Berlin und der Mietendeckel

Berlin ist schon eine Stadt, in der man genauer hinsehen muss, wenn man verstehen will, warum es zum sehr eigenwilligen Entscheid des vermutlich verfassungswidrigen Mietendeckel kam, kommen konnte, denn ich bezweifle stark, dass das alleine fehlendem, günstigem Wohnraum zuzuschreiben ist. Denn eins wird klar, wenn man in dieser Stadt wohnt und sich auskennt, sich Argumente anhört: wer in Berlin wohnen will, der such die eierlegende Wollmilchwohnung, etwas anderes kommt nicht in Betracht. Mindestens und gewisse Kreise der Politik wollen jedem genau diese eierlegende Wollmilchwohnung, zu Geizpreisen bieten, weil man so am meisten Wählerstimmen gewinnen, halten, kaufen kann, denn Deutschland ist Mieterland …

Zuerst einmal ist daran die SPD schuld, die eine völlig aus dem Ruder gelaufene Linke, Frau Lompscher, alleine deshalb nicht in den Griff bekommt, bekommen will, weil sie Neuwahlen wie der Teufel das Weihwasser fürchtet, und auf Bundesebene haben wir ein ähnliches Problem, dort lässt die Union sich aus gleichem Grund von einer völlig durchgeknallten SPD unter gleichem Vorzeichen am Nasenring durch die Manege ziehen, die ebenfalls ununterbrochen mit Neuwahlen droht, wohl wissend, dass sie dabei krachend verlieren und auf der Oppositionsbank landen würde.

Alles Gründe, die auch dafür sorgen, dass derweil so gut wie jeder kleine Stadtrat tun und lassen kann, was er will, egal wie verfassungswidrig Gesetze gemacht oder wie korruptiv er oder sie handelt, ohne Rücksicht auf Verluste, ohne Rücksicht auf Steuerzahler anderer Bundesländer, die im Zweifelsfall ja per Länderfinanzausgleich anfallende Schulden mittragen müssen, ob sie es wollen oder nicht.

Und wer das Berliner Theater um den Mietendeckel erlebt und nicht selber in dieser Stadt wohnt, der wird tatsächlich denken, in der Hauptstadt sei nicht ausreichend günstiger Wohnraum vorhanden, denn derzeit agieren hier laute Schreihälse, und die werden gehört, und nur die, wie so oft. Wo aber leben die, besser, wo wollen die leben, und darunter sind ja auch viele Studenten.

Sie alle leben in den angesagtesten Bezirken, wo man vom Bett in die nächste Universität und am besten gleich dem Arbeitgeber ins Haus und auch in den höchstens in 3 Minuten zu Fuß erreichbaren Späti fallen kann, wo zuzügliches bauen ohnehin nicht mehr möglich ist. Zuzüglich fordert diese Gruppe absolute Ruhe und so gut wie keinen Verkehr, das Fahrrad reicht in solchen Gegenden locker, will man alles, was man braucht in höchstens 5-10 Minuten erreichen, einschließlich Parks, Schulen und Kinderbetreuung. Das ist es was zählt, sonst gar nichts, und man bekommt es von Linken und Grünen wie bestellt, so geliefert, was sich in Wählerstimmen ausdrückt. Und auf die wird gesetzt, auf sonst gar nichts, die gilt es zu halten, wenn möglich damit um neue zu werben, was ich als reinen Stimmenkauf bezeichnen würde.

Was aber ist die Realität denn tatsächlich? Die Realität erkennt man dann, wenn man genügend Berlichte liest und sich einmal genauer um- und zuhört, was Menschen wollen, und das habe ich oben beschrieben. Aber gut, man höre sich einmal im Bekanntenkreis und bei jungen Leuten um und man erfährt: Habe sofort eine Wohnung beim ersten Anruf gefunden, Einzug in kürze, wird nur noch renoviert, zu einer Warmmiete, da schlackern einem die Ohren, die soll es doch eigentlich gar nicht geben …

Doch gibt es sie, liegen auch unglaublich verkehrsgünstig, und sind doch kaum vermietbar, und jetzt kommt der Irrsinn, die Argumentation derer, die angeblich kaum günstige Wohnungen finden: die Wohnung liegt ja im Erdgeschoss, da guckt dir jeder ins Fenster, ähm nö, da ist ein Krankenhaus in der Nähe-lass mal gut sein, ich will nachts schlafen – Martinshorn geht gar nicht. Wie jetzt, im Erdgeschoss, ich will aber einen Balkon. Wie jetzt, 25 Minuten bis zur Uni und in die Innenstadt-vergiss es?!

Und ja, mitten in Steglitz findet sich bezahlbarer Wohnraum, ein Anruf hat genügt, und ein uns gut bekannter Student hat die Wohnung erhalten, konnte seinen Vertrag am gleichen Tag unterzeichnen, wie viele andere auch, weit unter dem, was andere Studenten bezahlen, weit unter 500 Euro, weit unter 400 Euro, warm. Der will aber, und das sei nochmal gesagt, auch nur in Ruhe studieren, sein erstes eigenes an Wohnraum und dem sind 25 Minuten nicht zu weit und lang überall hin und der stört sich weder am fehlenden Balkon, nicht am Erdgeschoss und nicht am Martinshorn und freut sich, dass er unendlich viele Einkaufsmöglichkeiten in der Umgebung findet.

Ja, der günstige Wohnraum ist da, ja, da ist nicht alles so, wie eine derzeit radikal-laute Gruppe sich das wünscht, aber dass es keine bezahlbaren Wohnungen gibt, ist schlichtweg ein Märchen. Ich habe derweil x-fach gehört, dass dies genau eben nicht stimmt und wundere mich immer wieder, was für geniale Wohnungen hier so zu finden sind, wenn man eben nicht genau da wohnen will, wo am lautesten gebrüllt wird.

Und wenn ich als kleinste Untervermieterin mir anschaue, was bei Inseraten passiert, bei Angeboten, die weit unter normalen Mieten so liegen, dann kann ich nur sagen, und ich entschuldige mich ausdrücklich, was sucht da nur teilweise an verwöhntem Muttersöhnchen und Muttertöchterlein.

Die Hälfte aller Anfragenden kommt ohnehin nicht zu Terminen, ein Teil dreht auf dem Weg nach 20(!) Minuten um, weil dauert zu lang, ist also zu weit, Teilen gefällt die Nachbarschaft schon deshalb nicht, weil zu ruhig und alt, da kann man ja nicht richtig Party machen, und klar, Balkon ist eben auch nicht überall, ganz zu schweigen davon, dass für so einige unter 50qm alles ohnehin zu klein ist und mindestens Freunde und Familie sollen schon an Wochenenden aufschlagen können. Ich kann nur sagen: viel Freude beim Suchen, denn was derweil an Vorstellungen so alles zu stimmen hat, das wird es nie geben – und wem erst nachher einfällt, dass er oder sie eben doch mit x,y,z aufschlagen will, weil man ja eigentlich ein Paar ist, dem ist eben dann auch nicht zu helfen, wenn Studentenbuden nur über ein Einzelbett verfügen.

Es braucht also einen Mietendeckel in Berlin? Nein, es braucht Vernunft bei Wohnungssuchenden, da gehört der Deckel weg, denn es gibt genug an Wohnraum, nur eben nicht den, den gewisse Leute sich vorstellen, den ohne Autos wo man alles in höchstens 5 Minuten erreicht und um Gotteswillen nicht von Martinshörnern gestört wird, der mindestens einen Balkon aber bitte keine ältere Nachbarschaft haben darf, ganz zu schweigen vom eventuell einsehbaren Erdgeschoss. Es gibt diesen Wohnraum, in Lichtenrade, Steglitz, Spandau, Friedenau und an vielen anderen Orten, es gibt ihn, alles andere ist erstunken und erlogen, es gibt ihn, die Schilder der Vermieter stehen teilweise über Jahre vor diesen Häusern. Nur da gibt es eben dann nicht die eierlegende Wollmilchwohnung …

©denise-a. langner-urso

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