Parteien, Politiker, Wirtschaft – Vorbildfunktion muss man vorleben

Doch damit gewinnt man keine Wählerstimmen, wie Die Grünen anhand ihres Veggie-Day erfahren durften. Denn ein Vorbild handelt, das rennt nicht in den nächsten Kiosk und kauf Zigaretten, derweil es der Öffentlichkeit Enthaltung und Verzicht verkündet, wie so einige Grüne es tun.

Mit Populismus kommt man schon viel weiter, weshalb man immer öfter dem Stammtisch nach dem Munde redet, wie die CSU mit ihrer Ausländermaut.

Und echte Vorbilder sind ohnehin rar, denn meist spricht niemand über sie, sie über sich meist gar nicht.

Und geschieht es doch, dann droht ihnen oft ein Shitstorm, der sich gewaschen hat. Denn warum tun sie nicht auch etwas für x,y,z, warum nur für die, warum, so spricht der Neid. Man gönnt ihnen dann nicht mehr das Hemd am Körper.

Können Sie sich auch nur einen Vorstandschef einer Bank vorstellen, einen einzigen Vorstandschef eines Industriekonzerns, der sagt, ich verdiene genug, der sein Gehalt mit den am schlechtesten verdienenden Mitarbeitern teilen würde?

Können Sie es sich vorstellen, dass irgendeine deutsche Partei tatsächlich ihre Praktikanten fair bezahlen würde, statt sich damit zu befassen, Ausnahmeregeln zu suchen? Können Sie sich vorstellen, dass Putzkräfte ohne Mindestlohn im Bundestag auch nur ansatzweise fair bezahlt würden? Ich nicht, viel zu viele anderweitige Berichte existieren derweil darüber, wie Politik mit eigenen Angestellten verfährt. Aber sie reden und fordern, fordern das, was sie selbst eher gezwungen und eher widerwillig umsetzen müssen.

Der Präsident der amerikanischen Kentucky State University aber er handelt, sagt, er habe genug, ihm reiche, was er verdiene und teilt. Sorgt dafür, dass die am niedrigsten bezahlten Arbeitnehmer einen höheren Lohn erhalten.

Können Sie sich so ein Handeln hier in Deutschland vorstellen? Ich auch nicht.

Oder können Sie es sich vorstellen, dass unsere Parlamentarier plötzlich sagen, wir verzichten auf irgendeine Diätenerhöhung, stattdessen zahlen wir unseren Angestellten bessere Löhne? Den Putzkräften etwa? Wir wollen unsere Steuerzahler nicht belasten, wir verzichten lieber auf dauerhafte Alimentierung, weil man nimmt uns ohnehin mit Handkuss, wenn wir aus dem Bundestag ausscheiden, und spätestens an diesem Tag und mit einem neuen Job brauchen wir das nicht mehr?

Im Gegenteil, man klagt auf das, was man meint, man habe es sich verdient, das beste Beispiel dafür ist ein Altbundespräsident. Und so jemand also, der soll Vorbild sein? Vorbild wofür? Ich sage, Vorbild für Gier, allenfalls.

Wo also bitte sind unsere Vorbilder, kennen Sie jemanden, der diese Bezeichnung verdient hätte? Kennen Sie jemanden aus dem Sport, der andere wirklich teilhaben lässt? Der daraus nicht in irgendeiner Form einen Vorteil für sich selbst zieht, weil er es sich anderweitig zurückholt, über Steuererstattungen etwa?

Mein, was zählt, das ist immer nur der eigene Vorteil, da kann man mit erzählen, was man will. Oder haben Sie von jemandem gehört, der freiwillig sein Gehalt auf andere verteilt? Denn auf die Idee könnten unsere Abgeordneten ja auch kommen und ihre Praktikanten stattdessen fair bezahlen, nur von so einer Aktion wie der des Interimspräsidenten jener Universität, davon habe ich in Deutschland aus Unternehmen und Parteien noch nie gehört.

Und das unterscheidet eben ein echtes Vorbild von einem falschen. Das handelt, macht vor, und wenn es tätig geworden ist, dann erfährt man es eher rein zufällig und nur, weil es so besonders selten und außergewöhnlich ist, und eigentlich keine Sau interessiert, weil sich schlechte Nachrichten eben viel besser verkaufen lassen.

Ach, Sie kennen so ein Vorbild aus Deutschland, so einen selbstlosen Teiler, einen solchen Vorstandschef, so einen Politiker, eine solche Partei, haben selber so einen Chef, na dann, her mit dem Beispiel, man lernt ja gerne dazu …

©denise-a. langner-urso

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