Silvester in der Großstadt – Schlimmer als Kevin allein zu Haus?

 

Über Köln und andere Städte in der letzten Silvesternacht zu schreiben, das wird nicht einfach, es erinnert mich aber irgendwie an den oben genannten Film, nun ja, nicht ganz, eher an etwas anderes, an das, was passiert, wenn Eltern ihre Kinder allein daheim lassen und wenn das Kleinkind sich entschließt, eine Party zu feiern, die komplett aus dem Ruder läuft, weil Kind den Button bei Facebook nicht zu bedienen weiß. Was dann passiert, davon haben wir in den letzten Jahren immer wieder einmal gehört. Nachher ist man klüger, dann, wenn man Glück hat, das eventuell das eigene Haus noch steht, der Frieden mit den Nachbarn hingegen bis auf Weiteres schief hängt, wenn man ein halbwegs erträgliches Zusammenleben überhaupt noch einmal hinbekommt.

Das was in deutschen Städten in dieser Nacht passierte, erinnert an aus dem Ruder gelaufene Einladungen, die Schäden sind hier wie da gleich. Es tobt plötzlich ein alkoholisierter Mob, es tobt Zerstörung, und es spielt keine Rolle, ob es sich um Sachzerstörung oder um Zerstörung einer Gesellschaftsform wie der unseren handelt, es ist übertragbar, die Dauerschäden sind ebenfalls vergleichbar, hier wie da. Und mir bleibt eine Frage, was wird eigentlich unter gemeinsam feiern verstanden? Sich besinnungslos so in Gruppen zusaufen, dass man dadurch jedwede Kontrolle verliert?

Lasst uns über Alkohol reden!

Jeder der Menschen, die sich in deutschen Städten in dieser Nacht so benahmen, wie es geschah, der ist ohne Gruppe und ohne Alkohol vermutlich nur ein ganz armes, bedauernswertes Würstchen, der hat es anderweitig nicht weiter gebracht, als eine Armeslänge von Mamis Rockzipfel weg, und wäre der Herr Papa aufgetaucht, der leider mit der Gattin gleichzeitig abwesend war, dann hätte sich der jetzt ausgetickte Junior vermutlich in die Hose geschissen, dass man die Täter am Gestank erkannt hätte. Und ja, ich weiß, das macht die Sache nicht besser, denn gleichzeitig wirft das natürlich weitere Fragen auf, wie groß der Druck nämlich innerhalb der eigenen Familien sein muss, bis so jemand so explodiert.

Und nein, ich will das Verhalten unter keinen Umständen verteidigen, eher stellt sich mir die Frage, welche Erziehungsmuster, welche Bildung in solchen Familien vermittelt wird, warum Schule und Ausbildung nicht dazu führen, dass solche Muster aufgebrochen werden können. Denn auch stinknormale Kids brechen hin und wieder aus, bekommen sich aber irgendwann im Laufe ihres Lebens wieder in den Griff. Hier aber tobten sich Dutzende aus, bei denen das nicht möglich zu sein scheint, die weit weg waren von daheim, die eigentlich keinen Druck mehr spüren sollten, nicht jedenfalls von Familienhand, und doch haben sie anscheinend nichts hinzugelernt, haben den einfachsten Weg gewählt, den sich zu kriminalisieren, weil ansonsten viel Anstrengung zu dem gehört, was es bedeutet, Teil einer Gesellschaft zu sein, egal, ob diese einen will und akzeptiert, oder nicht. Sie akzeptiert in jedem Fall jene, die positiv durch Leistung und Eigeninitiative auffallen.

Bildung und Erziehung

Was Hänschen nicht lernt, dieser Spruch sollte jetzt auf der Tagesordnung stehen, und auch Politik muss sich die Frage stellen, wo da am falschen Ende was in Grund und Boden gespart wurde und ob da nicht eventuell dann doch durch falsches Sparen Dinge über kurz oder lang aus dem Lot geraten, nicht nur auf dem Bildungsweg, denn nur, wer lernt, und das eben auch in den Schulen, Dinge hinterfragen zu können, der kann sich auch ändern, sofern er in einer Gesellschaft akzeptiert sein und keine eigene gründen will, die dann Parallelgesellschaft genannt wird.

Und ja, ich denke, wer über Abgaswerte spricht, der muss auch gleichzeitig über alkoholische Gase reden, die entstehen, wenn Menschen an zu viel von diesem krankheitsauslösenden Stoff gelangen. Wir reden darüber ja auch, wenn es um andere Drogen geht. Und das gehört zu unserer Gesellschft, dass dieser Schadstoff nie auf der Debattenordnung steht? Dann hat unsere Gesellschaft auch ihren Teil beigetragen zu den Vorgängen an Silvester, und niemand will den Stoff ganz verbieten, aber darüber reden sollten wir schon, und auch darüber, ob zur Integration eines jeden von uns nicht auch Weiterbildung und das Ablegen statt auf Beharren längst vergangener Werte gehört, die einfach nicht zu einer modernen Gesellschaft gehören. Wir alle waren schon einmal wesentlich weiter. Und damit meine ich auch uns, die wir hier leben, egal, woher wir einmal kamen. Ich will über Arbeitsplatz und Frau daheim hier nicht reden, denn auch da gibt es Verhältnisse, die wesentlich besser sein könnten, und die wir überwunden haben sollten. Ich nehme also niemanden aus.

Regelwerke

Wir müssen das verteidigen, was wir in Jahrhunderten oder Dekaden errungen haben, nicht das, was dieses hätte verhindern können, wenn man es nicht im Griff gehabt hätte, und Alkohol gehört wie Erziehung in Elternhaus und Schule dazu, ob es uns passt oder nicht, und zwar nach den bereits neuen Regeln, nicht anhand der Regeln, die für unsere Großeltern galten, und damit haben sich diese abzufinden, und sämtliche Eltern, egal woher, eben auch. Zeiten ändern sich, und bisher war es gut so.

Und das haben wir als Gesellschaft zu erkennen und zu verteidigen, und sollte da etwas in Schieflage geraten sein, was nur durch mehr Investitionen zu verteidigen ist, so sollte Politik jetzt dafür sorgen. Mir reichen marode Gebäude und Straßen. Und wer hier zur Gesellschaft gehören will, der hat sich gefälligst auf normalem Weg, wie jeder Bürger als Arbeitnehmer und nicht als Krimineller daran zu beteiligen, dass das auch gelingt, unter Einhaltung und Anerkennung hier geltender Rechtsordnungen. Und das ist vielleicht das Beste, was ich dazu sagen kann und ich bin nicht bereit, davon auch nur eine Armlänge abzuweichen.

Gesellschaftlicher Konsens

Der gesellschaftliche Konsens hat immer aus dem bestanden, was mehrheitsfähig war, und was gesellschaftlichen Konsens nicht zum Einstürzen brachte. Silvesterfeiern, und Gesellschaften, die zu Facebookparties übelster Sorte ausufern, auf denen uneingeladene wie auch immer geartete Mobs die Kontrolle über den Rest der Gesellschaft übernehmen, waren und sind es ganz sicher nicht …

Und übrigens, wer nur für gutes Bier, anderen Alkohol und Angebote, die es anderswo nicht gibt, hierher will, der komme bitte als Tourist und trage so zum Wohlstand dieser Gesellschaft bei, allerdings ohne sich dermaßen aggressiv auszutoben wie vor ein paar Tagen in Köln. Wenn ich einen anderen Staat besuche, oder wenn ich dort dauerhaft leben will, dann weiß ich, was mich erwartet und will nicht dass dieser Staat sich meinem Regelwerk anpasst, dann akzeptiere ich dieses Land mit all seinen Regeln und Gebräuchen, wie es ist, atmet und lebt, im öffentlichen Raum, wie es miteinaner gesellschaftlich verkehrt, sich kleidet und isst, es sei denn, es bietet sich mir in meinen privaten Räumlichkeiten die Möglichkeit, lieb gewordene Tradition, die nicht andere Leben gefährden und einschränken, zu leben, weil ich sie gerne pflegen will.

Du willst besser leben? Ich habe da so meine Zweifel …

Und wenn mir das ein Mehr an persönlichen Freiheiten oder für meine Kinder und Enkel bietet, dann nehme ich das mit Freude wahr und an und lege das zur Seite, was dabei hinderlich ist. Das Leben besteht darin hinzu zulernen und nicht auf der Stelle zu treten. Und wer das nach Generationen noch nicht will, der sollte überlegen, weshalb er eigentlich hin und wieder beschwerliche, weite, oft mit gesundheitlichen Schäden verbundene Wege ging. Ich zumindest fälle Entscheidungen danach, ob sich das Leben meiner Kinder dadurch zukünftig verbessert, auch, wenn es das Zurücklassen gewisser Tradition und Überwindung von Regeln bedeutet.

Und wenn meine Kinder dann ein besseres Leben haben, denn es ist ihr Leben und nicht meins, dann gehe ich eben als Elternteil dahin zurück, wo ich mich persönlich heimischer fühle und akzeptiere, dass meine Kinder ihren eigenen Weg gefunden haben. Was mir jedenfalls nicht in den Sinn käme, wäre es, meinen Kindern Chancen zu verbauen, durch mein Verhalten, wie das oftmals passiert. Zuerst hinterfrage ich mein eigenes Verhalten, und ob das, was ich lehre, dem zuträglich ist, was meinen Nachwuchs voran bringt, und Kriminalität gehört in keiner Gesellschaft dazu, die zuzüglich definiert, was kriminell ist, und Verhaltensregeln aufstellt, an die sich jeder zu halten hat, und hinterfrage, warum gewisse Dinge nicht so klappen, wie sie sein sollten. Und das gilt hoffentlich für die meisten Eltern. Und ich knöpfe mir meinen Nachwuchs vor, egal wie alt. Ich jedenfalls stelle das Haus nicht auf den Kopf indem meine Kinder leben sollen, dass die neue Gesellschaft ja bedeutet. Damit nämlich verbaue ich auch allen anderen, die aus anderen Häusern kommen und kamen, Zukunft.

Und wo war in dieser Nacht eigentlich Vater Staat? Mir tun nämlich auch jene leid, die das ausbaden müssen, die Polizeien, mit Überstunden und Co, weil auch hier eingespart wurde, was ging. Und ich sage nochmal: Wer seine eigenen Bürger nicht schützen kann, der soll sich nicht anmaßen, Flüchtlinge schützen zu wollen. Das kann dann nur schief gehen! Erst klug in Zukunft investieren, nachdem man das jetzt analysiert, dann handeln. Ach, was solls … (Sorry, aber das konnte ich mir einfach nicht verkneifen)

©denise-a. langner-urso

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