Beck – Wenn die Ehre die Höhe des Bankkontos ist

©Benjamin Thorn / pixelio.de

Man kann ja einmal verhalten Misstrauensantrag schreien, dann sieht der Bürger wenigstens, dass es so etwas gibt, wobei andere sich verwundert fragen dürften: „Wat is dat denn?“ Aber, schön, dass wir einmal darüber gesprochen haben, im Falle Beck.

Ein ernstgemeinter Zwischenruf? Wohl kaum, denn welcher Politiker hat noch so viel Ehre im Leib, weiß gar, was das sein soll, dass er dabei nicht nur müde lächeln und den eigenen fast schon lebenslang garantierten Pupsessel riskieren würde. Die, die regieren nicht, die, die um ihre Wiederwahl bangen müssten doch schon gar nicht.

Zum Wohle meines Bankkontos so wird doch die Ehre eines Politikers heute gesehen, so beeidet, längst hätte man den Satz abändern können.

Was waren das doch für Zeiten, als gestandene Kerle noch so viel Ehrgefühl besaßen, dass sie freiwillig abtraten, dass nicht Bürgerentscheide sie aus den Ämtern treiben mussten, man sie samt Sessel am Hintern vor die Tür tragen musste.

Das Drama, wurde wohl zuerst offensichtlich, als Altkanzler Schröder Merkel am Wahlabend gegenüber saß und quasi erst aus anderen Sphären auf den Boden der tatschen niedergeschossen werden musste, und seit jener Zeit kleben Politiker an ihren Ämtern, gerade so, als ob der Amtsverlust mit dem Tode verbunden wäre, was er mitnichten ist.

Helmut Schmidt, ein anderer Altkanzler, Willy Brand, sie alle wurden zurückgetreten, gingen erhobenen Hauptes aus den Ämtern, übernahmen Verantwortung.

Und heute? Wie die Waschlappen sind jene, die ansonsten angeblich gestandene Kerle sein wollen.

Dass aber ausgerechnet die Grünen so weit gesunken sind, dass sie jetzt Beck im Amt halten wollen, der wie viele andere ja sein Amt missbraucht, das ist unglaublich. Von der SPD hingegen erwartet der Wähler spätestens seit Schröder, seit Merkel im Amt ist, nichts als die Unterstützung der Bundesregierung, das Mitregieren. Die Grünen aber sind derweil ebenso verkommen wie die SPD, machtgeil wie kaum eine andere Partei, realitätsfern und quasi unwählbar.

Wenn der Wähler eins erwartet, dann eine Opposition, die sich gewaschen hat, aber nicht Abnicker und Handreicher der Regierung, denn dann können wir uns die Kosten jener, die diese Sessel drücken auch ganz sparen, dann wählen wir eben nur noch die Regierung und die, die Opposition machen wollen, tun das gefälligst außerparlamentarisch. Für Ja-Sage-Marionetten, teuer bezahlte zudem, ist der Bundestag zu schade, zu teuer!

Einer wie Beck also soll im Amt bleiben? Gut so, da weiß der Wähler jetzt, wem er seine Stimme bei der Bundestagswahl nicht zu geben braucht. Und diese SPD, diese Grünen wollen Merkel ablösen?

Na vielen Dank auch! Wer Beck im Amt hält, einen wie Platzeck und Wowereit, wie so viele andere, den brauchen wir nicht!

Demnächst also können wir die Wahlen gleich ganz ausfallen lassen, da behält man lieber was man hat und spart sich die Wahlkosten, denn es kann schlimmer schon gar nicht mehr werden, so ganz ohne wirkliche Opposition, ohne dass Politiker sich nur dem Gewissen und nicht dem Bankkonto und dem Sitz verpflichtet fühlen, davon ihre Ehre abhängig machen.

Entweder, der Wähler hat eine differenzierte Wahl, erkennt die Unterschiede in den Programmen, den Charakteren, die Verbesserungen, die ihn betreffen, sieht die Einsparmöglichkeiten, die geboten werden, oder, er bleibt daheim.

Aber vielleicht ist ja genau das gewollt? Dann bleibt demnächst jeder wo er ist, jeder an seinem Platz und gut is, bis die jetzige Opposition begreift, was Opposition bedeutet, was Ehre bedeutet und Gewissen, und beide haben mit Parteiräson aber auch gar nichts gemein. So einfach ist das. Wir brauchen endlich wieder gestandene Kerle und echte Weibsen, die geradestehen für das, was unter ihrer Regie falsch läuft, Parteimitglieder, die das nicht mit ruhigem Gewissen abnicken, um des Sitzes willen, und ebensolche Politiker, die aus der Opposition heraus so agieren, dass man Zwischenrufe wie nach einem Rücktritt auch wirklich ernst nehmen kann, als Wähler.

Für ein Misstrauensvotum muss man die Presse, die Wähler hinter sich bringen, doch interessiert sich eben der deutsche populitische Michel eher dafür, dass Griechenland kein Geld mehr bekommt, für angeblich zu hohe Zuwandererzahlen und Ausländerkriminalität denn dafür, was er glaubt, ohnehin nicht ändern zu können, die Verschwendung im eigenen Staa, dass Politiker soviel Ehre aufbringen, nicht lebenslang am Sessel zu kleben dort gehalten von rückgratlosen Parteigenossen und einer so gut wie nicht existenten Opposition, wenn etwas schief läuft. An die Selbstreinigung, an eine funktionierende Demokratie, zu der eben auch Gewissen, Rücktritt, Ehrgefühl, Verantwortungsgefühl, Fehlerzugabe und Misstrauensvotum gehören, glaubt der Wähler schon lange nicht mehr, viele haben nie gelernt, was das auf politischer Ebene bedeutet. Traurig ist das.

Früher galt einmal auch in der Politik, wer mit heruntergelassener Hose erwischt wird, der steht dafür gerade …

Scheingefechte der Parteien will niemand sehen. Das schaut aus, wie gequirlter Bockmist und stinkt nach dem, was eine billige Farce eben ist! Und der Wähler fällt darauf auch noch hinein, und die Medien halten es für berichtenswert, unglaublich!

Aber wer das Sesselkleben verfolgt, dem kommt glatt der Gedanke, wie weise vielleicht die Entscheidung des Bundesverfassungsgerichtes war, die Bundeswehr im Innern einsetzen zu dürfen. Vielleicht ist ja der Tag nicht fern, an dem wir erleben, wie ein vom Volk neu gewählter Kanzler seinen Vorgänger per Bundeswehreinsatz aus dem Kanzleramt entfernen muß …

©denise-a. langner-urso

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