Peter Scholl Latour – Der die Menschen menschlich sah

90 prall gefüllte Jahre, besser Bücher voller Lebensweisheiten, das war Peter Scholl-Latour. Er war Historiker und Erklärer, Analytiker, ein Mensch, der die Menschen in all ihrer kulturellen Vielfalt verstand. Und er verstand sie deshalb, weil er ihre Sprachen sprach, sich in ihr Denken, Fühlen und Handeln hinein versetzte. Und davon gibt es nicht viele Zeitgenossen.

Peter Scholl-Latour war Wanderer und Brücke zwischen Kulturen und wenn es irgendwie wirklich etwas wie multikulturelle Charaktere gibt, dann war es dieser Mann, der über einen solchen verfügte. Es sprang mit Leichtigkeit zwischen vielen Leben umher, schaltete das eine ab, legte einen Schalter um und ging völlig in einer anderen Sprache und Kultur auf, weil er es wollte, es konnte, eben duch die Vielfalt die ihm die Sprachen und Dialekte boten, die er sprach.

Dadurch erwarb er sich Respekt und Anerkennung, wo immer er auch hin kam, das rettete ihm nicht selten das Leben. Er wurde zu einer anderen Person, zu einem Stück derer, die sein Leben in der Hand hatten. Und er erarbeitete sich dadurch Respekt, dass er einer von überall und doch einer auch einer bestimmten anderen kulturellen Gemeinschaft gleichzeitig sein konnte.

Menschen wie Scholl-Latour, sie sind selten, wertvoll, denn sie lassen eben jeden so sein, wie er ist, er wollte nie ändern, er wollte verstehen und darin Gemeinsamkeit finden. Und das ist ihm gelungen wie keinem anderen. Seine Analysen, wann hat er je falsch gelegen, werden uns in bester Erinnerung bleiben, hatte er doch mit so vielem Recht. Er war ein Wandler zwischen den Zeiten, verstand das Gestern, das Heute, und konnte so zumindest für gewisse Zeiträume auch erklären, wie das Morgen aussehen würde.

Kritiker mögen ihm viel vorgeworfen haben, eines war Scholl-Latour ganz gewiss nicht, fremdenfeindlich oder rassistisch. Und Verschwörungstheoretiker war er ganz sicher auch nicht. Wir müssen nur auf das sehen, was er über den Arabischen Frühling zu sagen hatte. Wie richtig er doch auch in diesem Falle lag. Und wenn einer Fanatismus und woher dieser kommt, wodurch er entsteht, wusste und es uns zu erklären versucht hat, dann war er es.

Man hätte vielleicht so manches Mal einfach nur besser hinhören müssen, sich länger mit ihm auseinandersetzen sollen. Aber seit wann hören jüngere Generationen schon auf „Die Alten“? Und Scholl-Latour war vielleicht eine Justitia, wie sie vor Gerichtsgebäuden steht, die so, wie man es erwartet urteilt, ohne Ansehen der Persönlichkeit und die Hautfarbe zu kennen, ohne Sicht auf Herkunft und Religion. Blind eben und somit gerechter, als je eine Instanz sein könnte. Solche Menschen gibt es nur sehr wenige, solche Journalisten schon gleich gar nicht mehr, jedenfalls will mir keiner einfallen.

Den Frieden zwischen den Kulturen und verschiedenen Völkern, möge Scholl-Latour ihn dort finden, wo er jetzt vielleicht darüber diskutiert, wie unglaublich blind unsere Politik sich ständig verhält, warum sie nicht begreift, doch greifen will, was nicht zu fassen ist, ohne Menschlichkeit und Sprache, auf Wolke 7 …

©denise-a. langner-urso

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