Medien, Wahlen, Parteien – Gibt es eigentlich noch Krisen?

©Katharina Scherer  / pixelio.de

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Irgendwie scheint die Eurokrise vergessen, schließlich ist Wahljahr und da pinkelt niemand dem anderen ans Bein, selbst in Deutschland nicht.

Der Berliner Bürgermeister kann herrschen wie ein König, da murrt man zwar hin und wieder aber eigentlich geht es nur noch darum, sich den Abnickverein SPD als Koalitionspartner nicht zu vergrätzen. Und was sind schon ein paar versenkte Flughafenmilliarden.

Auch innereuropäisch zeigt man sich besonnen, einen Monti hätte man gerne wieder an der Spitze Italiens und schließlich gibt es ja auch noch andere wichtige Meldungen, mit denen man die Bevölkerung beruhigen kann. Im Fußball geschieht ja auch nichts, was die Bürger ablenkt, wohinter man politische Probleme verstecken könnte. Selbst ein abgewrackter Schauspieler und Steuerflüchtling muss da als Sensation herhalten oder eine gescheiterte Ehe, die nicht unwichtiger sein könnte.

Ab und zu ist der widerspenstige Cameron einmal eine Meldung wert, ansonsten aber herrscht Ruhe im Karton, also in der Politik, in den Medien, Peanuts sind nicht von Bedeutung, schon gar nicht dann, wenn sie scheinbar nur eine Stadt wie Stuttgart, Berlin, München oder Hamburg betreffen.

Addiert man hingegen, was da so an Kapital versenkt wird, dann ergibt das schon ganz andere Sümmchen und die machen dann schon eine Menge aus im Staatssäckel, denn es sind eben doch nicht nur ein paar Städte von politischer Kurzsichtigkeit betroffen sondern eben doch alle Steuerzahler, und da bringt es überhaupt nichts, wenn Bayern auf Berlin zeigt oder wenn die Berliner gegen Schwaben wettern. Sie potenzierte Unfähigkeit wählen die Bürger überall. Wieder und wieder, denn es steht eben immer eine politisch genehme Auswahl zur Wahl und nicht neue Köpfe.

Und wenn doch, dann scheitert diese an den Alten der eigenen Partei, am Koalitionspartner gar, wer ändern will ist vorab zum Scheitern verurteilt, weshalb es stets heißt, nur nicht anders, als gehabt wie man an der FDP bestens sehen kann. Nur sich nicht bewegen, nicht den Kopf einschalten. Es gilt das Motto, das haben wir schon immer so gemacht, gesagt, und denkt übrigens auch der Bürger.
Wie sollte er auch anders denken, wenn Neuerungen stets so fatal falsch ausgeführt werden, wie es mit der Energiewende geschieht.

Und die Medien? Warum sollten sie plötzlich beginnen zu recherchieren, zu hinterfragen, wenn Unwichtiges ala RTL-Scheidungsdrama ihnen in den Schoß fällt? Wozu Personal einsetzen, Finger in Wunden legen, Politiker sind scheue Rehe und verweigern demnächst vielleicht einfach das nächste Interview, wenn es wirklich richtig knallt. Doch knirscht es überall, in Europa und in Deutschland, nur schaut man eben lieber verstohlen und verschämt weg.

Mich hingegen interessiert es, ob es noch jemanden kratzt, wie es den Spaniern, Italienern oder Griechen geht. Mich interessiert es schon, warum vielleicht pünktlich nach dem Wahlabend im September die Eurokrise wie ein Hurrikan erneut über uns hinein brechen wird, und warum jetzt die Medien die Füße so still halten, warum sie nicht aufzeigen, welche finanziellen Belastungen auf uns Deutsche zukommen, bei all dem politischen Versagen in so vielen Städten, warum nicht so lange nach gehackt wird, bis man das Versagen der Berliner Politik aufgezeigt hat und das vor der Wahl.

Schließlich ist es das Recht der Bürger solche Ich dulde und deck dich Vereine wie die CDU und SPD nicht wählen zu müssen. Und Schuld sind beide Parteien, wenn wieder und wieder Millionen und Milliarden im Nirwana verschwinden. Denn unser aller belastung steigt dadurch, und das gehört diskutiert und auf den Tisch und nicht erst nach der Wahl, nur damit die Damen und Herren bis dahin ruhig weiter kungeln können, wie jetzt.

Das ist allgemeines Medienversagen auf ganzer Ebene. Doch genau dazu sind Medien verpflichtet, sind 4. Gewalt im Staate, und wenn die versagt, dann sieht es wirklich ganz bitter aus, zumindest, was die Demokratie betrifft, und mir als Bürger ist es wurscht, wo bei der Presse welcher politische Hansel im Vorstand sitzt. Trotzdem haben Medienvertreter Arsch in der Hose zu haben, sonst sollen sie sich unfähige Journalisten gefälligst gleich als Sprecher bei Merkel oder Rösler bewerben, das wäre ehrlicher!

Die NZZ schreibt heute etwa: Spanische Schuldenkrise-Banco de Valencia entlässt halbe Belegschaft und dort heißt es auch weiter: Gewerkschaften fürchten, dass in diesem Jahr 12’000 spanische Bankangestellte ihren Job verlieren. Interessiert das nicht? Was bedeutet so ein hoher Stellenabbau für das Land? Was bedeutet das für Europa, Deutschland? Darüber will ich etwas lesen!

Was steckt hinter diesem Handelsblatt-Bericht: Steinbrück bot Thyssen-Krupp Gefälligkeiten an? Darüber will ich Informationen sehen, schließlich sind wir in einem wichtigen Wahljahr! …

So, und jetzt will ich in Bälde Fakten zum BER lesen und zur Eurokrise gefälligst auch. Wacht endlich auf und kriecht aus euren Bauten und aus dem Winterschlaf! Mir geht es am Allerwertesten vorbei, was Altpräsidenten und irgendwelche alternden Filmdiven treiben, ich will Fakten, Fakten, Fakten und zwar zu Problembären ala Wowereit und anderen Kapitalversenkern europaweit, jetzt, hier und gleich!

©denise-a. langner-urso

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