Obama vs. Romney – die Erfindung der Schlaftablette

Anders formuliert, ein weinerlicher Romney gegen einen, der ihm voller Verständnis zu nickte. Grauenvoll und gut, dass die beiden verheiratet sind, ansonsten wären sie noch gemeinsam im nächsten Hotelbett gelandet, der eine den anderen umarmend, Trost spendend.

Neues erfuhr man nicht, die Debatte plätscherte vor sich hin, wie ein seichtes Bächlein, wurde nie zum mitreißenden Fluss. Die Sendezeit hätte man sich wahrlich sparen können.

Amerikaner mögen das anders sehen, aber es schaute aus, wie eine große Koalition, die in Glückseligkeit versinkt.

Romney mag ja zugelegt haben, wenn es darum geht nicht zu patzen, aber angreifen konnte er den Präsidenten so eher nicht. Obama ist wie ein glitschiger Aal, und Wähler erwarten normaler Weise mehr Biss, von beiden Seiten.

Alles was bleibt ist, nichts genaues weiß man nicht, der eine will ausgeben und sparen, der andere sparen und ausgeben.

Romney mag ja bissiger geworden sein, hat vermutlich heute das Beste abgeliefert, was er zu leisten vermag, sich Mühe gegeben, aber Mühe alleine genügt nicht.

Obama verteidigte seine vierjährige Präsidentschaft, seinen Standpunkt, Romney stellte seinen Entwurf dagegen, also im Westen nichts Neues.

Romney tappte nicht blind in Fettnäpfchen, ein Fortschritt immerhin, und Obama schien von Wahlkampf müde, genervt, hat doch Amerika andere Probleme, als sinnentleerte Debatten.

Was fehlte war ein Moderator, der die Kandidaten geführt hätte, und der der Diskussion mehr Tiefe, mehr Spin, verlieren hätte. Das Niveau ist im Gegensatz zum letzten Wahlkampf gesunken, und man weiß nicht, ob ein zu wenig angreifender Romney oder ein zu gelangweilter Obama mehr Schuld am Verlauf hatten, vermutlich beide, denn sie erschienen eher lustlos.

Wenn das Niveau dem Publikum reicht, dann gute Nacht, denn so werden Unterschiede nicht wirklich offensichtlich.

Obama hielt sich weise zurück, denn das Publikum mag persönliche Angriffe nicht, Romney hingegen hatte zu viel Respekt vor dem Präsidenten. Ein schlechtes Zeichen, wenn man bedenkt, dass er vielleicht irgendwann selbst als Präsident anderen Regierungsführern gegenüber treten muss.

Schade um die ungenützte Zeit, schade um die verschwendete Zeit, jedenfalls aus deutscher Sicht, dafür muss man keinen Wahlkampf führen. Aber gut, auch amerikanische Wähler scheinen sich ja derweil mit Scheinkämpfen und Konsens abzufinden.

Wenn man sich so wenig zu sagen hat, wenn man dem Gegner so wenig Angriffsfläche gibt, wie diese beiden, dann kann man den Wahlkampf auch ganz ausfallen lassen.

Aber den Amerikanern scheint das ja zu genügen, man liest eben im Kaffeesatz und studiert Gesten. Wenn das also zur Wahlentscheidung reicht, dann weiß ich auch nicht weiter, dann ist auch Amerika eigentlich wahlmüde, politisch wenig interessiert, nimmt hin, ist desillusioniert, akzeptiert, wie deutsche Wähler, fühlt sich ebenso, wie diese, den politischen Kräften, die von der Wirtschaft dominiert werden, hilflos ausgeliefert. Kein Wunder bei der desaströsen wirtschaftlichen Lage.
Einzig die Moderatoren sind scheinbar dazu in der Lage, dem Ganzen enttäuschenden Theater, dass da präsentiert wurde, etwas abzugewinnen, etwas herauszulesen, was es eigentlich nicht gab. Und nur sie scheinen die jeweiligen Wähler zu kennen und können nach dieser Schlaftablette auch noch Sieger und Verlierer definieren. Bravo, dafür braucht man wirklich Phantasie und ein massives Selbstvertrauen.

Eines ist sicher, diese Debatte macht nicht Lust auf mehr, es sei denn man ist Schlaftablettenjunkie und kann ohne immer mehr nicht einschlafen.

Man kann sich die Dinge auch schön reden.

©denise-a. langner-urso

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