Sistrix und Pagerank – Zahlen als Sklaventreiber?

Massenmedien und viele Blogger leben von Werbeeinnahmen. Und die Werbebranche nutzt das schamlos aus, weil sie speziell bei Massenmedien weiß, was Einnamen bei sinkenden Leserzahlen bewirken, weil sie weiß, dass oft durch Paid-Content Leser abgeschreckt werden. Und die Werbebranche versucht auch Blogs auszunutzen, indem sie ihnen quasi unterstellt, sie wüssten nicht, wie man Artikel ordentlich bekannt macht, wie man Content an interessierte Leser bringt.

Deutlich wird das auf jenen Portalen, die zwischen Werber und Seiteninhaber vermitteln, denn dort gilt die Sistrix als Wundermittel um herauszufinden, und zwar vorab, wie oft in der Zukunft ein Artikel gelesen wird, weil man meint, je höher die wöchentliche Sistrix, desto mehr Leser. Trugschluss, liebe Leute, denn bisher kann noch niemand in die Zukunft schauen, niemand erahnen, wie sich innerhalb einer Woche ein Blog oder anderes Werbemedium entwickelt. Doch genau von der am letzten Sonntag erfassten Sistrix macht man abhängig, ob ein Blog überhaupt Aufträge erhält. Mal also darf sich ein Medium auf mehr, mal auf weniger Aufträge bewerben. Was für ein Unfug!

Nehmen wir einmal eine Autoseite so ist für jeden Deppen klar, dass dort vermutlich niemand nach Katzenartikeln suchen wird. Soweit so gut. Doch was ist eigentlich mit Medien, die eben über mehr berichten, dort ist die Wahrscheinlichkeit massiv erhöht, schon weil die Autoren natürlich ein Interesse daran haben, dass jeder neue Artikel auch gelesen wird, weil er weiß, zwar werden sich jene Leser nicht melden, besser lesen, die schon immer nur auf Sportartikel abfuhren, dafür jedoch schauen all jene vorbei, die eben nicht im Sportteil ihr Glück finden. Sprich, je nach Rubrik schwanken die Leserzahlen.

Und ich sollte als Werbefachmann auch wissen, dass Leser nicht so blöd sind um zu erkennen, dass ein Artikel der Marke Auto, den ein begeisterter „Unser Autor“ angeblich so doll lieb hat, eben nichts anders als ein bezahlter Werbeartikel ist, der mindestens so gut verlinkt wird, wie man ansonsten seine ungekauften politischen Artikel zu verlinken pflegt, im Gegenteil, da man das beste für seinen Kunden tun möchte, wird man ihn eher besser und mehr verlinken um Leser für ihn zu gewinnen. Ist jedenfalls meine Art und Weise, so Kunden zu behandeln.

Clevere Marketingstrategen suchen anders, informieren sich

Werbekunden, die also halbwegs ihr Hirn einschalten, werden den Teufel tun, auf irgendeine Sistrix zu achten, von der neuerdings eine komplette Branche sich ihr Auskommen meint sichern und Kunden anderer zu unsinnigen Ausgaben verleiten zu müssen. Und ich behaupte, man muss nicht jeden Unfug mitmachen, anders gesagt – Scheiß auf die Sistrix, wenn du weißt, dass du generell das beste für deinen Werbekunden tust, dass du am besten weißt, wo und wie du seinen Auftrag an den Mann bringen musst, sprich, wie deine Arbeit auszuschauen hat, damit deine Artikel auch gelesen werden, und sei dir sicher, deine Kunden wissen das auch, wenn sie deinen Namen einfach nur googlen und etwas Interesse an deiner Arbeit und an deinem Auftritt haben, wenn sie ein oder zwei deiner Artikel gelesen haben.

Den Eigenständigkeitswert kann man nicht durch Sistrix messen

Und auf die, die dann sich beschweren, weil sie sich nicht informiert haben, weil sie meinen, du schreibst, weil deine Sistrix voll durchoptimiert ist, Jubelartikel, auf die kannst du getrost pfeifen, sprich Rückgrat zeigen und lieber noch nach Auftragserledigung bei Nichtabnahme auf Vermittlungsportalen dadurch abstrafen, dass Du anstatt nachzuarbeiten und dich zum Sklaven machen zu lassen, ihre Links zu entfernen. Dadurch belohnst du dich und deine Arbeit mehr, als dass du verlierst, denn es ist dein Seitenauftritt, dein Inhalt, und du weißt am besten, was deine leser mögen, wie du sie ansprechen musst um sie zu erreichen. Und wenn du keine Aufträge annehmen kannst, weil eine Vermittlungsplattform das durch gewisse Scoringmechanismen verhindert, so verliert eher der Vermittler verliert dessen Auftraggeber, der vielleicht genau so eine Seite sehr passend finden würde, selber aber derweil zu sehr Sklave gewisser Sistrixzahlen ist.

Die Webseite als eigenständige Persönlichkeit

Und höre und staune, man glaubt es kaum, pfiffige Werbeunternehmen finden irgendwann von ganz alleine zu dir, weil sie erkennen, dass deine Einzigartigkeit ihnen genau zuzüglich den Leser vermittelt, den er ansonsten anderswo nicht berücksichtigen würde, der aber auch Kunde sein könnte. Und genau das kann den entscheidenden Unterschied erfolgreicher Unternehmen ausmachen und Werbeplatzierung ausmachen, diese komische Zahl zu ignorieren, die uns gewisse Unternehmen zur Werbeoptimierung als Allheilmittel auf mehr oder weniger angeblich wertvollen Seiten verkaufen wollen.

Wodurch sie selber ja unerhörte Einnahmen machen, andere aber wie eben die Werbebranche eigentlich schädigen, weil die ihre Kunden nicht da abholen können, wohin sie sich verzogen haben, nämlich von alten Massenmedien weg, denen sie immer weniger vertrauen zu neuen Medien oder weil sie eben erst dort jene Beschreibung finden, die sie aufmerksam werden lässt. Wie gesagt, lasst euch nicht kirre machen, etwas teures andrehen, meist dient es der Geldbörse der anderen und ihr habt das nachsehen dadurch, dass eure Seite ihre Persönlichkeit verliert, und damit verliert ihr eure Bestandskunden, die genau wegen dieser bei euch zu Besuch waren.

Laufkundschaft vs Stammkundschaft

Und ja, wer seine Werbung gut verkaufen will, der sucht nach „Persönlichkeiten“ und nicht nach Zahlen. Und diese Eigenständigkeit hat einen wesentlich höheren Marktwert als gewisse Seo Unternehmen uns meinen als Sistrix verkaufen zu müssen. Denn Massenware und Massenpublikum kann jeder, ist deshalb aber nicht mehr gleich Klasse, weil immer öfter als unglaubwürdig abgetan. Und irgendwann werden die Vermittler das immer schneller zu spüren bekommen.

Vermittler bringen Webseiten und Blogs allenfalls Laufkundschaft, intelligente Werbestrategen bilden im Internet die Stammkundschaft. Dabei unterscheidet sich das Internet nicht von Reallife! Für ein gutes Restaurant nehmen Menschen weite Wege in Kauf, oft bis an den Stadtrand, per Mundpropaganda spricht sich Qualität rum. Hinzu kommen jene, die so ein Restaurant immer schon in der eigenen Umgebung kannten. Man bekommt dort eher selten sofort einen Sitzplatz oder Tisch. Und ja, wie im realen leben dauert es auch im Internet an die 5 Jahre, bis man sich einen Ruf erarbeitet hat.

Auch in diesem Punkt unterscheiden sich also Online- und Normalwirtschaft kaum voneinander. Und dieses Durchhaltevermögen braucht es, und für die Stammkundschaft kocht man auch gerne Extrasüppchen, derweil es einem beim Laufkunden irgendwann egal ist, meckert dieser zu viel, wird er oft auch so bedient, weil den sieht man eher selten wieder, denn den Umsatz bringen einem die, die gewisse Qualitäten immer schon zu schätzen wussten, die immer wieder erscheinen, die man Jahre bedient hat, die man kennt.

Ich hoffe, man hat verstanden, was ich sagen will, wer sich selber zu schätzen weiß, wer entsprechende Rückmeldungen erhält, der kennt seine Stärken – auch online und der fällt auf die Sistrix nicht lange herein und macht sich zum Sklaven einer Zahl.

©denise-a. langner-urso

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