Schleswig-Holstein – Und die SPD geht baden

 

Eigentlicher Gewinner ist die FDP und die Union kann mit einem unverbrauchten, jungen Kandidaten auch unglaublich zulegen. Sind die Wähler also alle verrückt geworden, stimmt da was nicht? Ich meine, im Gegenteil. Die Wähler haben da eigentlich einen recht guten Realitätssinn. Die Wähler wollen Politik, die sich an realitäten orientiert, sie wollen Ausgeglichenheit, Machbarkeit und das bezahlbar. Die Grünen bedienen eine gewisse Stammklientel, können aber auch nicht zulegen, im Gegenteil, ein paar O,Etwas haben auch sie verloren.

Mich als Berlinerin wundert das gar nicht, ich bin ohnehin der festen Überzeugung, alle Parteien bräuchten irgendwann einmal an ihren Spitzen jüngeres Personal. Aber was soll es, dass die Grünen nicht in etwa gleiche Werte haben wie zuvor, das haben sie in Schleswig Holstein alleine ihrem Realisten Habeck zu verdanken, niemandem sonst, und der agiert streckenweise nicht gerade so, wie man es anderswo von grünen Politikern kennt.

Schaue ich zudem meine eigene Stadt Berlin an, so sehe ich, wo es so richtig teuer ist, in einem Bezirk nämlich, in dem grün regiert wird, und angeblich wollen die Grünen ja eine sozial-ökologisch soziale Partei sein. Was ist denn bitte in Friedrichshain Kreuzberg sozial-ökologisch sozial? Die Mieten? Pustekuchen.

Aber vielleicht ist es ja sozial, wenn man Menschen, die sich ein Auto leisten können, dieses wegnimmt um sie wie jene, die es sich nicht leisten können, manchmal auch nicht wollen, aufs Fahrrad zu zwingen? Und Ökologisch? Was ist sozial ökologisch, wenn Grüne nicht sehen, wie viel kostengünstiger und grüner in anderen Ländern gebaut wird?

Stattdessen steigert man die Kosten durch unnatürliche Dämmstoffe und treibt dadurch die Mieten, baut Mooswände statt von anderen zu lernen, wie man mehr grün in Städte bekommt und dadurch gleichzeitig ein besseres Klima schafft.

Am Kottbusser Tor bringt nur massive Polizeipräsenz etwas mehr Sicherheit und vom Görlitzer Park, den die Polizei aufgegeben hat, will ich gar nicht reden. Hinzu kommen dauernd brennende Autos und ganze Häuser, in denen es Probleme mit Menschen gibt, die diese als ihre betrachten, obwohl sie ihnen gar nicht gehören.

All das fällt für mich nicht gerade unter ökologisch-sozial gerecht, tut mir leid. Und die SPD macht all das mit, im Gegenteil, Autofahrer sind der Lieblingsfeind, derweil man jene Gelder, die Autofahrer mit ihren Steuern aufbringen, eher in Fahrradschnellwege steckt, denn in zügig vorangehende Straßensanierung. Da gibt es Minibaustellen von ein paar 100 Metern, in einigen Bezirken, die ziehen sich derweil fast ins dritte Jahr. Und hinzu kommt, wenn man nicht Steuern sagen will, dann nimmt man eben erhöhte Gebühren. Ganz großes Kino!

Ich gebe ja zu, Berlin war schon immer etwas anders, nur was derzeit unter R2G in der Hauptstadt passiert, das ist eine Art von Versuchslabor. Und wer meint, das bekommen die Menschen anderswo nicht mit, der täuscht sich gewaltig. Sozial ist zuerst einmal alles, was wirtschaftlich nützt, was Wirtschaftswachstum bringt, und noch bekommt das angeblich so hippe Berlin das hin, nur macht es eben aus diesem Wachstum an einigen Stellen viel zu wenig.

Studentenwohnungen und überhaupt bezahlbarer Wohnraum fehlen, aber nein, man baut nicht im Eiltempo Studentenwohnheime, und bestünden diese nur aus Containern ganz zu schweigen von genügend sozialverträglichen Wohnungen. Man lässt es im Gegenteil zu, dass 2/3 von Neubauten im hochpreisigen Bereich liegen dürfen. Man könnte sogar am Rand des Tempelhofer Feldes Tiny Houses in absolut kurzer Zeit für Studenten errichten, aber nein, das Feld ist heiliger als die Klagemauer in Israel und kann nicht einmal minimal auch nur auf Minigebieten am Rand sozial für Kleinstbebauung genutzt werden, und günstiger Wohnraum, was könnte sozialer sein? Tiny Houses versorgen sich selbst, brauchen wenig Platz, aber Hauptsache, man muss sich nicht den Kopf zerbrechen, was eventuell machbar wäre, Hauptsache der Rentner fährt mit dem Fahrrad oder öffentlichen Verkehrsmitteln zu nächsten Supermarkt, denn so soll die neue schöne grüne Welt ja wohl ausschauen.

Dabei hat er natürlich unter gar keinen Umständen zu rauchen, denn im Vorbeifahren könnte er irgendeinem Grünen im dritten Stockwerk auf dem Balkon ein Krebsgeschwür anhexen, derweil man gegen den im zweiten Stockwerk wohnenden Kiffer wenig einzuwenden hat. Und wehe, der Rentner hat anschließend ein Rindersteak oder Schnitzel im Einkaufskorb, das nicht zu 100% vom Biobauern aus der Region stammt.

Aber zurück zu SPD, deren Kanzlerkandidat, wenn man ihn denn überhaupt außer im Fernsehen, irgendwo einmal zu Gesicht bekommt, ansonsten programmlos abgetaucht ist, und dem auch nichts einfällt, außer ununterbrochen mangelnde soziale Gerechtigkeit anzuprangern. Sorry, aber als Berlinerin bin ich gewarnt, wenn ich mir anschaue, wie R2G Berlin derweil regieren.

Und es tut mir traurig, aber im Bund, nein, das will ich dann doch nicht, und damit stehe ich sicher nicht ganz alleine da. Ich will Freiheit neben Sicherheit und beides sozialverträglich, und für mich bedeutet das eben nicht, dass ich mir als Autofahrer alleine dafür die Schuld zuweisen lasse, dass Radfahrer nicht umsichtig fahren, sich an der neuen, grünen, Straßenfinanzierung nicht beteiligen müssen, dass mir jemand vorschreiben will wie ich mich fortzubewegen habe, dass ich quasi alleine für schlechte Luft und Klimawandel verantwortlich sein soll.

Baut Vertical Houses, sogar China ist ja moderner als diese Stadt, und es wäre schon eine Menge an Ökologie mehr vorhanden. Und eine Gruppe von Verkehrsteilnehmern radikal und einzig zu bevorzugen, das ist nicht sozial, das ist Bevormundung, das macht man in sozialistischen Staaten. Und wie sicher man sich in der Hauptstadt bewegen kann, das sieht man eben am Görlitzer Park. Sorry, mit ist R2G zu wenig, zu teuer, zu erzieherisch, zu unsicher, zu wenig Kopfzerbrechen, wie man es besser machen kann. Mir sind die Kandidaten der Grünen zu kurzsichtig, zu verbohrt, zu normal-radikal.

Ich brauche keine Erzieher für mich, keine Lehrer, ich brauche umsichtige Politik und zukunftsweisende Ideen, und günstiges, wirklich grünes Bauen gehören für mich ebenso in eine moderne Hauptstadt wie einträchtig nebeneinander fließender, gleichberechtigter Verkehr. Und deshalb wähle ich dann eben doch am Ende eher eine Partei, die versteht, dass ohne neue Ideen und zukunftsweisende Projekte, ohne Wirtschaft und deren Einbindung, alles was sozial ist, unbezahlbar teuer wäre.

Und ganz ehrlich? Die Glückwünsche in Richtung Habeck, sowie jene Glückwünsche, die hin und wieder aus Reihen der Grünen in Richtung Kretschmann gehen, ich nehme sie ihnen nicht ab, verlogener geht es nämlich nicht. Diese beiden Grünen nämlich haben verstanden, dass man in der Realität sich um alle Menschen und eben nicht nur um eine bestimmte Klientel zu kümmern hat.

Und grün mag ja in der Hauptstadt gerade noch überleben, macht man hier aber so weiter, sehe ich für die nächste Wahl eher schwarz, denn niemand zahlt gerne dauerhaft für andere, die sich zurücklehnen und alles für Nada in den Fahrradhintern geschoben bekommen, die gut und gerne mehrere Monatslöhne einer Krankenschwester ausmachen und deren Treter sich jenen teuren Wohnraum locker leisten können, der nur ein paar hundert Meter vom Arbeitsplatz entfernt ist, weil sie genau zu jenen Gewinnern in solchen Bezirken gehören, in denen sich in der Zwischenzeit neue Investoren und Arbeitsplätze in der IT-Branche angesiedelt haben.

Jedoch galt noch immer: Kein Wachstum hält ewig, auch dieses nicht. Und niemand der heute seine neue Straße andere finanzieren lässt, bleibt für ewig jung, wird dauerhaft seinen Job behalten, will sich mit über 70 noch im Winter den Arsch abfrieren, und da Kinder ja recht oft ziemlich anders ticken, als ihre Eltern, besteht noch Hoffnung …

Ich jedenfalls kann die nächsten Wahlen in Berlin jetzt schon nicht mehr abwarten, und keine der derzeit in Berlin regierenden Parteien bekommt demnächst im Bund meine Stimme, soviel ist so sicher, wie das Amen in der Kirche. Ich wähle Vernunft, und ganz ehrlich? Aus meiner Sicht kommt eine boomende Hauptstadt nicht ohne Zweitflughafen und ohne neue Ideen aus. Ich bin keine Laborratte, die sich konditionieren lässt. So, nun wisst ihr Bescheid. Und ja, das passt zu der irren Hauptstadt – eine Psychiatrie mit Dachgarten, die hoffentlich zeitgerecht eröffnet, es könnte ja sein, dass sogar hier die Grünen irgendwann ein blaues Wunder erleben. Wenigstens für die Zeit ist also bestens vorgesorgt …

©denise-a. langner-urso

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