Von Akustik und Lärmbelästigung

Erinnern Sie sich noch an die Beschallungsaffäre in der Bundesliga? Dabei wurden Anlagen aufgebaut, die gegnerische Fangesänge übertönen sollten. Das Verfahren allerdings verlief damals im Sande, kein Fan zu Schaden gekommen, Verfahren eingestellt. Man kann also mit gewissen Frequenzen menschliche Stimmen unhörbar machen, besser, es versuchen. Eine sinnvolle Technik wird dabei missbraucht.

Denken wir nur einmal an Open-Air Konzerte, an den letzten Ausflug in einen Konzertsaal, eine Oper, gar an Redner im Bundestag, so wird hingegen schnell deutlich, wozu die Beschallung dient, dazu nämlich, dass ein Hörerlebnis entsteht, man einem Redner noch in der hintersten Reihe eines Vorlesungssaales an einer beliebigen Universität folgen kann, obwohl dieser Raum sehr groß ist.

Kein Redner könnte so laut sprechen, zumindest, wenn er nicht schreien will, dass man ihn ansonsten deutlich im Bundestag zum Beispiel hören würde. Zugegeben, manchmal würde man solche Rede gerne abstellen, aber dafür gibt es ja die Fernschaltung am Fernsehgerät. Und ja, auch im Bundestag gibt es solche Knöpfe, wenn ein Sprecher partout seine Redezeit nicht einhalten will. Das nur am Rande bemerkt.

Raumakustik begegnet uns im Leben ständig, oft, ohne dass wir es wahrnehmen. Man denke an den letzten Einkauf im Supermarkt, die psychologisch eingesetzte Musik, die uns zum Kaufen anregen soll, an die Durchsagen, wenn eine Kassiererin abgelöst werden möchte. Die Polizei setzt Flüstertüten und Lautsprecherwagen ein, und welch lustige Dinge passieren, wenn das Mikrofon während einer Nachrichtensendung ausfällt, das haben wir alle schon einmal erlebt. Dann bricht Verwirrung aus.

Beschallung kann aber auch zu gesundheitlichen Schäden führen, darüber gibt es diverse Studien. Nicht umsonst gibt es in Wohngebieten nächtliche Tempo 30 Zonen, wird derzeit in Berlin, wo der BER ganz großes Thema ist, über Lärmschutz und Nachtflugverbote diskutiert. Oft beschweren sich Anwohner von Gaststätten über Lärmbelästigung. Um Schäden zu verhindern, gibt es deshalb unzählige Gesetze, von denen eines, das wir mit Lärmschutz vielleicht gar nicht mehr in Verbindung bringen, die Einhaltung der Nachtruhe in Wohnhäusern ist. Denken wir einmal an Hotels in Flughafennähe.

©Lilo Kapp  / pixelio.de

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Was einerseits also Segen, wird oft zum Fluch. In Opernhäusern zum Beispiel ist eine gute Raumakustik wertvoller Begleiter, wenn man Stimmen in all ihren Tonlagen auskosten, von jedem Sitz aus eine gute Klangqualität erreichen will. Ebenso macht Beschallung Sinn in Kinosälen, wo der Betreiber einen Rundumeffekt erzielen will.

Lärm hingegen macht dauerhaft krank, führt zum Beispiel zu Schlafstörungen. Und wer schläft nicht gerne bei offenen Fenstern, speziell in lauen Sommernächten? In abgelegenen Gegenden kann man dort noch heute die Natur atmen hören. Hier eine Nachtigall, da ein Frosch, und dann das Plätschern von Wasser, das Rauschen der Bäume.

Wenn Sie also demnächst wieder einmal mit offenen Fenstern und aufgedrehter Musikanlage meinen, nachts durch eine Wohnsiedlung rasen zu müssen, dann stellen Sie sich einfach vor, sie lägen dort und wollten das Flüstern der wenigen ruhigen Nachtstunden genießen, dem Atmen der schlafenden Stadt lauschen, oder einfach erfahren, wie es ist, vielleicht doch einmal ein Tier zu belauschen, das es eigentlich in unseren lauten Städten gar nicht geben dürfte …

©denise-a. langner-urso

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