Wie die DSGVO die Bildungsmisere verschärfen könnte

 

Es wird ja viel von Bildung geredet, und wer davon wo ausgeschlossen ist, wer nicht teilhaben kann an dem, was Gesellschaft bedeutet und wie sehr Kinder aus bildungsfernen Familien benachteiligt werden, worauf sie verzichten müssen. Da mangelt es, weil alles und jedes bezahlt werden muss oft an Museumsbesuchen und, und, und. Besonders betroffen sind Kinder aus Hartz IV Familien, über Armut und deren Folgen wird ununterbrochen irgendwo diskutiert.

Die DSGVO ist ein Segen, so verteidigen es jene, die dieses Monster aus teilweise unendlich bürokratischem Irrsinn geschaffen haben, doch deren Folgen haben sie überhaupt nicht im Visier.

Zuerst hat das Handelsblatt Bezahlschranken hochgezogen, und ja, da mag ja die Frage durchaus berechtigt sein, was das mit der DSGVO und Bildung überhaupt zu tun haben soll, wer sich aber mit der Materie befasst, dem wird schnell klar, wo die Zusammenhänge sind. Du willst dich bilden, lesen, fortbilden? Dann zahl gefälligst dafür, weil wir, die wir hier an unsere Aktionäre und Besitzer denken müssen, haben schließlich eine Verantwortung, dass die auch weiterhin gut bedient werden, wenn es um Ausschüttungen oder Verdienstmöglichkeiten geht, und da darf partout sich nichts ändern, und weil zuzügliches Personal im Zusammenhang mit dieser neuen Verordnung genannt DSVGO nun eben mal Geld kostet, tut es uns traurig, aber wenn du weiterhin bei uns lesen und dich bilden willst, dann zahle gefälligst dafür. Das Handelsblatt nehme ich hier als Beispiel, weil es derzeit das erste Erzeugnis ist, das derart gehandelt hat, und über das ich gestolpert bin. Kostenlose Bildung für ohnehin Benachteiligte, das geht ja mal gar nicht. Dass es in der Verordnung ein Kopplungsverbot gibt, das ignorieren wir einfach einmal …auch wir hier, beim Handelsblatt. Offensichtlicher könnte es kaum sein. Plump ist es auch, was das Medium da gerade tut.

Über Datensicherheit wird derzeit ja auch viel geredet, sei es nun in den Parteien oder anderswo, und genau dafür soll die DSGVO ja gut sein. Wie verflucht nochmal kann es dann aber sein, dass genau die, die ununterbrochen Datensicherheit rufen und die DSGVO geschaffen haben, ihre Anhänger, Nutzer, Follower, dazu auffordern, ihnen auf Facebook zu folgen?

Ich glaub, ich bin im falschen Film, genau das Netzwerk sollte derzeit massenweise verlassen werden, denn was Facebook derzeit tut, nämlich Nutzung seines Dienstes gegen Gesichtserkennung tauschen zu wollen, das geht auf keine Kuhhaut, das sollte jeden empören, und doch tummeln sich da noch immer alle Parteien und Medien. Sagt mal, seid ihr noch ganz dicht? Wer DSGVO für alle EU-Bürger durchsetzt und so etwas gleichzeitig nutzt und sie genau dorthin zum Folgen aufruft, der ist echt nicht ganz dicht, der hat tatsächlich mehr als nur eine Schraube locker. Wie schizophren ist das eigentlich?

Gleichzeitig fällt heute, als die DSGVO in Kraft ist, Herrn Albrecht ein, dass man die Menschen ja hätte besser informieren können, und man glaubt es kaum, aber auch dieser Herr hat einen Facebookaccount. Sorry, aber ich bin verwirrt … und ich kann diesen Herrn einfach nicht ernst nehmen, tut mir leid. Entweder Datenschutz oder Facebook, der Herr nimmt es doch offensichtlich auch nicht so genau, und die Sicherheit jener, die ihm neu oder bisher dort folgten, scheint ihm bisher zumindest, doch eher kaum zu interessieren, sonst würde er genau dahin keine Follower lassen, sie vor diesem Netzwerk gewarnt haben oder spätestens jetzt warnen, spätestens nach dem unfassbar in die Hose gegangenen Auftritt von Herrn Zuckerberg bei der EU.

Ihr wollt also wissen, wie Marktwirtschaft geht, jedenfalls, wie sie bis heute funktioniert? Dann mal eben auf jene Medien geschaut, die jetzt in den USA den Zugang europäischer Nutzer blocken, man kann allerdings auch alleine darauf schielen, wie es das Handelsblatt macht- friss oder stierb, zahle und zwar gefälligst in Geld und zuzüglich mit deinen Daten. Und wen das trifft, das ist wohl klar, nämlich nicht die, die sich alles leisten können, und auch bestimmt nicht die, die schon immer wussten, wie man verantwortlich mit seinen Daten umgeht, die nie jeden Newsletter blind sich ahben senden lassen, die die wussten und ahnten, was Facebook treibt, und was unausgereifte Produkte, wie Alexa verursachen können. Dieses Gesetz trifft eher jene, die aus Unwissen und wegen fehlender Bildung jeden Mist mitmachen wollen, weil ja alles kostenlos sein muss, weil eben es schick ist, sich da aufzuhalten, wo auch alle ihre Stars und Sternchen sind. Weil man eben online sein wollte, koste es was es wolle, um jeden Preis, weil das Teilhabe vermittelte, weil der neuste Schrottfernseher der sie ausspioniert, eben auch beim gut verdienenden Nachbarn steht, und weil man dadurch zumindest den Schein meint wahren zu können, so arm und ungebildet sei man ja dann doch nicht.

Nur, genau um diese Menschen hätte es gehen müssen, die hätte man schützen müssen, vor sich selbst und vor den großen Datenkraken, doch genau da lockt man sie hin unter derzeit noch weitaus mieseren Bedingungen, derweil man sie davor schützt, dass beim kostenlosen Fußballturnier der Verein sich nicht mehr traut Siegerfotos ins Netz zu stellen. Ganz ehrlich?

Ich sage dazu und zu dem, wie gewisse Seiten jetzt versuchen Menschen zahlen zu lassen und ihnen um ihrer Aktionäre und Besitzer willen Geld aus der Tasche zu ziehen und auszusperren: Fail. Ihr trefft gerade wieder die Falschen, ob ihr das nun verstehen wollt oder nicht. Wobei, wer so gut verdient, wie EU Parlamentarier, der kann was ich beschreibe, glaube ich, überhaupt nicht verstehen, dem tun hier und da ein paar Euro für Abos kaum weh, wenn er nicht ohnehin gewisse Privilegien, nämlich gewisse Angebote umsonst zu nutzen, hat.

©denise-a. langner-urso

Wie nützlich ist dieser Artikel?

Bitte bewerte diesen Artikel