Berliner Wahlkampf: Letzter Aufruf für Fluggast FDP

Bitte melden Sie sich am Abflugschalter 18, ihr Sinkflug nach Fast Drei Prozent ist startbereit. So oder so ähnlich lauten die Prognosen derzeit für die Berliner FDP. Verwunderlich ist es nur, dass Merkels Blinddarm Allmachtsphantasien hat, wirbt sie doch mit Plakaten wie dem nebenstehenden.

Rot-Rot so die Botschaft sei man mit der FDP im Parlament los. Gemeint sind die SPD und die Die Linke.

Man fragt sich als Mitdenker, welche unprofessionelle Werbeagenturgentur von der FDP beschäftigt wird, denn speziell in Berlin kam es wegen der Wahlkampagne dieser Partei immer wieder zu massiven Protesten. Vielleicht sollte man demnächst jemanden beauftragen, der sich mit sowas auskennt. …

Bei Werbekampagnen ist auch die Wahl des Standortes wichtig, sonst kann man sein Geld ja gleich durch den Kamin entsorgen, aber von der FDP kennen wir das ja nicht anders. So unprofessionell sie sich in der Regierung verhält, so auch ihre Werbekampagne, wen wundert das noch?

Zurück zur Aussage betreffend der Entsorgung von SPD und Die Linke. Das Plakat steht an der Stadtgrenze der B96 und verabschiedet quasi jene, die gerade Berlin mehr oder weniger fluchtartig verlassen, die eher nicht an der Berlinwahl teilnehmen. Der Effekt dürfte also somit gegen Null tendieren, auch wenn Berliner ja häufig im Umland wohnen und pendeln.

Was aber schließt der Wähler wohl aus der Aussage? Allmachtsphantasien. Vermutlich ist die FDP derweil so verwirrt, dass sie an die absolute Mehrheit glaubt. Aber wir wissen auch, die FDP der Stadt zielt ja ab auf eine Koalition mit der hier äusserst rechtslastigen CDU unter ihrem populistischen Führer Frank Henkel, der wohl am Wahltag eher „Fränkies Mondfahrt“ denn die Reise in den Sessel des Regierenden antreten wird.

Die FDP hat sich quasi alleine durch ihre fehlgeleitete Werbekampagne derweil selbst aus dem Rennen geschossen, zu viele Wähler hat sie verärgert, ganze Berufsgruppen verunglimpft, auch durch die tölpelhafte Standortwahl der Großplakate. Da ist einmal die Aussage „Was tut das Ordnungsamt gegen Schmierereien und Hundehaufen? Nichts. Weil es lieber Knöllchen schreibt“. Der Auftraggeber des Plakater ist Martin Lindner, der einst den Bezirksverband Steglitz-Zehlendorf führte und sich bereits 2007 als Fraktionschef mit fast gleicher Frage mit dem Ordnungsamt Tempelhof-Schöneberg anlegte.

Auch mit den Hebammen legte sich die FDP an, und adelte das Gymnasium, indem sie es zur besten aller Bildungsmöglichkeiten erhob, indem sie es mit der Bundesliga verglich. Die nächsten Betroffenen, die man durch den Kakao zog, das waren die Mieter, die sich sanierten Luxus nicht leisten können und dadurch immer schneller ob steigender Mieten aus den Kiezen an den Stadtrand verdrängt werden.

Ganz daneben aber lag die Elitenpartei FDP, wenn es um den Bereich Bildung und Arbeit ging. Die Fehler in der Kommasetzung auf einem Plakat wird man so bald nicht vergessen. Das spricht Bände, hat doch der Erfinder des Plakates vermutlich eher ein Gymnasium denn eine Hauptschulde besucht. Was nicht gerade für die Qualität dieses Berliner Schulzweiges sprechen dürfte. Die Seite Reptilienfonds hat die Plakate unter die Lupe genommen. Zu dem Plakat

schreibt der Verfasser des Blogs:

Bei “wichtiger als” darf kein Komma gesetzt werden, denn “als Tempo 30 für ganz Berlin” ist kein Nebensatz.

Dasselbe gilt für “als zum Jobcenter”, also kein Komma nach “Job”.

Dafür, praktisch zum Ausgleich, muss allerdings zwingendein Komma gesetzt werden bei “langsam, aber sicher” (vgl. auch Duden, Regel 113).

Der Autor kommt zu dem folgerichtigen Schluss:

Ich habe erst einen Moment geglaubt, das könnte so ein Parodie-Plakat einer Satire-Gruppe sein, aber da es von der FDP selbst weiterverbreitet wird, gehe ich davon aus, dass es echt ist. Mit geschlagenen drei Kommafehlern (was bei vier Zeilen immerhin bedeutet, dass die FDP eine sogar fehlerfrei hinbekommen hat).

Gymnasien sind eben auch nur Schulen, und bei den Streichungen im Bildungsbereich wundert es niemanden, wenn die Kommaregeln selbst an Gymnasien nicht mehr gelehrt werden, wo also sollten die vermutlich junge Agentur und die jungen FDP-Hasen sie gelernt haben? Wozu also braucht es dann noch Gymnasien?

Hoch interessant wäre es, einmal die Doktorarbeiten der FDPler auf die deutsche Rechtschreibung hin zu überprüfen (ganz abgesehen davon, wie viele Plagiate man eventuell dabei entdecken würde) . Vielleicht hätte die FDP ja vor der Plakataktion diese auf die Rechtschreibung hin prüfen lassen sollen. Dazu ein Tip für den nächsten Wahlkampf, im Internet wird man fündig, liebe FDPler, da gibt es Firmen die haben guten Service und können bei Rechtschreibschwächen das Schlimmste verhindern, weil sie die Korrektur mit anbieten. Mal sehen, ob sich da etwas findet, die Endspurtzeit ist ja kostbar bei Euch. Bingo: www.laser-line.de bietet den entspechenden Service an. Auch Eure  Flyer sind dann demnächst frei von Fehlern. …

Liberal nennt sich FDP, die ihrer Fassade gerade erst einen jüngeren Anstrich verpasst hat, indem sie ihr Elitepersonal bestehend aus Westerwelle und Co, ausgetauscht hat. Fassade wie gesagt, denn liberaler ist die Partei dadurch nicht geworden, jedenfalss scheint ihr jedwede Medienkompetent zu fehlen. Das ist übrigens auch bei SPD und CDU der Fall. Junge liberale Eliten sind vertraut im Umgang mit dem Internet und tummeln sich wohl eher bei den Piraten. Surft man deren Seite an, so findet man dort ganz selbstverständlich den Bereich Plakate aus Berlin und auch die saubere Listung der Pressemeldungen, auch wenn sie negativ sind. Spenden veröffentlicht diese Partei umgehend, weil gerade das eben gläserne Politik bedeutet. Bei anderen Parteien ensteht doch der nicht unbegründete Verdacht der Bestechung, wenn man Spenden von Hoteliers findet, denen nach der Wahl eine umgehende Steuererleichterung beschert wird. Diese Gläsernheit sucht man bei der FDP vergeblich, auf ihrer Seite sucht man sich einen Wolf und findet weder die Plakate noch die Pressemeldungen.

Durch Nicht-Liberalität und Umweltverschmutzung hingegen zeichnet sich die FDP besonders aus und fällt eher negativ auf. Die Freiheit des einen hört da auf, wo er die Freiheit des anderen einschränkt, was die FDP in massiver Form im Wahlkampf tut, und was äusserst ärgerlich ist.

Die FDP missachtet das Recht der Bürger, die keine Werbung in ihrem Briefkasten zu finden wünschen. Ein wahrer Berg von Flyern ergießt sich aus dem Postkasten. Man muß also den Müll, den ein anderer produziert hat entsorgen. So wird man also das Material los. Ob man dadurch allerdings Menschen zum FDP-Kreuz verleiten kann, das sei dahin gestellt, wohl eher nicht, denn man fühlt sich in seiner Freiheit, sich das Recht auf einen Spam-freien Briefkasten vorzubehalten, durch diese Partei beschnitten. Und somit beweist die FDP, was sie von Freiheit anderer Menschen hält, bereits im Wahlkampf. Am Briefkasten also endet bereits die Liberalität. Was muss man da erst erwarten, wenn eine solche Partei an einer Regierung beteiligt ist?

Flyer in solchen Massen und ungebeten eingeworfen, sie machen dem Bürger klar, da wurde mal wieder ein halber Wald gefällt, da wurde Energie verschwendet, die Luft verschmutz und im schlimmsten Falle Gewässer, da entstehen Kosten bei den Wasserwerken ect., da wurde mit chemischen Stoffen und Farben hausiert. Ganz toll findet der umweltbewusste Wähler das, zumal er ja den Mist entsorgen muss. Eigentlich ist das eine Vergesellschaftung von Wahlkampfkosten der Parteien, eine Kostenzwangsbeteiligung der Menschen, auch der Nichtwähler und all jener, die ihre Wahlzettel ungültig machen, wie sie ja auch Banken und Staaten derweil immer häufiger vom Steuerzahler abfordern und sich erzwingen.

Ganz daneben aber liegt die FDP dann bei dem Plakat auf dem der zuzügliche Satz steht: Lieber zügig zum Job, als langsam zum Jobcenter. Dieser Satz nämlich lässt tief blicken. Berlin hat eine sehr hohe Zahl an Arbeitslosen. Die FDP hätte das zumindest im Wahlkampf ändern können. Glauben Sie nicht? Ist aber so.

Vielen Eltern von Studenten zum Beispiel fällt die Finanzierung eines Studiums schwer. Flyer stecken auf 400 Euro Basis als Student, das wäre doch mal eine Aktion gewesen. Was aber machen die Parteien, die ja beständig die Vereinbarkeit von Arbeit und Familie fordern? Sie lassen Mitglieder auf freiwilliger Basis schuften, unbezahlt, versteht sich. So, dass diese eben nicht Zeit nach der Arbeit mit der Familie verbringen können. Sehr vorbildlich, wirklich! Wie war das doch mit der Arbeit, die sich lohnen muss, so dass man davon leben kann? Ist das Flyerverteilen kein Job? Oder hat man die Flyer gar den unterbezahlten Zeitungsausträgern oder Postboten zuzüglich auf den Wagen und das Fahrrad gepackt?

Eine Chance wurde vertan. Von allen Parteien, auch von der Die Linke, den Die Grünen, der SPD und der christlichen CDU, der ausser gegen Migranten zu pöbeln eher wenig einfiel in diesem Wahlkampf. Ein Beispiel setzen, älteren Arbeitslosen einen Job geben, in der Flyerverteilung. Ein Zeichen setzen anstatt ständig davon zu reden, man müsse solchen Menschen eine Chance geben, sie in Arbeit bringen. Das wäre Ihr Preis gewesen, eine Stimme vielleicht, die Chance, einem Menschen zu zeigen, man meint, was man sagt, Wähler zu gewinnen, sie zurück zu gewinnen.

Wer sich all das einmal vor Augen führt, der hört ihn schon jetzt, den Aufruf zum Abflug der FDP aus Berlin, der da nur lauten kann: „ Letzter Aufruf für Fluggast FDP. Bitte melden Sie sich am Abflugschalter 18, ihr Sinkflug nach Fast Drei Prozent ist startbereit“.

©Text- denise-a. langner-urso

©Foto- denise-a. langner-urso

 

 

 

 

 

 

 

 

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  2 comments for “Berliner Wahlkampf: Letzter Aufruf für Fluggast FDP

  1. 24. Februar 2012 at 18:31

    Qualität in der Beratung kann wirkliche keine Stärke der beauftragten Werbeagentur sein. Ich bin mir nicht sicher ob die FDP damit den richtigen Druck zur richtigen Zeit versucht auszuüben.

    Man schaut gespannt

  2. 24. Februar 2012 at 15:31

    Qualität in der Beratung kann wirkliche keine Stärke der beauftragten Werbeagentur sein. Ich bin mir nicht sicher ob die FDP damit den richtigen Druck zur richtigen Zeit versucht auszuüben.
    Man schaut gespannt

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