Europa – Rechtsdrift und die Politik schaut weg

So war es schon oft in Europa, und in Deutschland sowieso, wer die Arbeiter hinter sich bringt, der schafft es in Zeiten hoher Arbeitslosigkeit auch, sie von rechts nach links zu drehen und umgekehrt noch viel schneller. Und Wirtschaft und Politik schauen weg. Nationalstolz nennt sich das dann, Wahrung der Interessen des eigenen Volkes. Na, Sie wissen schon.

Deutschland hat ein massives Problem, am Montag startet der Zschäpe Prozess. Die Politik war auf einem Auge blind und ist es noch, erkennt sie gerade erst die sich wandelnde Stimmung, die AfD Gründungen werden zwar misstrauisch beobachtet und kleingeredet, weil man den Tatsachen verfehlter Politik nicht ins Auge blicken mag, konservative Politik war schon immer alternativlos und zum Umdenken viel zu langsam bereit. Der Wirtschaft ist das egal, sie ist in jedem System stets auf der Gewinnerseite gewesen, kann abwarten, was mehr an Gewinn verspricht.

Und die miese Stimmung, den Rechtsdrall, den bekommt man bestimmt mit Mindestlohn und Fußball unter Kontrolle, so die Annahme …

Europa driftet derzeit aber insgesamt nach rechts, und das sollte eigentlich in Brüssel alle Alarmglocken klingeln lassen. Doch es geschieht Nichts! Ungarn, nur ein Beispiel. Da gibt es dann müde Ermahnungen, das ist alles. Nicht, dass darüber ernsthaft gesprochen würde, nein warum auch? Ein Mitglied verprellen, einen Handelspartner? Himmel, wo käme Europa dann hin?

Griechenland, noch so ein Kandidat, es brodelt gewaltig in der rechten Suppenküche, wie auch in allen anderen Staaten des Verbundes, in denen die Arbeitslosigkeit steigt. In Großbritannien ist es die UKIP, die gerade bei Kommunalwahlen absahnen konnte. Und aus England sollen bereits Kontakte zur AfD bestehen. Doch Europa, angeführt von halbblinder deutscher Politik, verschließt die Augen. Da wird totgeschwiegen, was es in Europa nicht geben darf. Keine Äußerung, lasst den Dingen eben ihren Lauf, Hauptsache, niemand schert aus aus dem ehrenwerten Verein.

Ich frage mich, ob das das Europa ist, das man will, eines, das irgendwann irgendwo rechts von all dem steht, was man sich nicht vorstellen konnte, als es gegründet wurde. Und die Polemik gegen seine Gründerväter wird in Deutschland ja bereits in der Regierung geduldet. Niemand sagt noch ein Wort, wenn Brüderle gegen die Franzosen wettert, ausgerechnet ein Politiker der FDP zerstört, was man nach dem Weltkrieg an Freundschaft aufgebaut hat. Und doch, da kommt kein Wort, weder von der Kanzlerin noch von jemand anderem aus der Bundesregierung. Schließlich befindet man sich im Wahlkampf. Unglaublich ist das.

Sogar der Bundespräsident bemächtigt sich eines Wortschatzes, der verheerender nicht sein kann, spricht er doch von asozialem Verhalten. Gemeint ist die Affäre Hoeneß. Aber, der Bundespräsident ist unantastbar. Woher soll einer, der aus der Kälte kam auch wissen, was es mit dieser Stigmatisierung von Menschen auf sich hat? Schließlich gehörte man ja in der DDR zu den „Besserdeutschen“, die aber auch rein gar nichts mit den Deutschen auf der anderen Seite der Mauer zu tun haben mussten, man wusch sich rein, ignorierte, musste nichts aufarbeiten, hatte eine makellose Weste, was die Nazivergangenheit betraf. Ganz einfach so.

Nach der Wende, da war man wieder auf der sicheren Seite, natürlich hatte aber auch gar niemand etwas mit der sozialistischen Vergangenheit, mit Stasi und Mauertoten, Bespitzelung seiner Nachbarn zu tun gehabt. Diese „Besserdeutschen“ aus dem Osten kamen erneut ohne Aufarbeitung ihrer Vergangenheit davon. Warum also sollte Gauck das Pfuiwort unsolidarisch kennen?

Das stinkt ja geradezu nach links, nach Vergangenheit und Sozialismus, und doch, wäre es vielleicht die beste Bezeichnung gewesen, wenn sich ein Bundespräsident überhaupt zu der Steueraffäre äußern muss.

Solidarität, was für ein Wort. Nein Danke, das benutzt hin und wieder die SPD, das benutzt die Linke, und nur nicht den Eindruck erwecken, man käme in Versuchung als Bundespräsident linksrum zu denken, dann ist man mit einem Begriff besser bedient, mit dem man sich hinter der Mauer ja nie befassen musste, diesem Unwort das der Bevölkerung Nähe vermittelt, weil es ja den Eindruck erwecken könnte, man sei einer von Unten, aus der Arbeiterschaft, verstünde den Stammtisch, der konservativ eingestellt ist. Nur ist konservativ eben etwas völlig anderes als rechtes Gedankengut, mit dem der Stammtisch derweil wuchert!

Nein, man muss schon verstehen, wenn Volksvertreter sich dem Pöbel anbiedern, man weiß ja nicht, wie dieser im Zweifelsfall reagiert, da ist man lieber bei denen, deren Wut man im Zweifelsfall zu spüren bekommt, schlägt sich auf diese Seite, bevor es zu spät ist. Sei es nun der Präsident selbst oder die Parteien, die ihn gewählt haben. Da schweigt man und schaut betroffen aus, solange es darum geht, die eigene Macht zu sichern, auch mit solchen Worten.

Da muss man sich wirklich nicht wundern, wenn ganz Europa derweil erblindet, schließlich will man ja Deutschland nicht verärgern, und schließlich kann jedes Land so rechts sein, wie es mag, Hauptsache es zahlt, wie die Bundesrepublik oder verbleibt in der Gemeinschaft, wie Ungarn. Welche Verlogenheit! …

©denise-a. langner-urso

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