Neue Lehre: Sarrazinologie?

Ein Buch und eine verdrängte Debatte. Zu vorsichtig geführt, seit Jahren, teils verdrängt, weil unbequem, die Integrationsdebatte. Sarazzin provoziert vielleicht schon mit einem Bein über dem Abgrund. Teilweise regelrecht menschenunwürdig, teilweise aber auch zu Recht, das ist es was Sarrazin tut, debattieren am rechten Rand, knapp vor der Auslinie, teils dahinter.

Richterin Heisig hat ihn täglich gesehen, diesen Abgrund, das Elend, wenn Behörden Straftäter nicht wegsperren dürfen, weil davor das Alter schützt. Sie hat jeden Tag ihren ganz persönlichen Murmeltiertag erlebt. Auch das ist Realität. Aber eben eine Realität der Einseitigkeit, der Betriebsblindheit. Eine Debatte wurde angestoßen, und sie sollte geführt werden dürfen, müssen. Woran scheitert Integration, warum scheitert sie, warum widersetzt man sich ihr? Wo sind jene, die integrieert hier leben, warum erheben sie nicht ihre Stimme, warum fordern sie nicht Zusammenarbeit ein?

Gute Ansätze sind es, wenn davon gesprochen wird, dass es eine Kindergartenpflicht geben sollte, mit der Verpflichtung, dort vorrangig in der deutschen Sprache zu kommunizieren, nichts ist daran verwerflich, bitterböse wird es dann, wenn die Genetik in die Debatte gemischt wird, wenn von Dummheit bestimmter Menschengruppen gesprochen wird, wenn Vermehrung und Kinderreichtum einer Gruppe angeprangert werden, und wenn man dabei vergisst, dass unsere sehr deutsche Arbeitsministerin, Frau von der Leyen, einen riesigen „Kindergarten“ zu lieben hat, wenn sie von der Arbeit kommt.

Es sind lang bekannte Ansätze, von denen Sarrazin schreibt, bekannte Übel, bekannte Fakten, aber die Beschreibung des Ursprunges ist es, die falsch ist. In drei Generationen muss man in einer vernetzten Welt Jahrhunderte überspringen können, dazu verpflichtet schon der technische, überhaupt der Fortschritt im letzten Jahrhundert. Dazu verpflichten alternde Gesellschaften, eine kleiner werdende Welt.

Integration muss von der Gesellschaft ausgehen, und dazu gehören alle Seiten, allen voran auch Wirtschaft und Politik, die einen als Arbeitgeber uind Ausbilder, die anderen als Gesetzgeber. Arbeitgeber dürfen auch nicht immer nur fordern, teils müssen sie eben auch selbst tätig werden, Ideen haben, eine interne Sprachschulung, warum nicht? Einfach einmal learning by doing anbieten, in den Ferien als Schnupperferienjobs. Habt doch mal Ideen und fordert nicht nur! Investitionen tätigt man auch in Menschen, das zahlt sich oft mehr aus als jede finanzielle Unterstützung vom Staat. Das bringt mehr als auf Menschen einschlagen, ihnen nichts zutrauen. Vergesst doch einmal Zeugnisse, vielleicht steckt in einem Bewerber, der persönlich vorbeischaut ein ganz anderer Kerl, oder wäre er sonst da?

Der dritte Faktor aber ist der Mensch, dem bewusst sein muss, dass Integration aus Geben und Nehmen besteht, und aus Einsicht, Wollen und über Bord werfen. Andere Länder andere Sitten. Hier wird anders, schneller, moderner gelebt, Religion gehört ins Handschuhfach und nicht auf die Starße.Schulkleidung- gerne, es geht nicht um Kopftücher, es geht auch um Markenwahn unter Jugendlichen, weg damit! Anonymisierte Bewerbungen, jetzt hier, gleich und sofort. Muss der jugendliche, der Schlosser werden will Arien singen und schnell laufen können, malen können wir van Gogh, Texte wie Brecht verfassen- nein, verdammt, dass schaffen schon deutsche SChüler kaum, und unsere Universitäten sind auch überfordert, wenn sie nur 0,9 Kandidaten fabrizieren sollen, zu hunderten. Das gesamte System hat versagt. Ich bin nicht gebildet und kann Krankenpfleger werden, weil meine Haare blond sind, nein, mit Zöpfen und Schlurfjeans gefällt mir der Kerl besser, mit Akzent gleich noch mehr, als das buckelnde urdeutsche Anzug-Krawattenbübchen, das dem Chef am Allerwertesten hängt und umsonst ackern will-pfui.

Tatsachen auszusprechen, kann Wahlstimmen kosten. Sarazzin hat eine längst überfällige Debatte angeregt, herausgefordert. Man muss kein Sarrazinologe sein, um zu erkennen, dass zu lange bestimmte Probleme totgeschwiegen wurden, wie vieles totgeschwiegen wird, was kostet, vor allem Stimmen. Man muss fordern und fördern, wie man es auch bei HartzIV Empfängern tut, und dazu gehören im Zweifelsfalle auch noch zu bestimmende Sanktionen. Bestimmte Dinge gehören zu diesem Land, wie die Butter zum Brot, und das ist nun einmal seine Sprache und seine Kultur, das unauffällige an der westlichen Religion. Darüber muss gesprochen werden, koste es, was es wolle, und das hat Sarrazin erreicht. Von seinem Charakter mag jeder halten, was er will, Sarazzin ist von gestern, wenn auch nicht ganz aus der Zeit, denn Sarrazin legt Finger in Wunden, die es nach Generationen der Migration nicht geben dürfte, und die schnell geheilt gehören, bevor andere sich ihrer annehmen. Und ein Wundbrand wäre das letzte, was Deutschland im Jahre 2010 bräuchte.

Deutschland benötigt jeden jungen Menschen, und das hat es zu zeigen, aber die jungen Menschen müssen auch zeigen, wohin sie gehören wollen, zu denen, die integriert sind und sein wollen, oder zu denen, die Wirtschaft und Politik bisher gerne übersahen. Wirtschaft und Politik suchen derzeit eines, die schweigende Menschmaschine, die nichts kostet und nie den Mund aufreisst. Jetzt ist es an der Zeit zu zeigen, diese Menschmaschine gibt es nicht, zu viele Menschen haben Politiker und ihre Bosse im Schatten schon verjagt!

Alle müssen also aufwachen, allen voran Politik und Wirtschaft, aber auch und an vorderster Stelle die Menschen, die hier leben möchten selbst, auch wir Eingeborenen, denn irgendetwas ist aus dem Ruder gelaufen, was sicher von niemandem so gewollt war. Vielleicht ist ja gerade jetzt die Zeit, einfach einmal Kopftücher abzulegen und sie an Fahnenstangen sichtbar aus den Fenstern zu hängen, als Zeichen für Integrationsbereitschaft, als Fahne aller Menschen, die hier leben, und vielleicht begreifen die Menschen dann, wie sehr Migranten bisher missverstanden wurden und werden sollten. Macht eine WM der abgenommenen Kopftücher und ladet solche wie Sarrazin, aber auch Wirtschaft und Politik ein. Redet und sagt, was benötigt wird, damit solchen Herren aus der Vergangenheit das Wort im Halse und das Gedruckte in der Presse hängenbleibt. Und wenn ihr etwas sagen wollt, schreit es auf Deutsch in die Runde, zeigt dass auch ihr eine Stimme dieses Landes seid, eine deutsche Wählerstimme zumal.

Es ist die Art und Weise auf beiden Seiten, es sind Formulierungen gefallen, die so nie hätten niedergeschrieben und gesagt werden dürfen. Sarrazin erhebt seine Denkweise zur Sarrazinologie, zu einer Islamrassenlehre und sich selbst zum Übermenschen. Wenn jetzt nicht der friedliche Islam seine integrieerte Stimme in deutscher Sprache erhebt, so wird er es nie tun. Also redet endlich!

©denise-a. langner-urso

Foto-Pixelio: Fotografie: Kira/ Bearbeiter: Joane

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