Soziale Medien und Demonstrationen, die Stimmungsbörse

 

Man kann soziale Medien mit der Börse vergleichen, auch da geht es mal heftiger und mal ruhiger zu, auch an der Börse kommt es immer zu heftigen Ausschlägen in die eine oder andere Richtung und es braucht für beides gute Nerven.

Wie Kapitalanlagen wird in sozialen Medien quasi hinzu- oder verkauft, werden Gewinne oder Verluste gemacht, wenn man an Follower oder angebliche Freunde nennt, und wie an der Börse setzt man in sozialen Medien eher darauf, dass das Portfolio halbwegs ausgeglichen zusammengesetzt ist. Beides ist genau zu beobachten, damit es sich nicht zum Verlustgeschäft wird.

Ähnlich geht es auf Demonstrationen zu, die im besten Fall friedlich enden und nicht spalten. Mehrheiten wird man aber weder anhand von Demonstrationen noch in sozialen Medien finden, wenn man nicht genauer hinschaut, denn es sind ja nur momentane Abbilder bestimmter Gruppen und Meinungen, und ob 1000sende das ausdrücken, was eine tatsächliche Mehrheit zum gleichen Thema denkt, das kann man daran eher nicht erkennen, und nirgendwo wird das derzeit deutlicher sichtbar, als beim Thema Auto. In dem Bereich werden derzeit nämlich unglaublich viele Themen miteinander vermischt und diskutiert, wie übrigens auch beim Brexit, bei dem sich erst über Jahre wirklich herauskristallisiert hat, was die Folgen sind, auch für die Wirtschaft, und an der hängt eben mehr als nur Kurzfristigkeit.

Derzeit also geht es um Umweltschutz und um Schadstoffe und das Thema wird so gut wie nur noch an Autos, noch schlimmer, an einem Fahrzeugantrieb geführt, und an der Kohle, und alles was derzeit noch als Argument kommt ist dass es keine neuen Erkenntnisse gibt, und dass sich die Diskussion immer mehr verhärtet hat und zwei Seiten stur auf ihrem Standpunkt beherrscht und nach dem Motto: Kinder an die Macht kämpft, weil wenn nicht Kinder, wer soll es denn sonst machen, und daran, dass diese Kinder die Folgen werden tragen müssen, daran denkt niemand.

Und man darf mich gerne prügeln, aber wer dauerhaft einen schulpflichtigen Tag zum Demonstrationstag erklären will und dazu aufruft, daran teilzunehmen, der ruft, so viel Ehrlichkeit muss auch sein, offen dazu auf, einen Rechtsbruch zu begehen, auch darüber muss einmal geredet werden, auch, wenn die eine Seite das nicht gerne hören wird. Das soll es aber auch schon sein, was ich dazu sagen will.

Mehrheiten durch mehr Abstimmungen erfragen, bitte

Sind also tausende von Menschen die protestieren, die Mehrheit im Fall des Kohleausstieg? Findet sich die Mehrheit für oder gegen ein Tempolimit oder gar der Kohle in sozialen Medien? Haben die Menschen überhaupt wie beim Brexit verstanden, welche Auswirkungen bestimmte Dinge haben? Ich denke nein, denke aber auch, zumindest an Teilen der Debatte könnte man das über eine Befragung herausfinden, am Tempolimit nämlich.

Da wird nämlich niemand wirklich völlig enteignet, dadurch fällt auch nicht der Wert von oft über Jahre finanzierten Eigentums, beim Tempolimit sind viel mehr Menschen involviert, nämlich auch Radfahrer und Fußgänger. Und wo Herr Scheuer vorschnell sagt, und die Bundesregierung auch, das sei nicht zu verkaufen, da behaupte ich, sogar ich als Autofahrerin bin mir da nicht so sicher, an diesem Punkt sollte man wirklich abstimmen lassen, denn in diesem Fall ist die Lage eindeutig: je höher die Geschwindigkeit, umso höher auch der Schaden.

Ich zum Beispiel habe derweil meine Timeline ständig nach Börsenmanier umsortiert, weil man ansonsten tatsächlich in einer Blase landet, einfach, weil ich ebenso wie Herr Habeck bemerke, wie sehr soziale Medien dazu führen können, dass man aggressiver reagiert, weil man in Follower investiert hat, die sich oftmals an Themen festbeißen und überhaupt keine Gegenargumente mehr gelten lassen, als das eigene, die ununterbrochen und nur auf ein oder zwei Themenbereiche eingefahren sind. Vielfalt schaut aber anders auch, Vielfalt braucht Kompromisse und die brauchen Diplomatie, und auch das gibt es in sozialen Medien, Mitmenschen, mit denen man lange reden kann ohne dass die eigene Blase explodiert und einem irgendwas mit rechts oder links um die Ohren ballert, derweil man selber um Ausgewogenheit bemüht ist.

Diplomatie und Ausgewogenheit statt Verbortheit

Anders, es braucht mehr Diplomaten in sozialen Medien und dem Umfeld, das man sich aufbaut, man muss mehr als einmal nachdenken, sich auch anhören, ob es zum Thema andere Meinungen gibt. Wissenschaft schreitet fort, manche Dinge werden später revidiert, doch speziell im Bereich schädigender Umweltstoffe hört man immer öfter Basta, ist so, war so, ändert sich nicht. Den Vogel abgeschossen hat zuletzt Frau Baerbock, die bewies, dass sie überhaupt keine Ahnung hatte, wie das Fahrverbot für Diesel sich auf Stuttgart auswirkt, wer da betroffen ist, und die es eigentlich auch nicht wissen wollte, Hauptsache das Fahrverbot wird nicht angetastet.

Herr Habeck hat sich aus Twitter komplett verabschiedet, was irgendwie auch kindisch wirkt, denn damit blockt man jede Kommunikation total ab, zieht sich in die politische Blase zurück, wo man am ehesten von Menschen umgeben ist, die die eigene Meinung vertreten. Und ich frage mich, wen er denn tatsächlich im realen Leben trifft, wenn er am Wahlkampftisch steht, doch sicher eher weniger Mitbürger, die mit ihm diskutieren wollen, eher doch auch wieder mehr Menschen, die seiner Meinung folgen.

Und ja, derweil stehen laut Umfragen die Grünen irgendwo bei 20%. Aber selbst 20% der Bevölkerung bilden keine Mehrheit, so, wie eben auch die irgendwo um 13% der AfD nicht Das Volk oder gar die Mehrheit sind, so, wie tausende Demonstranten am letzten Freitag kaum die Mehrheit der Bevölkerung abbilden.

Eins aber schaffen beide Parteien, sie verstehen, wie man unglaublich Aufmerksamkeit generiert, weil in beiden Fällen, auch weil im Verbund mit Protesten, die Medien Themen aufgreifen, die ansonsten eher kaum bemerkt würden und sie so befeuern, oft ebenfalls mit Umfragen zum aktuellen Thema verbunden, und hier gibt es immer öfter den Vorteil, dass Pro und Contra nebeneinander diskutiert werden.

Ehrlichkeit geht anders

Da wird dann auch berichtet, worüber Parteimitglieder nicht gerne reden, welche Schäden nämlich Produkte wie das E-Auto oder die Rotorblätter von Windrädern an Schadstoffen während der Produktion verursachen, welche Probleme es bei der Beschaffung von Stoffen in anderen Teilen der Welt sind, dass sie dort eben von Kindern abgebaut werden, wie schwer ihre Entsorgung ist, wie teuer, dass dafür manchmal die Infrastruktur überhaupt nicht vorhanden ist, wie es für Atommüll eben noch kein Endlager gibt.

Ehrliche Politik geht aber anders, dazu gehört auch, was es den Endverbraucher kosten wird. Ehrliche Politik muss langfristig tragbar sein, ehrliche Politik informiert auch über Risiken und Nebenwirkungen und das wird immer öfter ausgeblendet, und welche Lobbyisten man selber bedient, woher Spenden kommen, das übrigens auch. Da sind die Grünen nicht besser als jede andere Partei, sie sind nur im Resultat derzeit lauter, nutzen andere Mittel, nämlich den guten alten Straßenkampf, der sich bereits im Bereich Atomkraft bewährt hat.

Wer aber nicht in einer Blase enden will, der muss anders vorgehen, der muss sich andere Meinungen anhören, der muss auch viel mehr Menschen befragen, als zu Demonstrationen gehen, der muss dann auch den Mut haben zu sagen, was das angepriesene Produkt tatsächlich für Auswirkungen hat. Man kann nicht E-Mobilität fordern und dabei Kinderarbeit im Kongo verschweigen, wenn es einem angeblich doch um die zukünftige Generationen geht, gleichzeitig mit Kindern hier für eine saubere Umwelt protestieren, derweil man die Gefahren für Kinder anderswo verschweigt, wenn nur das Produkt stimmt, das man einführen und verkaufen will.

Sozialverträglich und nachhaltig

Die Grünen haben sich im Eiltempo zu einer Partei entwickelt, die das Große Ganze aus den Augen verloren hat und soziale Folgen nicht mehr mitzudenken und zu sehen scheint. Das beweist sich am besten in Berlin. Nichts, gar nichts ist wahnsinniger, als nicht gegen die Linke zu sprechen, wenn sie von Enteignung spricht, und Wohungsbau quasi nach sonst wann verschoben wird.

Nichts ist wahnsinniger, als wenn man für Radwege Bäume fällt, wo bereits Radwege vorhanden sind, auch dafür gibt es genug Beispiele in der Hauptstadt. Und wenn gebaut wird, so sehe ich nirgendwo Ansätze, überhaupt einmal das Thema Vertical Forests an zudenken, um die Stadt lebenswerter und grüner zu gestalten und so etwas zum Filtern von Schadstoffen beizutragen.

Es bricht aber umgehend Empörung aus, wenn hier Autobesitzer ihre Fahrzeuge verkaufen, und diese anderswo das tun, was sie hier nicht mehr sollen, nämlich die Umwelt belasten, derweil ansonsten Nachhaltigkeit propagiert wird, und was ist wohl nachhaltiger, als Dinge zu hegen und pflegen, und nicht wegzuwerfen, nicht ununterbrochen Müll zu produzieren?

Was mir fehlt, ist eine Debatte darüber, was umweltfreundlicher ist, immer rasanter Neues zu kaufen und zu produzieren, wobei immer Ressourcen verbraucht werden müssen, statt Dinge erst zu entsorgen, wenn sie tatsächlich kaputt sind, speziell bei so großen Dingen, die mit so massivem Energieaufwand gebaut werden, wie eben Autos.

Ich halte das derzeitige Vorgehen, wenige Jahre alte Dinge entsorgen zu wollen und für unbrauchbar zu erklären und zu ersetzen, für wesentlich umweltschädigender, als das selbe Modell irgendwann einfach nicht mehr zuzulassen. Ich werfe ja auch meinen völlig funktionstüchtigen, uralten Staubsauger nicht weg, nur weil es derweil welche gibt, die mit AAA+++ werben. Aber wenn ich irgendwann einen neuen Helfer brauche, dann kann ich eben mein altes Modell nicht mehr erwerben. So handhabe ich es übrigens mit vielen Dingen, auch mit alten Glühbirnen. Was funktioniert wird ausgewechselt, wenn es kaputt ist und keinen Tag vorher.

Mir ist derweil grün zu übergriffig, zu schnell, alles soll immer sofort und übers Knie gebrochen passieren, ja so sage ich das jetzt, geworden, zu teuer, denn was man einerseits spart, wird einem andererseits durch Preissteigerungen genommen, wenn Dinge nicht massentauglich und ausgereift sind, denn erst dann sind sie für die Mehrheit sozialverträglich und bezahlbar.

Und wenn die Grünen noch ein echtes Problem suchen, ich habe eins: Alkohol, nur da trauen sich nicht einmal die Grünen ran, derweil man hier tatsächlich belegbare, nachvollziehbare Schäden und wirtschaftlichen Schaden an Leib und Leben hat, nicht nur im eigenen Umfeld …

Neuwahlen? Nein Danke

Ich möchte schlicht und einfach von Parteien regiert werden, die so etwas wie die tatsächliche Mitte suchen, die versuchen auszuloten, was tatsächlich mehrheitsfähig und sozial ist. Und da haben die Grünen sich derweil völlig aus dem Rennen katapultiert und ich bin heilfroh, dass die FDP den Abgang gemacht hat.

Aber auch R2G ist für mich außen vor, ich sehe ja täglich, was in Berlin passiert, und frage mich übrigens immer öfter, wie es denn sein kann, dass die in einer Koalition größte Partei sich von anderen Parteien vor sich hertreiben lassen kann, derweil ich den Eindruck bekomme, dass die Union im Bund die SPD derweil besser im Griff hat und sich endlich Ruhe eingestellt hat.

Nein, ich will derzeit keine Neuwahlen, ich möchte einfach derzeit nicht, dass die Grünen mitregieren, ich denke, das würde zu noch tieferer Spaltung der Bevölkerung führen, als ohnehin schon. Dazu hat die Union noch nicht genug an neuem Rückhalt und Stärke zurückgewonnen. Ich bevorzuge Regierungen, die in längeren Zeiträumen denken, bei den Grünen gewinne ich aber immer mehr den Eindruck, je stärker der Zuspruch, je radikaler, je mehr Spaltung auch in der Bevölkerung, und da reicht die Spaltung, die die AfD mit sich bringt vollkommen aus. Nein, ich konzentriere mich nicht auf kurzfristige Ausschläge von Meinungen von rechts oder links, nach oben oder unten, wie an der Börse, ich will die Mitte dazwischen, und so sortiere ich demnächst in den sozialen Medien noch schneller um und aus und neu als je zuvor.

©denise-a. langner-urso

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