Deutschland wählt und alle fühlen sich angepisst

 

Einen skurrileren Wahltag, Wahlausgang und Wahlabend hat die Bundesrepublik noch nicht erlebt, und ja, es brauchte etwas Zeit um kommentieren zu können, was man da so alles heute erlebt hat.

Zuerst Ungläubigkeit über das Wahlergebnis selbst, man konnte es nicht fassen, Sprachlosigkeit, und Staunen darüber, dass und wie die Medien sich umgehend überschlugen. Dann eine Lanzlerin, die alles um sich herum, samt den eigenen Schwesterparteien, marginalisiert hat, und die sich trotzdem vor den Medien aufbaute und tönte, an der Union führt kein Weg vorbei, keine Regierungsbildung ohne uns. Schon da fiel mir ein: ja, und wenn niemand mit euch will?

Mit Rückgrat und Gewissen in die Opposition

Und das Drama nimmt seinen Lauf in dem Augenblick, als der Kanzlerin eine aufrechte SPD als Koalitionspartnerin flöten geht und dem staunenden Zuschauer und einer Partei, die die Kanzlerin durch den Bundestag jagen will, verkündet: Wir stellen uns dazwischen und werden diese Jagd nicht zulassen, wir selber haben das Rückgrat und erlauben uns zumindest so viel Gewissen, zu erkennen, dass die Wähler eben eine erneute GroKo nicht wollten, dass die Regierungsarbeit der letzten Jahre unerwünscht war, und werden deshalb von der Oppositionsbank alles tun, um den Bundestag nicht von gewissen Herrschaften zu einem Kasperletheater machen zu lassen. Ich habe selten mehr Respekt vor einer Entscheidung gehabt, als vor dieser, jener der SPD, den Oppositionsführer oder die Oppositionsführerin zu stellen. Das gibt Hoffnung.

Beleidigte Leberwürste überall

Ja und dann setzt sich ein gewisser Herr Kubicki in eine Diskussionsrunde und wünscht Frau Göring-Eckhard quasi viel Spaß an der Regierungsbeteiligung, nachdem schon der Trompeter Lindner, der seinen Wahlkampf alleine auf schwarz-gelb ausgereichtet hatte, sich zur Regierungsoption nicht hat äußern wollen. Da bekam man Schnappatmung, wenn Lindner tönt, man wolle die FDP in eine Regierung zwingen. Das kannste dir als Wähler nicht ausmalen, dass gewählt wird, und niemand mit keinem regieren will, schon gar nicht die FDP, die den Schwanz einzieht, wenn es nicht so glatt läuft, so neoliberal, wie man es gern gehabt hätte, weil da ja noch einer vorab das Sagen hat, der sich Wähler nennt, und der es eben sozialer haben will, und nicht allzu lobbyistendurchseucht. und der er eben nicht will, dass sich massive Parteispenden von Pharmariesen oder Autokonzernen in Regierungshandeln umgemünzen, dass Umweltfragen völlig den Bach runter gehen, dass privatisiert wird auf Biegen und Brechen.

Großes Maul und nichts dahinter-Klasse!

Bei der ersten Hürde also zieht die FDP das Schwänzchen ein, reagiert wie eine Mimose, ist beleidigt: „Nö, so ham wa uns dat nu nich vorjestellt, lass mal gut sein, lass mal die anderen machen.“

Und das in Zeiten, in denen Deutschland eine starke Führungspersönlichkeit bräuchte. Und die ist die Kanzlerin offenbar nicht, denn sie reagierte ebenso angepisst auf den Rückzug der SPD auf die Oppositionssitze, war überrascht, war verwirrt, regelrecht verstört, dass da tatsächlich es jemand wagt, Gewissen und Rückgrat zu zeigen, dass nicht jeder mit dieser Parteienfresserin und Ideenabsaugerin regieren will, wenn er begriffen hat, was die Wähler davon halten, wie man dafür bestraft wird. Und wage es nur niemand, der Kanzlerin die Frage nach einer Minderheitenregierung zu stellen, da muss man ja zeigen, was man kann, da muss man regieren können. Und wenn diese Kanzlerin irgendetwas nicht kann, dann ja wohl regieren und dafür eventuell die Quittung selber riskieren, am Ende einstecken zu müssen.

Man darf gespannt sein …

Tja, was macht denn die Dame Merkel nun aus dem Deasaster, die doch den Wählern ständig versprochen hat, sie tritt dafür an, dass wir Wähler in diesem Land gut und gerne leben können? Ganz ehrlich, nichts genaues weiß man nicht, nicht an einem Abend, nachdem die Kanzlerin wie kein Kanzler vor ihr als Verliererin vor dem Spiegel steht. Sie hat nicht nur die eigene Partei verloren, denn die wird ihr das nicht verzeihen, sie hat auch ihr Gesicht verloren, als sie es nicht schaffte, gemeinsam mit der CSU die AfD im Bundestag zu verhindern. Ich wollte meinen Amtskollegen demnächst so nicht gegenüber treten wollen. Gewonnen hat heute eine Partei, an Ansehen, und die nennt sich SPD.

Verloren hat Deutschland sein freundliches Gesicht, dass es vor kurzem der Welt noch als Ausgleich für viele andere Fehlleistungen der Regierung Merkel hat anbieten und zeigen können, da sah man noch hinweg über den aufkeimenden Nationalismus, den tumben Populismus. Seit heute hingegen reihen wir uns ein neben Ungarn und Polen, seit heute radikalisiert sich die CSU in einem Maße, dass das mit grünen Grundsätzen und der dortigen Basis vollends unverhandelbar scheint. Ich will nicht in der Haut der Kanzlerin stecken, wenn sie erkennt, dass man das kaum überein wird bringen können.

Und dann Frau Merkel? Was machen Sie dann?

Ich aber als Wählerin sage: In diesem Deutschland werde ich sicher nicht gerne leben, ich schäme mich zutiefst, dass man zwar den Teufel austreiben kann, dass man Kirchen reformieren kann, dass aber radikal völkisches Gedankengut offensichtlich nicht ausgetrieben werden und aufkeimen konnte, dass das Bildungssystem in unserem Land offenbar vollends versagt hat. Ich schäme mich zutiefst. Eigentlich müssten bei uns sämtliche Flaggen auf Halbmast gesetzt werden. Ganz ehrlich, Frau Merkel, mir reicht das, was Trump uns an amerikanischen Verhältnissen beschert hat.

Dass dieses Land einmal so schnell etwas aus den Staaten übernehmen könnte, das konnte ich mir bis heute nicht vorstellen, und kann es noch immer nicht. Und es wird ja nicht besser, im Gegenteil, mit dem, was heute die CSU abgesondert hat, wird das Gegenteil passieren, dann legt in 4Jahren die AfD erneut zu. Ganz ehrlich, Frau Merkel, Herr Seehofer: Soll dass das Wahlziel sein, von dem heute gesprochen wurde, das erreicht werden sollte? Na, dann, das zumindest haben Sie erreicht. Danke für nichts!

So weit also seid ihr gekommen, wo wollt ihr hin!?

Ich also kann es noch immer nicht fassen, und ich will auch nicht verstehen, wie Frau Merkel damit 4 Jahre leben will. Ich bin sprachlos auch wegen den heutigen Aussagen der FDP, die eigentlich nur eins wollte, schwarz-gelbe Lobbypolitik, ganz ungestört, ein paar Ministerposten für ein paar ihrer Mannen und eventuell Frauen und sonst gar nichts. Und ganz ehrlich, so jemand gehört nicht in den Bundestag, der gehört da so schnell wie möglich wieder raus! Der hat nämlich heute bereits deutlicher als je eine Partei zuvor gezeigt, dass er seine Wähler betrogen und hinter die Fichte geführt hat. Denn wenn es zu anstrengend wird, gar mit Arbeit verbunden sein wird, dann duckt man sich weg. Echt jetzt? Und eure Wähler lassen das durchgehen? Wenn dem so ist, dann ist denen wirklich nicht zu helfen …

Mehr Kommentar geht nicht, ich verstehe mein Land nicht mehr, Frau Merkel ohnehin nicht, denn da will jemand nicht wirklich regieren, sondern es sich gemütlich machen wie bisher, nur das ist vorbei! Willkommen im realen Leben, wo alles hart erarbeitet werden muss, gnädige Frau. Und hart gearbeitet hat nur eine Partei, nur eine Partei hat heute Rückgrat und Gewissen gezeigt und Demut. Wenigstens das in dunkler werdenden Zeiten. Und die „ewige“ Kanzlerin, die Gewinnerin, an der kein Weg vorbei zu führen scheint, träumt noch immer von der nächsten Großen Koalition. Es ist wahrlich ein denkwürdiger Tag …

©denise-a. langner-urso

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