Wulff – Frühlingsmode in Bellevue, „Stahlhelm“ …?

Der Bundespräsident wähnt sich unter Beschuss und im Schützengraben des 1. Weltkriegs, denn ein Stahlgewitter geht nieder über Schloss Bellevue. So, so.

Jeden anderen Menschen, der so wirr schwurbelte und das noch vor Angestellten täte, man würde ihm dringend raten, sich in ärztliche Hilfe zu begeben, aber es ist ja nicht Irgendjemand, es spricht der Bundespräsident.

So kann man natürlich auch auf seine Bildung verweisen, wobei man sich dann doch als Betrachter fragen muss, ob es sich nicht eher um Pseudobildung handeln mag, denn unter einer gebildeten Persönlichkeit versteht man im Allgemeinen dann auch eine Persönlichkeit, die eine gewisse Sprachkultur besitzt und solche Metaphern aus dem Sprachgebrauch der Kriegsführung eher nicht wählt, wie der Bundespräsident sie immer häufiger anwendet.

Das ist auch aus psychologischer Sicht verheerend, denn was sollen Mitarbeiter denken, die mit Kriegsrhetorik auf ein Jahr unter Beschuss eingeschworen werden?

Der Präsident hat, so er sein Amt ernst nimmt und es richtig versteht, nur das Wort, die Rede, um in Erinnerung zu bleiben, um dem Amt Fülle zu geben, und einen „Kriegsphrasenpräsidenten“, den hatten wir wirklich noch nicht.

Man sagt zwar stets, die Feder sei schärfer als das Schwert, aber wenn der Bundespräsident Presseberichte neuerdings – ja womit eigentlich – Bombenhagel oder ähnlichem vergleicht, so ist das weder eine Stilblüte noch anderweitig vertretbar.

Und zudem, die Schützengräben, in denen der Präsident sich wähnt, gehen wir einmal davon aus, er bezog sich tatsächlich auf das Ernst Jünger Buch „In Stahlgewittern“, befanden sich an der Westfront im ersten Weltkrieg ( Berlin liegt eher östlich in Richtung Ostfront des zweiten Weltkrieges), und alleine schon seine eigenen Gefühle mit denen der Millionen Gefallenen Soldaten auf allen Seiten in Weltkriegen zu vergleichen ist eine Herabsetzung der Gefallenen, eine Entwürdigung, es ist schlicht fehl am Platze, niemand kann nachfühlen, darf sich anmaßen zu behaupten, er sei ebenso betroffen, fühlte gerade und durchlebte gar, was diese Menschen und ihre Angehörigen durchleiden mussten.

Auf der anderen Seite aber ist Stahlgewitter eine deutsche Band der rechten Szene, und ein musikalisches Stahlgewitter wird der Präsident ja wohl eher nicht gemeint haben, es wäre verheerend, tönte solche Musik durch das Schloss, und das noch ein Jahr lang, wie der Präsident andeutete.

In Berlin vor dem Bellevue fliesst derweil ruhig der Verkehr, kein Schützengraben weit und breit und auch war in den letzten Tagen eher kein Fliegeralarm zu vernehmen, Demonstranten wären sonst sicher nicht vor dem Schloss aufmarschiert.

Aber ein Gutes mag das haben, die Rüstungsindustrie, die ja bekanntlich recht verbunden ist mit der derzeitigen Regierung wird sich sicher freuen, ginge eine Bestellung für Stahlhelme aus dem „umkämpften“ Präsidentenpalast ein, von ein paar Abwehrraketen und Kampfhubschraubern einmal ganz abgesehen, und sicher wäre man dort auch froh, demnächst eine Bestellung für ein Spree-U-Boot entgegennehmen zu dürfen, denn man weiß ja nie, womit der Präsident vielleicht zurückzuschießen gedenkt am Morgen nach einem unliebsamen Pressebericht um 5.45 Uhr. …

 

©denise-a. langner-urso

 

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