Sibylle Berg, ihr Haus und unangenehme Mitbewohner

 

Sibylle Berg hat heute im Spiegel einen hervorragenden Beitrag verfasst, und ich bin jemand, dem man am besten Dinge anhand von Bildern erklären kann. So lernen übrigens Kinder auch viel leichter, das aber nur nebenbei. Frau Berg hat leider nur eins vergessen, die Mitbewohner, denen das so gar nicht gefallen will, und vielleicht, ganz eventuell, liegt das ja daran, dass sie vergessen hat dazu zu schreiben, dass dieses Haus, sie schreibt ja von einer Wohnung, ich verlege die einfach einmal in ein Haus mit 5 Einzimmerwohnungen, keinen Ausgang hat, ja noch nicht einmal einen eventuell vorgesehenen Notausgang. Frau Berg beschreibt die Welt in ihrer Kolumne also, als sei die ein wie auch immer gearteter Wohnort. Und bereits das finde ich hervorragend. Was mir sauer aufstößt sind die Mitbewohner, mit denen es Frau Berg zu tun bekommt, denn im Gegensatz zu einen Haus oder einer Wohnung, gibt es für uns Menschen nun eben mal keinen Zweitplaneten und man kann nicht so einfach schnell einmal umziehen. Macht aber nichts, selbst das wollen die meisten derer, die da heute kommentieren nicht verstehen.

Und ja, ich sage, sie wollen es nicht, so weit zu denken, geht ja gar nicht, weil natürlich lebt man ansonsten offenbar als Single alleine vor sich hin, und stört einen da beim vor sich hin schmoren für andere Nasen stinkenden Brühe ein Nachbar, dann erklärt man kurzerhand seinen beengten Raum zum Mittelpunkt der Welt und schreit seine Nachbarn an: Hier geht es alleine um nicht, hier gilt was ich will, und jeder andere Bewohner hat sich gefälligst nach mir zu richten. Das kennt man, das ist Tagesordnung, irgendwo ist immer jemand da, der dem anderen nichts gönnt. Das hat man eventuell selber schon in der Nachbarschaft erlebt, in Kleingartenkolonien, auf Reisen. Das sind jene Zeitgenossen, denen man lieber aus dem Weg geht, weil sie immer Recht haben wollen, und die dann meist vor Gerichten scheitern, wenn sie irgendjemanden tatsächlich wegen Lappalien verklagen.

Das sind die, die den Müll ihrer Nachbarn begutachten, ob er denn tatsächlich zu 100% ordentlich und wie sich das gehört sortiert ist, und wehe, wehe, da findet sich ein Zigarettendrehblättchen, das im Plastikmüll gelandet ist, dann ist die Kacke bereits am dampfen. Und wehe, in einer Siedlung, in der nur Teileigentum und ansonsten eine Eigentümergemeinschaft lebt, will jemand seine Terrasse überdachen, da wird über Jahre vor Gerichten gestritten, bis letztlich festgestellt wird, dass diese eben nicht der Gemeinschaft sondern dem Eigentümer gehört, aber Hauptsache, man wischt dem Nachbarn eins aus, und wehe, da streicht einer die Garage anders, das geht erst, wenn der, der ansonsten alle anderen verklagt, es selber tut. Man ist ja lernfähig und wartet ab.

Und wehe, da wächst in so einer Umgebung die hecke höher als ein Grashalm und man kann nicht mehr sehen, was der Nachbar tut … Alles live erlebt, keine Sorge, nur zum Glück beklagten sich andere und man mied eben die sich in jedem Jahr am Ende die Nasen blutig schlagenden Eigentümerversammlungen, auf denen sich um Bäume geschlagen wird, in denen zu laut Vögel singen, die den Rasen verschmutzen, wenn im Herbst das Laub fällt, oder die zu viel Schatten werfen. Da sind nicht die Natur und die Umwelt schuld, Schuld sind jene, die ein verschattetes Hirn haben, und in einem Wohnblock ohne Balkon und mit Plastikpflanzen besser aufgehoben wären als in einem Haus mit Garten, wie irgendwann in diesem Jahr erst ein Gericht feststellte, nachdem zum x-ten Mal beantragt wurde, und wie immer von den üblichen Krakeelern, die unter Naturschutz stehenden Exemplare zu fällen. Irgendwann lacht man nur noch über derart bedauernswerte Ausgaben unserer Spezies. Und wenn ich mich bis zum Beitrag 177 vom „erzengel“ vorarbeite, dann bleibt tatsächlich nur reine Verzweiflung übrig.

Frau Berg also hat in ihrem Beitrag heute hervorragende Arbeit geleistet, für mich jedenfalls genügt das Beispiel, aber ich denke ja auch gerne mit und weiter. Die meisten ihrer Leser aber offensichtlich nicht, und das fängt ja bereits bei Kommentar 3 an, dem es wurscht ist, was mit Menschen passiert, deren Staaten gleich ganz im Meer zu versinken drohen, weil der Meeresspiegel steigt, ob ihm das nun passt oder nicht, das ist zumindest zum größten Teil Menschenwerk – Basta.

Nein, mit solchen Mitbewohnern wie dort im Kommentarbereich wird sich definitiv nichts ändern lassen, und so manches Mal habe ich beim Lesen nur noch den Kopf geschüttelt und gedacht: „Wer hat euch eigentlich ins Hirn geschissen, was hat man euch nur angetan, was hat man euch weggenommen, wer euch erzogen, wie sehr hat bei euch das Bildungssystem versagt?“

Ich jedenfalls sitze noch immer davor, schaue mir die weitere Entwicklung an und fasse es nicht.

©denise-a. langner-urso

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