Hartz IV und ein abgrundtief widerwärtiger Hetzartikel

Es geschieht überaus selten, dass es sogar der Autorin dieser Webseite beim Lesen schlecht wird, denn auch Menschenzeitung nimmt kein Blatt vor den Mund und übt Kritik. Was aber heute im Internet in einem Artikel auftaucht, das gehört kommentiert, denn selbst Menschenzeitung kommt beim Lesen dieses Artikels zu dem Schluss, die Politik hat manchmal Recht, wenn sie das Internet überwachen möchte.

Es gibt Autoren und Blogs, die gehören ob ihrer Unverschämtheit gesperrt, zumindest dann, wenn sie so bösartige und menschenverachtende Vergleiche ziehen, wie im Artikel geschehen. Obwohl ich mich dafür schäme, so muss ich diesen Artikel verlinken, damit sich der Leser selbst ein Bild davon machen kann, wovon ich spreche. Das gute Hetzstück ist auf Duckhome erschienen und wurde von mein Politblog übernommen. Auch Mein Politikblog hat Menschenzeitung wegen der Übernahme ab sofort nicht mehr verlinkt. So ekelhaft wie der Artikel selbst sind auch die Kommentare, da bemitleiden sich Menschen, die noch nie etwas von Eigeninitiative und sich selbst aus dem Dreck ziehen gehört zu haben scheinen.

Wenn ein Autor Hartz IV Kinder mit jüdischen Kindern vergleicht, die unerträgliches Leid erfahren mussten, wenn er quasi das Schicksal von Hartz IV Kindern mit dem einer Anne Frank gleichsetzt, so überschreitet er jedweden Anstand! Der Autor behauptet weiter, der Pass für Hartz IV Kinder sei der Judenstern. Dieser Zeitgenosse überschreitet eine Grenze, die jeden nur möglichen Verfechter von Internetsperren auf den Plan rufen muss. Er verletzt die Gefühle von Menschen, des gesamten jüdischen Volkes, all jener, die unter unserem einstigen Verführer massive Verfolgung bis in die Verbrennungsöfen von Auschwitz erlitten haben.

Der Autor macht in seinem Artikel zudem eine Rechnung auf, die jedweder Tatsache widerspricht und mit der Realität rein gar nichts zu tun hat. Wer selbst Kinder großgezogen hat, der weiß das, der weiß auch zwischen Anspruchsdenken und Eigenverantwortung zu unterscheiden, der kennt Grundschulen und was dort an Beiträgen notwendig ist, an Grundausstattung für einen Erstklässler. Man weiss ja nicht, von welcher Grundschule der Autor spricht, eines aber its gewiss, eine normale Grundschule kann das nicht sein, selbst die elitäre John-F. Kennedy Schule in Berlin Zehlendorf erwartet nicht Investitionen in einen Grundschüler, wie im Hetzartikel angegeben.

Ich selbst habe 5 Kinder durch die unterschiedlichsten Schulen der Stadt ausbilden lassen, und an keiner einzigen, selbst heute nicht, werden die angegebenen Summen fällig, viele Schulen erheben schon lange gar kein Büchergeld mehr, für das der Autor 40 Euro ansetzt. Die meisten Schulen bieten zum Schuljahresende auch Basare an, auf denen Schulbücher quasi zum Nulltarif weitergereicht werden.

Kommen wir zum 69 Euro Ranzen. Ich weiß ja nicht, wo der Autor diesen erworben hat, jedenfalls benötigt kein Schulanfänger so teure Behälter, dann gibt es die Möglichkeit, e-Bay zu nutzen, da finden sich Angebote, die um ein Vielfaches unter dem angegebenen Preis liegen. Ab 15 Euro gibt es dort Spitzenqualität zum Spottpreis, man muss nur wollen, hetzen kann jeder! Das ist eine Mentalität, die wenig Selbstinitiative beweist. Kein Schulkind benötigt zum Schulbeginn die Marke Eastpack. Meine Kinder haben so ein Teil erst zum Übergang auf die Oberschule erhalten und dann mußten sie auch jeweils vom Taschengeld mindestens die Hälfte bezahlen, auch Kinder haben sich zu beteiligen, Verantwortung zu übernehmen, wenn sie unbedingt den Namen bezahlen wollen, so und nicht anders erzieht man sie zu Menschen, die wissen, welchen Wert Geld hat, dass es nicht vom Himmel fällt. Wenn sie selbst Geld verdienen und zahlen müssen, dann lernen sie seinen Wert auch zu schätzen, so einfach ist das.

Kommen wir nun zu den 30 Euro für die Klassenkasse. Noch niemals habe ich von Bekannten, Freunden, Lehrern, meinem Enkel gehört, das solche Summen fällig werden, und schon gar nicht auf einen Schlag! Das ist bereits dreiste Lüge Nummer drei.

Büchergeld gibt es nur gegen die Schulbescheinigung, so ein Mist aber auch, das ist wahrlich unverschämt. Viele andere Dinge gibt es auch nur gegen die Vorlage der Schulbescheinigung, werter Verfasser, die ganz normale Monatskarte etwa, und wenn die Vorlage dieser Bescheinigung bereits die Stigmatisierung zum Juden bedeutet, dann betrifft das ja wohl alle Kinder, die mit öffentlichen Verkehrsmitteln fahren und nicht alleine Hartz IV Kinder.

Mir ist jedenfalls nicht bekannt, dass meine Kinder oder wir Eltern jemals überhaupt auf eine solche irre Wahnsinnsidee gekommen wären, diese Bescheinigung und den ganz normalen Vorgang, sie im Sekretariat abzuholen zu müssen, als Nachweis für den Anbieter, sie mit dem Stern zu vergleichen. Das schlägt dem Fass den Boden aus!

Wir wissen auch nicht, wie teuer die Schultüte ist, die der Autor bestückt, unsere Tüten enthielten das Schulmaterial und wir mussten sie auch nicht alleine bestücken, denn schließlich haben Kinder auch Verwandte, sofern sie keine Vollwaisen sind. Wir mussten uns so gut wie nicht um die Bestückung kümmern. Obwohl wir zudem immer Geld hatten, wollten wir keine Tüte von der Stange. Wir haben die Tüten mit all unseren Kindern gemeinsam gebastelt, es waren Augenweiden, um die sie beneidet wurden, denn sie waren eben Exemplare, die es sonst nirgends zu kaufen gibt. Woher also nimmt der Autor seine Weisheit? Nichts genaues weiß man nicht.

Der Autor berechnet an die 300 Euro für den Schulstart, eine Summe, die nicht stimmt, vorne und hinten nicht. Wer allerdings die soziale Hängematte liebt, der muss sich keine Gedanken machen, allerhöchstens darüber, warum er seinen Allerwertesten nicht bewegt, denn das schuldet er der Gesellschaft, sie hingegen schuldet ihm an sich nichts. Er ist selbst verantwortlich dafür, ob er im Selbstmitleid ersaufen oder tätig werden will, ob er lieber den Fernsehknopf betätigt oder den am Computer, und wer keinen hat, der findet ihn im nächsten Internetkaffee, nur leider muss man dann das Bier auf den Tisch stellen und sich um 7 Uhr vom Sofa rollen, so einfach ist das!

Nur natürlich ist es bequemer, die Todesstrafe für Politiker zu fordern, sie unflätig vom Sofa aus zu beschimpfen und seine verarmenden Kinder mit dem Schicksal vieler Anne Franks gleichzusetzen. Das kann man dann wahlweise bequem auf Hartz IV gebettet im Vollrausch vom Sofa aus am Vormittag oder nach dem Mittagsschläfchen gegen 23 Uhr tun, derweil man sich das nächste Sixpack reinzieht. Hauptsache, man kann anderen die Schuld für das eigene Versagen und die eigene Unfähigkeit in die Schuhe schieben.

Solche Mitesser wie den Autor braucht keine Gesellschaft! Und um den Ton des Verfassers aufzugreifen, weil er vermutlich nur Klartext versteht, Entschuldigung, aber solche pöbelnden Zeitgenossen gehören zur Arbeit verdonnert, das Hartz IV Kapital gegen Null gekürzt, die Kinder in andere Familien verbracht weil es ihnen offensichtlich mit Hartz IV zu gut geht und sie viel zu viel Zeit haben, solchen Bockmist wie diesen Text zu verfassen! Da haben Kinder solcher Zeitgenossen wenigstens die Chance dem Selbstmitleid zu entkommen und zu ehrlichen und der Gesellschaft nicht auf der Tasche liegenden, selbst denkenden Individuen heranwachsen zu dürfen. Ganz ehrlich? Die Seite gehört gesperrt, denn sie grenzt an Volksverhetzung! …

Und es gibt so viel, was man der Gesellschaft geben kann. Zum Beispiel ist man ja wohl kein schulischer Totalversager gewesen. Nachhilfestunden also. Man kann zu Freiwilligen Feuerwehr gehen, selbst da werden Einsätze bezahlt. Man kann, wenn man denn schon schreibt, mit Links und bezahlten Artikel Geld verdienen, Ganze Blogs erstellen und pflegen. Auch das wird bezahlt.

Selbst gute Schüler geben Nachhilfe, verdienen sich so etwas hinzu. Auch Sport kann man betreiben, Vereine reduzieren Kindern engagierter Eltern, die noch nicht einmal Mitglied werden müssen die Beträge bis gegen Null, wenn man sich zum Trainer oder Schiedsrichter ausbilden lässt, und Geld gibt es meist auch noch für die Einsätze!

Tja, aber dafür muss man die soziale Hängematte natürlich verlassen, selbst denken und tätig werden und kann nicht im Internet pöbeln.

©denise-a. langner-urso

 

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  1 comment for “Hartz IV und ein abgrundtief widerwärtiger Hetzartikel

  1. Jean Fairtique
    21. August 2011 at 17:01

    Alleine der letzte Satz sagt mir schon, dass die Verfasserin Null Ahnung hat.

    (Aber dies mit aller Kraft!).

    Man/frau merkt schon – Blöd-Zeitung wirkt!

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