CDU Kandidatenkür – Wunschkonzert für Merkel und die SPD?

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Ich habe mir sehr genau angehört, was Angela Merkel heute sagte, als es um die Kandidatenauswahl für den Parteivorsitz ging, und es lässt mich verwundert und ziemlich ratlos zurück.

Man habe mit der SPD telefoniert, man wolle die Fortführung der Koalition sicherstellen. Ganz großes Kino, denn seit wann telefoniert man denn bitte mit dem Koalitionspartner wenn es um die Kandidatenauswahl in der eigenen Partei geht? Ich finde, schon das muss die CDU aufhorchen lassen, denn eine Kandidatenwahl darf nicht zum Wunschkonzert des Vorgängers oder der Vorgängerin werden, schon gar nicht zum Wunschkonzert des Koalitionspartners.

Sollte dieses also tatsächlich so passiert sein, dann ist das ein Warnsignal, bedeutet es doch, dass unter Umständen auf die mit der Wahl beauftragten, demnächst massiver Druck ausgeübt werden könnte, wie man ihn bisher eigentlich derart massiv nur von der SPD kannte, und ein faires Auswahlverfahren wäre damit nicht mehr gewährleistet, sind doch die Delegierten alle noch unter der jetzigen Parteiführung in ihre Aufgabe berufen worden, was für eine Kandidatin Annegret Kramp-Karrenbauer ohnehin schon einen gewaltigen Vorschub den anderen 11 Kandidaten gegenüber verpasst. Und es wurde auch das deutlich: der neue Vorsitzende hat zu spuren, die Kanzlerin sagt an, wohin es geht, und es soll weitergehen wie bis jetzt. Ganz großes Kino!

Und deutlicher kann eine Wahlunterstützung auch nicht ausschauen, als dass man vorab ansagt, man habe mit dem Koalitionspartner gesprochen und wolle so die Fortsetzung der laufenden Koalition garantieren. Mehr Hilfe und Unterstützung geht nicht, deutlicher als derart verklausuliert hätte es nicht ablaufen können.

Mit Kramp-Karrenbauer nämlich könnte die SPD sehr gut leben, bei einem Friedrich Merz hingegen, der ja ins politische leben zurückkehren will, wäre das fraglich, denn niemand kennt ihn mehr genau, niemand kann sagen, wie er sich charakterlich verändert hat, wie flexibel er vielleicht wäre, wenn es um die Koalition ginge, und da setzt man dann doch lieber auf das, was man kennt und was dem Koalitionspartner bekannt und für ihn berechenbar ist.

Ich habe gut zugehört und finde den heutigen Eingriff mehr als fragwürdig, sollte man tatsächlich mit der SPD gesprochen haben, denn dann frage ich mich tatsächlich, will man dass die Parteien sich wieder mehr unterscheiden, oder setzt man in der CDU tatsächlich darauf, dass es eben keine verstärkte Abgrenzung der Parteien voneinander geben soll?

Dann nämlich stelle ich mir tatsächlich die Frage, warum man überhaupt Regionalkonferenzen abhält, obwohl man vorab schon genau weiß, dass man eigentlich eine Auswahl von Kandidaten überhaupt nicht wünscht, und es nur zur Beruhigung der Wähler abhält, die den Eindruck von Demokratie innerhalb der eingerosteten CDU, erhalten sollen.

Eine völlig unbeeinflusste Kandidatenkür kann es so jetzt schon nicht mehr geben, das ist mir heute klar geworden.

©denise-annette langner-urso