Trumpismus – Von Sicherheit und Machterhalt. Augen zu und durch?

Wenn jemand rundum zufrieden und glücklich sein müsste, dann doch eigentlich einer, der es bis an die Spitze aller anderen geschafft hat, wenn er dazu unendlich reich ist, gut bewacht lebt und eine Familie hat, wenn er dazu scheinbar gesund ist, wenn er sich alles leisten kann, was er will. Sprich, wenn er Erstrebenswertes nicht mehr erreichen kann, jedenfalls nicht auf der Erde.

Müsste so ein Mensch nicht zufrieden sein, sich täglich freuen, wie gut es ihm geht? Eigentlich schon, denn wenn wir einmal von allem was die Präsidentschaft sonst so an Verpflichtung bringt, absehen, so müsste dieser Mensch doch eigentlich dauernd vor Freude wie ein Honigkuchenpferd strahlen, oder nicht? Eben, das passiert nicht, denn dieser Mensch ist offenbar nicht zufrieden, wird angefeindet, ist regelrecht von Hass zerfressen, und wir alle sehen täglich nichts außer, ja was eigentlich? Unglück, anders kann man das nicht nennen. Und unsicherer scheint sich auch niemand zu fühlen als irgendwelche Präsidenten oder Politiker.

Was also braucht es um glücklich zu sein? Mehr Sicherheit, als ein Präsident sie hat, geht nicht, mehr Geld als dieser Mann ob diverser Pleiten immer wieder angesammelt hat geht auch kaum, jedenfalls nicht, wenn wir von normalen Arbeitnehmern ausgehen, mehr soziale Absicherung geht nicht, mehr eigentlich an Familie, Immobilien, Freizeit, die er sich ja täglich leisten könnte, wäre er nicht Präsident, auch nicht. Wäre also irgendjemand von uns glücklicher, wenn er so viel Geld hätte, all das, was dieser Mensch hat?

Kann ich mir nicht vorstellen, denn irgendetwas passiert ja offensichtlich nicht, auch wenn man ein gut gefülltes Bankkonto hat, nämlich dass einem alle Herzen zufliegen, man viele Menschen um sich hat, die einen eigentlich mögen müssten, mehr zumindest, als wenn man kein Geld hat.

Aber kommen wir zur Sicherheit. Trump kennt derweil jeder, jeder würde ihn auf der Straße sofort erkennen, sein Gesicht wird quasi ununterbrochen gescannt, den kann man ohne Fußfessel frei umherlaufen lassen, der Mann hat ständig x Bodyguards um sich herum. Wie auch übrigens Herr Erdogan. Und bringt uns allen das mehr Sicherheit?

Nö, Erdogan mach seine Leute zu Waffen in einem anderen Land, obwohl dort eine Demonstration von vielen Beamten beobachtet wird, macht die eigenen Leute in diesem Augenblick vor unser aller Augen zu Messer, Pistole und was weiß ich noch, und das quasi live übertragen, weil er dabei auch noch gefilmt wird, und es stört ihn kein Bisschen. Millionen Kameras können das nicht verhindern.

Und Trump? Der kann vor sich auf dem Schreibtisch seinen Atomkoffer auspacken, dies live streamen lassen, und niemand könnte das verhindern, und seien da zusätzlich auch tausende Kameras installiert. Der einzige Vorteil wäre, wenn der Mensch das täte, wenn er auf ein Knöpfchen drücken würde, man könnte im Anschluss dieses Handeln als Beweis nehmen, wollte man ihn – oh wait, geht ja nicht, vor ein Gericht stellen, und selbst dann könnte er sich noch von besten Anwälten rausreden lassen, er habe es ja nicht getan, und man hätte bestenfalls einen jahrelangen Prozess zu beobachten, und wer überhaupt würde in diesem Fall einen Prozess anstreben können, wenn dieser Staat seine Menschen keinem Tribunal ausliefern würde?!

So, mehr Technik, mehr Mittel, das führt also zu mehr Sicherheit? Vielleicht im Falle stinknormaler Leute, die eben nicht so weit über allem stehen, dass sie so unantastbar sind. Mehr Sicherheitsgefühl, weil wir hin und wieder wirtschaftlichen Schaden vermeiden. Nicht für uns selber, denn durch Diebstahl und all das, was wir vielleicht aufklären, steigen dennoch für uns die Preise, weil Versicherungskosten steigen, derweil der Inhaber eines Geschäftes so gut wie keinen Schaden nimmt, denn der nennt sich nicht mehr Tante Emma sondern kommt als Großkonzern ums Eck, hat längst seine Schäfchen im Trockenen.

Mehr Sicherheit, weil sich Handys als Zeugen zur Verfügung stellen zuzüglich zu Überwachungskameras, zuzüglich zu Gesichtsscannern? Das finden wir toll? Also mir gibt das kein bißchen mehr Sicherheit oder Freiheit, wie es auch alles Geld von Trump nicht könnte, denn was soll man denn dann tun, wenn man schon alles hat, wenn man die Welt vielleicht gesehen hätte, sie in- und auswendig kennen würde, wenn man tatsächlich alles kaufen könnte? Wo soll man dann noch hin? Was dann tun?

Und ich schaue mir auch andere Leute außer Trump und Erdogan an. Sind die wirklich glücklich? Wäre ich glücklich, wenn ich täglich von irgendwelchen Medien um mich herum sehen würde, wie schlecht es vielen anderen geht? Könnte ich dann mein Gewissen abschalten und auf solche Leute noch einprügeln, weil ich meine Ruhe haben will, und weil mich alles außer mir selber nur noch stört und eigentlich ankotzt und ich nicht mal erkennen würde, woran das liegt?

Ne, Leute, totale Sicherheit macht nicht frei oder glücklich, nicht zufrieden, so wie Geld es auch nicht macht. Nur wissen manche Menschen gar nicht mehr, wie gut es ihnen geht, obwohl sie viel weniger besitzen als dieser Präsident. Dem nimmt niemand etwas weg, auch wenn er dauernd der Meinung ist, dem sei so, dem kann man nämlich nur eins wegnehmen, die wenige Freude am Golf ohne viele andere Menschen.

Und ich überlege dauernd, was mir am meisten fehlen würde, und da sage ich, Lebenszeit, die ich so verbringen kann, wie es mir Freude macht, sonst eigentlich gar nichts, und dazu reicht mir ein Spaziergang irgendwo, mal mit, mal ohne andere Menschen, nette Gespräche. Aber sonst? Ganz ehrlich, mir hat noch niemand die Wurscht vom Brot geklaut, und wenn, dann meine Katze, und daran war ich dann selber schuld. Aber bisher hat das noch kein Geflüchteter oder Obdachloser getan, auch das Finanzamt nicht.

Noch bin ich immer satt ins Bett gefallen, und ohne Angst, dass ich irgendwann in der Nacht in einen Bunker oder Keller fliehen müsste. Das haben bisher nur Mücken geschafft, mir eine schlaflose Nacht zu bereiten, oder ich war erneut selber schuld, weil ich unbedingt nochmal kurz irgendwelche Nachrichten sehen oder lesen musste. Aber sonst?

Alles halb so wild, noch stand Frau Merkel nicht in Tarnkluft samt Herrn Schäuble vor meinem Bett und wollte mir meinen Kühlschrank aus oder mein Bankkonto leerräumen, nur um das an mitgebrachte Flüchtlinge zu verteilen. Was also ist verflucht nochmal bei uns so unendlich lebensbedrohlich? Irgendeine Religion?

Sorry, mich hat noch niemand versucht, mich zwangsweise zu bekehren, weder irgendein Geistlicher, noch hätte ein Grüner die Fleischertheke von Bratwurst befreit, und aus irgendeinem unerfindlichen Grund bin ich bisher noch immer mit meinem 17 Jahre alten Benziner von A nach B gekommen, kein Immobilienfritze hat mich obdachlos gemacht, schon gar nicht dauerhaft, und ärztlich versorgt wurde ich auch noch immer. Aber es mögen sich gerne all jene Dauerdemonstranten melden, bei denen das anders ist, ich lasse mich gerne belehren, wenn es so sein sollte.

Und wo ist jetzt also nochmal unser Problem? Richtig, die größte Bedrohung derzeit für alles und jeden, ist ein unzufriedener alter weißer Mann im quasi höchsten Amt das man außer Papst zu werden, erreichen kann, mit unendlich viel Kohle. Und wenn man das begriffen hat, schaut die Welt gleich ganz anders aus!

Und noch was, die Haustür stand die ganze Nacht, während ich schlief, weit offen, und ich habe es ungeschoren überlebt. Mitten in Berlin, diesem Höllenloch aus Kriminalität und Gewalt, kannste dir echt nicht ausdenken. Und was mache ich jetzt? Mich freuen, dass ich einfach nur da sein und meinem Tagwerk nachgehen kann, wie immer eben. Und meine Angst mal beim Fensterputzen auf Stuhle oder Leiter steigen zu müssen und aus dem Erdgeschoss zu fallen, ist definitiv größer als die, dass mir irgendetwas anderes passiert, und ich gebe zu, meine Angst vor den fetten schwarzen Spinnen, und nur denen, übrigens auch.

Ich genieße jetzt einfach die Zeit im Hier und Jetzt, und dass es mir gut geht, ich gesund bin, und bin dankbar, dass hier Frieden herrscht. Und jetzt habe ich Hunger, und ich bin mir sogar sicher, dass ich das jetzt gleich ändern werde. Mehr geht nicht und mehr brauche ich nicht.

Und dann, ja dann schaue ich, ob ich etwas entbehren kann, was ein anderer vielleicht dringender braucht, der dafür dankbar ist, vielleicht lächelt und sich freut.

Mehr geht nicht.

Von der Macht Gesetze zu ändern

Und wenn hier irgendwelche Werte und Gesetze aufgeweicht, nicht angewandt oder ausgehebelt werden, so von denen, die wir gewählt haben und denen, die sich Lobbyisten nennen, von niemandem sonst, und nichts gefährdet Demokratie und Rechtsstaaten mehr als das. Und wenn das jemand ändern kann, dann höchstens Wahlen und andere Politiker, die dem noch nicht erlegen sind, die authentischer sind, und von denen wir meinen, sie könnten es anders machen. Und die sehe ich derzeit in keiner Partei, und wenn, dann sind sie selber nicht so weit oben auf irgendwelchen Listen, dass sie irgendeine Chance hätten, und zwar in keiner Partei, denn solange ich interne Machtkämpfe erlebe, und zwar überall, weiß ich, auch das was nachwächst will einfach nur selber aussorgen, nicht mehr, aber auch nicht weniger, und Kompromisse zu machen, darauf kommt es keinem mehr an, allenfalls darauf, dass es ihm selber gut gehe.

Und so wird das eben nichts, denn dann verliert alles an Glaubwürdigkeit. Solange nur im Vordergrund steht, alles außer der eigenen Haut und dem Mitregieren, dem eigenen Wohl, ist Mist, wenn Lobbyisten sehen, mit dem ist nicht gut Kirschen essen, eben auch nicht. Und genau da liegt unser Problem, und das wird so bald wird sich daran auch nichts ändern. Politik hat einmal aus Kompromissen und auch aus Rücktritten bestanden, weil Rückgrat eben auch noch ein Wert war, neben Recht und Gesetz …

Ein elendes Gezerre um Macht

Und also kann man nur hoffen, dass irgendwann Vernunft einkehrt, und dass Parteien und Politiker authentischer werden und nicht jene Fähnchen im Wind bleiben, als die man sie derzeit erlebt, wenn irgendwo irgendjemand schreit, ich bin das Volk. Das Volk vertreten allenfalls jene hinreichend, die aus ihrem Wahlsieg in der Lage sind unter Kompromissen eine Regierung zu bilden, doch auch das sollte Grenzen haben, und dann entweder bis zum bitteren Ende durchgehalten und nicht ständig durch internes Machtgehabe boykottiert werden, wie es mal irgendwelche Berliner Kreise, mal ein Herr Seehofer, mal die SPD tut.

Dann muss man irgendwann auch einmal den Mumm, das Rückgrat aufbringen, den Wählern per Beendigung zu zeigen: Hier war die Rote Linie, jetzt ist Schluss. Sonst glaubt eben der Wähler irgendwann gar nicht mehr, keiner Partei, keinem Politiker. Und nichts finde ich derzeit schlimmer als das, nicht zu wissen, wofür Parteien eigentlich noch stehen, außer für den eigenen Machterhalt, wo ihre Linien sind. Und daran verzweifelt man irgendwann.

Ganz ehrlich? Ich weiß wirklich nicht mehr, wie viele Lager es in der Union derzeit gibt, und ob man eine gemeinsame Linie hat, ob nicht nur alles darauf hin arbeitet, nach der kommenden Wahl die Kanzlerin eventuell möglichst schnell abzusägen, weil man sie derzeit einfach nur braucht, ja geradezu missbraucht, als Aushängeschild, um nochmals die Mehrheit zu erlangen. …

Und jetzt wünsche ich eine schöne Kurzwoche und uns Wählern klarere Standpunkte, unterscheidbarere Wahlprogramme, Aufzeigen von Roten Linien vor der Wahl, an die sich auch gehalten wird. Ging früher ja schließlich auch, und mir wäre es auch egal, wenn einmal wieder irgendeine Partei dadurch ohne Koalitionspartner die Mehrheit erlangen würde, wenn auch einmal jemand versuchen würde, mit wechselnden Mehrheiten zu regieren. Das ist lebendige Politik, alles andere ist Murks und quälender Irrsinn.

Und meinetwegen darf ruhig einmal mehr als weniger gewählt werden. Meine persönliche Meinung, denn das was ich derzeit sehe, ist einfach nur noch unerträglich, dieses ständige, ach ne, geht ja doch noch, war nicht so gemeint, aber gut, dass es mal versucht und gesagt wurde …

Ganz ehrlich? Mir wäre weniger Trumpismus lieber, nur sehe ich davon weit und breit nichts. Und ja, gut, dass dieser Mensch endlich dem Machterhalt auf Biegen und Brechen und um jeden Preis endlich ein Synonym verpasst hat. Und ganz ehrlich? Parteien ala Republikanern will ich nicht, doch genau so haben wir es eigentlich auch, so ein Augen zu und durch, Hauptsache an der Macht bleiben, Hauptsache regieren bis zum Schluß.

Danke, ich will ein anderes System, mehr Ehrlichkeit, mehr Rote Linien eben, bessere Politiker mit mehr Rückgrat. Und von uns vielen Einzelnen erwarte ich, dass wir nicht dauernd in Grüppchen behaupten das Volk zu sein, nur weil wir heute schon über ungelegte Eier nachdenken, die wir vielleicht nie zu sehen bekommen …

Und jetzt freue ich mich erstmal, dass es mir wesentlich besser geht als vielen anderen.

Und wisst ihr übrigens, was ich tatsächlich fortschrittlich nennen würde? Einen Staat, der seinen Bürgern vertraut, der Bürokratie so weit abbaut, dass er sagt, Steuererklärungen müssen generell erst ab einem Jahreseinkommen von 50.000 Euro gemacht werden, denn wir sind ja im Prinzip durch und durch gläsern, und alles andere könnte das Finazamt selber tun. Das wäre mal was, das wäre wirklich entlastend, auch für kleine Betriebe …

Schade, dass niemand nachdenkt, was er denn eigentlich tun könnte, um das Leben mal wirklich einfacher für viele und weniger zeitaufwändig zu machen.

©denise-a. langner-urso

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