Glücksspiel Werbung: Moral oder Umsätze?

In den letzten Monaten hat sich innerhalb einer ganz bestimmten Branche ein kleiner Wandel eingeschlichen, für den sich nicht viele Privatpersonen interessieren werden, der jedoch gravierende Auswirkungen auf die aktuelle Moral in Deutschland haben wird.

In Schleswig-Holstein wurde nämlich ein Gesetzesentwurf der EU durchgewunken, der das Glücksspiel-Verbot auflockert. Genauer gesagt bedeutet das, dass das Land Schleswig-Holstein eigens Lizenzen an private Glücksspiel-Anbieter (etwa diverse Online Casino oder Online Poker Anbieter) vergeben darf und an ihren Einnahmen und Umsätzen mitverdient. Mehr als 100.000 Euro werden monatlich an Geldern durch die entspanntere Gesetzesregelung, die das Land in Eigenregie orchestriert hat, eingenommen. Alleiniger Verantwortlicher dafür ist der Sportwetten-Anbieter bwin, der als erster seine Lizenz bekommen hat.

Das von der EU-Kommission durchgewunkene Gesetz hat aber in Deutschland nicht überall Freunde gemacht. Noch steht nicht fest, ob die Bundesrepublik Schleswig-Holstein bei der Entscheidung unterstützt und ob andere Bundesländer mitziehen möchten. Der Rattenschwanz solcher Entscheidungen ist allerdings nicht zu unterschätzen. Mit der Lockerung der Gesetzeslage verändern sich anschließend auch andere Urteile, zum Beispiel in Bezug auf die öffentliche Bewerbung von Glücksspielen.

Davon könnte vor allem der Sport, insbesondere der Fußball, profitieren. Mit der umstrittenen Regelung und im Holsteiner Alleingang hat etwa der Verein VfB Lübeck einen neuen Sponsoringdeal abschließen können. Über drei Jahre beläuft er sich mit dem Online Casino Anbieter Pokerstars.de. Als Hauptsponsor kann dieses Unternehmen nun auf ein eigenes Stadion Stolz sein: “Pokerstars.de – Das Stadion an der Lohmühle” ist nun ein Teil des Fußballs und natürlich des gesellschaftlichen Lebens in Lübeck.

Das wird nicht unkritisiert gelassen, denn Werbung für Glücksspiel ist auf derselben Ebene angesiedelt wie Werbung für Tabak. Das Spiel ist suchtgefährdend und vor allem für Minderjährige, die sich Online anmelden möchten, mittlerweile sehr leicht zu erreichen. Welche Auswirkungen also die gelockerte Gesetzesregelung dank der EU haben wird, kann sich bis jetzt noch keiner so richtig ausmalen. Daher gibt es einen starken Interessenverband seitens der BRD, die das von Brüssel auferlegte Gesetz noch mal abwehren wollen. Die Diskussionen laufen rund.

Der Fußball profitiert natürlich von dieser Art von Geldmacherei. Die deutschen Teams sind mitunter diejenigen, die am wenigsten durch Sponsorverträge verdienen. Im Vergleich mit dem Ausland sind die Geldmittel rar, insbesondere über die erste Bundesliga hinaus. Welche Vereine aber gerne Glücksspiele bewerben möchten, wenn sie denn dürfen, ist eigentlich keine Frage. Bereits in anderen Bundesländern wie Bayern wartet man sehnsüchtig auf die Freigabe. Das Glücksspiel-Geschäft ist eines, das aus Marketing und Profit besteht. Im Zusammenhang mit dem Fußball können so Synergien auftreten, die ungeahnte Folgen haben. Es bleibt also abzuwarten, wie der Bund argumentiert und ob die restlichen Bundesländer dem Vorbild von Schleswig Holstein folgen werden, um die eigenen Kassen aufzufrischen.

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