Deutschland – Als wir die Menschlichkeit verloren

Deutschland altert und jeder weiß das, viele junge Menschen verlassen das Land, weil sie anderswo mehr verdienen, eine bessere Lebensqualität vorfinden. Sichere Jobs in schönerer Umgebung, entschleunigtes Leben.

 

Der Nachwuchs will nicht geboren werden, verhindert von verfehlter Politik, einer Wirtschaft, in der Wachstum und Profitgier, mehr zählen, als der Einzelne, der das erwirtschaftet, wovon überwiegend andere profitieren. Wir haben unsere Menschlichkeit dem Kapital geopfert, unsere Kinder ihm gewidmet, vergessen, ihnen Menschlichkeit anzuerziehen. Und wir, das sind nicht alleine die Familien, das sind wir alle, diese Gesellschaft.

 

Die schönsten Kindergärten, die besten Schulen, feinste Universitäten, sie alle sind nur Gebäude, die wir auf Mauern und Wände reduziert haben und auf den Kostenfaktor. Wir haben vergessen, diese Einrichtungen mit Menschen zu füllen, mit ausreichend Menschen, mit Zeit.

 

Der Mensch ist kein Einzelgänger, der wie ein Jaguar alleine jagt, der Mensch ist ein Herdentier wie der Löwe oder der Affe, ein soziales Wesen. Fehlt ihm dies, so verkümmert er, wird quasi zum Kaspar-Hauser.

 

Zeit und Kapital, eine funktionierende Gesellschaft, das sind die wichtigsten Faktoren, wenn das verhindert werden soll, wenn man nicht Ellenbogeneinzelgänger und Kinder heranziehen will, die irgendwann zu U-Bahnschlägern, Nervensägen in Kindergärten und Problemen in der Schule werden sollen. Diese Zeit aber haben wir dem Kapital verkauft, die Gesellschaft gleich mit. Und Kapital verdirbt den Charakter, das ist alles, was dazu zu sagen ist. Auch den von Kindern, wenn die Gesellschaft nicht mehr in der Lage ist, Menschen zur Verfügung zu stellen, die den Menschen formen.

Es macht doch Spass und bereichert das Leben, wenn man sich miteinander beschäftigt oder sogar miteinander etwas spielt. Und es gibt doch vom Brettspiel bis zur Xbox 360 Spiele , die wirklich auch der ganzen Familie gefallen. Gerade der Spielemarkt bietet doch viele Möglichkeiten, um etwas Zeit gemeinsam zu verbringen und so das Sozialverhalten seiner Kinder zu verbessern, damit sie nicht zu egoistischen Zeitgenossen heranwachsen, die nur auf sich selbst bedacht sind.

 

Das Problem aber beginnt ja nicht in Kindertagesstätten, es wird selbst im Supermarkt offensichtlich, wo jedweder Ansprechpartner ausser vielleicht der Kassiererin fehlt. Wo soll denn der Mensch seine Höflichkeit lernen, wenn nicht auch bei der Verkäuferin an der Wursttheke, beim Bäcker, im persönlichen Umgang miteinander, das Bitte und Danke etwa? Kinder lernen von Vorbildern, beim Hinsehen. Und was sehen sie? Pöbeleien, Schiebereien, Miesmuffel rund um sich her, die selbst die alte Dame an der Kasse noch anranzen, wenn sie ihr Brötchen zu langsam verpackt und nicht schnell genug das Feld räumt.

 

Maschinen zudem, die Menschen bedienen, wo immer es geht, oder die Selbstbedienung. Selbst Kindern würden sich an den Kopf fassen, bedankte man sich bei der Pfandflaschenmaschine für den Service. Wo also sollen Kinder heute noch Menschlichkeit und Hilfsbereitschaft erlernen? Sie sehen, dass Männer Mütter Kinderwagen Treppen herunter oder hinauf schleppen lassen, ohne zu helfen, dass Papa die Oma anhupt, wenn sie zu langsam die Straße überquert, verunsichert, oft blind, warum also soll ein junger Mensch später einer alten Dame helfen? Dieser Mensch erwartet doch eher, die Rente weiterzukassieren, wenn er jemand im Rentenalter über den Haufen fährt, quasi als Belohnung dafür, dass er dem Sozialsystem und einer immer mehr entmenschlichten Gesellschaft einen unproduktiven Menschen vom Halse geschafft hat.

Und um es mit den Prinzen auszudrücken:

http://youtu.be/Dx8qjb5kzT0

 

Oder etwa nicht?

 

©denise-a. langner-urso

Foto- Helga Gross  / pixelio.de