die Wahl hat aber auch gezeigt, es rächt sich auf Dauer, wenn man Stimmen aus den hinteren reihen der Parteien ignoriert, denn speziell dort sitzen jene, die engen Bezug zum Wahlkreis und die Bodenhaftung noch nicht verloren haben. Wer Koalitionszwänge aufbaut, der verliert diese Wähler und oft auch die Abgeordneten. Erkennbar wurde das durch die Gründung und das rasante Wachstum der AfD, denn hier siedeln sich Unzufriedene aller Parteien an, hier sammeln sich jene, die ihre Stammwähler ehrlich bedienen wollen, die am Puls der Bevölkerung das Stethoskop sitzen haben. Den Altparteien sollte das zu denken geben, doch ist man dazu offensichtlich zu verbohrt, zu abgehoben, was auch immer. Teile der Wahlberechtigten machten ihr Kreuz gleich gar nicht mehr, die AfD war ihnen zu verdächtig, denn mit populistischen Parolen, die rechtsgerichtete Wähler und Interessenten anziehen, verscherzt man es sich bei denen, die einen auch gewählt hätten.

Solange die Altparteien sich also auf Mehrheiten berufen können, die nicht wirklich die Mehrheit der Wahlberechtigten spiegelt, solange wird sich nichts ändern. Die Frage ist doch, was passiert, wenn irgendwann wirklich nur die Eliten wählen würden, jene von allen Parteien so umworbenen vielleicht 10 % aller wahlberechtigten BürgerInnen. Schwafelt man dann auch noch von Mehrheiten, weil ja jeder hätte den Wahltag nutzen können?

Und ja, Wahlversprechen werden reihenweise gebrochen, schon jetzt, und von Opposition ist nirgendwo mehr die Rede, dabei ist sie groß, die Zahl vom Wahlberechtigten, die im kommenden Bundestag gar keine Stimme haben werden, und irgendwann muss wirklich jemand die Frage stellen, wie man so das Volk vertreten will. Irgendwie grenzt das schon an Amtsanmaßung, was auf politischer Ebene nach Wahlen so passiert.

Und ist das eigentlich noch demokratisch? Nein, auf dem Wahlzettel fehlen wichtige Punkte, die vielleicht Menschen doch zum Wahlgang bewegen würden, nämlich die Wahlmöglichkeit aller vermutlich in Frage kommenden Koalitionsmöglichkeiten, unabhängig von der Parteienzusammensetzung und Personenwahl. Spätestens nach der Wahl, sollte diese hinzugezogen werden, zumindest dann, wenn wie jetzt mehr Koalitionen möglich wären, als man in Erwägung zieht.
Es heißt immer, man müsse mit allen demokratisch gewählten Parteien reden können, und so wäre es doch ein kluger Schachzug, böte die CDU/CSU auch der Linken Gespräche an. Entweder ist eine Partei nämlich verboten, oder sie ist es eben nicht, und dann darf man sie auch nicht übergehen. Und welcher Paukenschlag wäre es, käme es aus diesen Reihen zu Sondierungen. Wer die SPD, die FDP und Die Grünen beobachtet, der weiß ja, welche Tabus fallen, was in solchen Gesprächen plötzlich aus Programmen gestrichen wird, wie sich Parteien verbiegen und ändern können.

Ja, so eine Sondierung zwischen der Union und der Linkspartei, sie brächte wahrlich frischen Wind in das schlafende Wählertum und auch in die Parteien selbst, würde dem Wähler vermutlich gefallen. Und ja, das wäre ein Zeichen für demokratisches Verhalten. Und die anderen Parteien, ihre Führungsetagen? Sie könnten sich vom Demokratieverständnis der Unionsparteien dann eine dicke Scheibe abschneiden und wären die Gelackmeierten. Die Kanzlerin war ja schon oft für Überraschungen gut, und alleine um die Reaktion der Linken zu sehen, würde sich es lohnen, auch, wenn es vielleicht zu nichts führen würde. Zumindest den Bürgern würde ein Zeichen gegeben, seht, wir reden mit allen, die ihr in die Opposition verbannt habt. Und die langen Gesichter bei SPD und Grünen, sie wären es sicher wert …

Ja, das wäre eine spannende Ansage, ein richtiger Wachrüttler. Schade nur, dass es dazu vermutlich nicht kommen wird, denn auch die Gesichter der Linken, die würde ich gerne in diesem Augenblick sehen.

Und ja, Frau Wagenknecht bekäme das Familienministerium, Herr Gysi das Arbeitsministerium, das wäre eine wahre Herausforderung für Frau Merkel und die Republik hätte ihren Spaß. Man kann sicher sein, die Politikverdrossenheit würde schlagartig sinken. Und da Reden ja nicht schadet, warum provoziert da eigentlich nicht die Union einmal etwas und riskiert wirklich einmal echte Diskussion in Volk und Parteien? Zumindest hätte die Bundeskanzlerin dann auch bei diesem Schritt allen anderen Parteien den Rang abgelaufen und ihnen das letzte Überlebensthema auch noch abgenommen. Und schneller würde die Partei Die Linke nicht in der Realität ankommen, dann wüsste der Wähler, was tatsächlich in ihr steckt …

Mensch, Frau Merkel, traun sie sich mal was!

©denise-a. langner-urso

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