Macht euch auf die Socken!

In Kürze spuken die Schulen wieder ein Heer von Schulabgängern aus, unter denen die Unternehmen jene Arbeitskräfte zu finden hoffen, die Eigeninitiative, Kreativität, eine gesunde Portion Menschenverstand, Vorstellungskraft, Ideen und Flexibilität mitbringen. Und wie in jedem Jahr werden sie vermutlich oft sich mit einem Mittelmaß an Schulabgängern begnügen müssen, denn nur die wenigsten Bewerber bringen jene Eigenschaften mit, die weltweit aufgestellte Branchen eigentlich bräuchten. Erneut stehen ihnen dann junge Menschen gegenüber, die nicht über den Tellerrand von Mamas Tafel hinaussehen können.

Viele junge Menschen gehen zu diesem Zweck zwar den Weg, von dem sie meinen, er sei erwünscht, nämlich über die Bundeswehr. Dennoch, Bewerber, die dort nur lernen, was daheim üblich war, was der gefallene Opa, der strenge Vater tat, das genau ist es nicht, was Unternehmen brauchen, nämlich Ja-Sager, die jeden Befehl widerspruchslos ausführen und niemals erlernen dürfen, wie es ist, Eigeninitiative und eigene Ideen umgesetzt zu haben. Das bringt Unternehmen nicht voran, braucht die Deutsche Unternehmerlandschaft nicht, wenn sie dauerhaft mit innovativen Produkten auf internationalen Märkten konkurrieren will. So ein Bewerber wäre bei mir umgehend aus dem Rennen, stünde ein zweiter zur Verfügung, der genau jene im ersten Abschnitt gesuchten Vorzüge im Koffer hat.

Wodurch aber zeichnet sich dieser Kandidat aus? Nun, er ist nicht von einer Schulbank direkt auf die nächste gehüpft, er hat sich auf die Socken gemacht, seinen Horizont erweitert, war alleine in der Welt unterwegs, ohne an irgendeiner Leine zu laufen. Dieser Bewerber hat sich per Job durchgeschlagen, andere Kulturen kennengelernt, und bringst fundierte Fremdsprachenkenntnisse mit, die er bei seiner Selbstfindung erlernt hat. Sprich, er ist arbeitend quer durch einen Kontinent gewandert, alleine, auf eigene Faust.

Auf seinem Weg hatte er sicher mit diversen Unwägbarkeiten zu kämpfen, wie das eben so ist, wenn man per Work and Travel ein fremdes Land, zum Beispiel Australien durchwandert, und dort Erfahrungen in verschiedenen Tätigkeiten bei unterschiedlichen Menschen gesammelt. Sprich, er hat die Initiative ergriffen, gezeigt, dass er über sich hinauswuchs, musste eigenständig denken und handeln.

Vielleicht war dieser junge Mensch aber auch in Neuseeland und hat dort bei einem weltweit agierenden Konzern ein Auslandspraktikum absolviert, was ebenso von eigenem Handeln überzeugt, von Interesse, wie mich der erste Anwärter von seinem Willen etwas zu bewegen, überzeugen könnte. Wen also würde ich wohl eher einstellen wollen? Wer könnte vermutlich meinem Unternehmen mehr dienen, der Wegducker und Ja- Sager oder jener junge Mensch, der bereits auf eigenen Füßen gestanden und bewiesen hat, dass er nicht nur kreativ sondern auch flexibel ist, jederzeit dazu in der Lage, die Welt neu zu entdecken?

Es ist eure Entscheidung, ob ein triestes Häuschen am Stadtrand eure Zukunft wird oder, ob ihr als Weltenwanderer euer Zelt gerne überall und nirgendwo aufstellen wollt, wo es gerade am schönsten ist. Den Weg müsst ihr bald wählen, in der heutigen Zeit aber dürfte das Zeltdach unter Sternen wohl bei weitem die profitablere Lösung sein. Versauert nicht wie eure Alten, macht euch gefälligst auf die Socken und es wird euch niemals langweilig werden!

 

©denise-a. langner-urso

 

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