Bildung steckt hinter der Paywall

Frei ist was den Wutbürger bedient, was die Mehrheit der Leserschaft ohne studiert zu haben oder ohne sich intensiv mit Themen befassen zu können oder wollen, sei es aus Zeitgründen oder aus Desinteresse, so kann man derweil die Medienlandschaft streckenweise derweil beschreiben. Frei verfügbar ist was die meisten Klicks und das meiste Geld bringt, der kurzfristige Gewinn. Tiefgang aber muss bezahlt werden.

Sogar wenn sich tiefer gehende Information nicht hinter Bezahlschranken versteckt, dann zahlen die Leser mit ihren Daten, denn kein Onlineauftritt der großen Medien kommt ohne massive Werbeüberflutung aus, und deaktiviert man tatsächlich einmal alle notwendigen Werbe- Popup und Privacymöglichkeiten., dann sind viele Medienauftritte kaum zumutbar, dann bricht auf so einer Seite ein blitzendes, blinkendes Feuerwerk aus.

Die meisten Seiten werden dann so gut wie unlesbar, unerträglich der Augenkrebs, der einem da die Lesefreude nimmt. Man kann es auch so sagen, Bildung kostet derweil richtig viel Geld, und das verstehen vermutlich nur wieder Mitmenschen, die eben gerade so über die Runden kommen und jeden Cent dreimal umdrehen müssen, bevor sie ihn ausgeben.

Eigentlich aber befindet sich bereits an diesem Punkt genau das, worüber Medien ausführlich hinter ihrer Bezahlschranke intensiv nachdenken, soziale Gerechtigkeit und Aufstiegsmöglichkeiten, denn Bildung bestünde ja auch darin, sich ein umfassendes Bild über diverse Medien hinweg machen zu können, eigentlich.

Möchte also jemand querlesen, sich zu bestimmten Themen eine Meinung samt Hintergrundwissen bilden, dann wird es richtig teuer. Man kann mit Fug und Recht überhaupt sagen, es wird mehrfach gezahlt. Zuerst mit den eigenen Daten, die zur Verfügung gestellt werden müssen, denn ohne die Maske überhaupt fallen zu lassen, kann man so gut wie nirgendwo lesen, ein zweites Mal in dem Augenblick, wo der betreffende Artikel sich hinter der Paywall versteckt, hinzu kommen dann auch noch die Kosten, die anfallen für den Computer, das Internet, den Strom. Ja, ich bin der Ansicht, es lohnt sich schon, darüber einmal tiefer nachzudenken.

Nun wird niemand ausrechnen wollen, was so ein Artikel im ersten Monat vielleicht kostet, denn es wird ja keine Anschaffung für einen einzigen Artikel getätigt, aber darüber im Zusammenhang mit sozialer Gerechtigkeit, Bildung und Aufstiegschancen nur einfach einmal kurz nachzudenken, das lohnt sich schon, denn ich stelle mir schon länger die Frage, warum die großen Verlagshäuser noch nicht auf die Idee gekommen sind, dass gleiche Artikel mit gleichen Titeln nun wirklich kaum höheren Gewinn bringen.

Aber was soll es, sie konkurrieren selbst innerhalb eines Hauses, weil sie wohl meinen, das ehemalige Vorgehen aus dem letzten Jahrtausend müsse man aus der Offlinewelt auch ins Internet retten, wodurch immer mehr Auftritte immer gleicher ausschauen, und auf die Idee ein Gesamtticket, ähnlich den Verkehrsbetrieben von Städten zu schaffen, das halbwegs bezahlbar ist, und mit dem man die Onlineauftritte eines Verlagshauses lesen könnte, darauf kommt bis heute niemand.

Die einstige Qualität einzelner Medien sinkt derweil immer öfter, derweil man offline sich viel mehr unterscheiden musste und muss, um die eigene Leserschaft zu bedienen. Und am dreistesten wird es in dem Augenblick, wenn man den Kunden online anfüttert und ihm nach kurzem Lesen mitteilt, wie es der Spiegel immer öfter macht, der Rest samt vertiefender Hintergrundinformation stünde demnächst in der Printversion.

Der Leser also muss im schlimmsten Fall gleich mehrere Abos erwerben, sofern er normalerweise Medium a liest, sich Hintergrund und weiterführende Info sich aber in Medium b des gleichen Verlages befinden oder eben sogar in der Offlinezeitung. Absurd. Trotzdem nachvollziehbar, zumindest aus Sicht der Häuser und doch eigentlich unfair.

Das einmal aufzuschlüsseln, darüber nachzudenken, darauf ist noch niemand gekommen, doch wäre es an der Zeit, denn schaut man genauer hin, stellt man schnell fest, beste Info samt Hintergrund übersteigt so gut wie jede Geldbörse und würde richtig teuer. Besser formuliert bekomme ich es nicht, ein Segen aber ist es, dass wenigstens die Grundausstattung um überhaupt am Mindesten zu können, bereits mehrheitlich vorhanden sein dürfte. Und doch stellt sich mir die Frage, was kostet so ein Artikel samt allem, was dafür bezahlt werden muss, den Leser wirklich? Heute geben ja immer mehr Medien bereits die Lesezeit für einen Artikel an. Warum also wagt es kein Medium  die ungefähr geschätzten anfallenden Kosten, inklusive dessen, was eben durchschnittlich an Grundausstattung, Strom und so weiter fällig werden kann, einfach vom Durchschnitt her gerechnet und inklusive der damit verbundenen Datenkosten, die durch den User zur Verfügung gestellt werden, anzugeben? Ich denke, so manchem Leser würden die Augen ausfallen, wenn er wüsste, was zusätzlich zur eigenen Bildung noch so alles an unsichtbaren Euros anfällt …

©denise-a. langner-urso

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