Berlin – Von Menschen und Hunden

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Vor ein paar Tagen kam es in Berlin zu einem bemerkenswerten Vorfall und dieser erzeugt einfach zu wenig Aufmerksamkeit. Es geht nämlich um das Verhalten von Hundebesitzern, die oft einfach nicht wahrhaben wollen, dass andere Menschen Angst vor Hunden haben, und wodurch solche Ängste entstehen. Ängste entstehen ja oftmals in der Kindheit und manchmal kann niemand mehr sagen, was der Auslöser war. Irgendwann hat dann der Betreffende ein Schlüsselerlebnis, es kommt zu einer ähnlichen Situation, und plötzlich ist ja die Angst, von der niemand mehr sagen kann, wann dazu der Auslöser im Gehirn platziert wurde. Und solche Erlebnisse, wie im Bericht geschrieben, das sind dann jene Grundlagen, die im Kindesalter dazu führten. Unter normalen Umständen nämlich ist der Mensch dem Hund gegenüber freundlich gesinnt, hat keine Angst, es sei denn, er macht mit dem Tier schlechte Erfahrungen. Und genau das ist in der Hauptstadt geschehen. Unter dem Titel „Hund beißt Kind“ ist der dazugehörige Artikel beim Tagesspiegel zu lesen. Dass Kinder hin und wieder von Hunden gebissen werden, das ist nicht neu, man lässt sie nicht mit diesen alleine und unbeaufsichtigt zurück. So aber war es in diesem Falle nicht, der Hund war angeleint, lief nur an dem Kind vorbei, das sich auf dem Heimweg von der Schule befand. Das soll auch kein Kommentar gegen die Hundehaltung werden, im Gegenteil, auch ich liebe diese Haustiere. Dennoch, auch ich wurde in der Kindheit gebissen, ebenso unvermittelt wie dieser kleine Junge in Berlin, und ich kannte diesen Hund sogar. Wie es dazu kam? Ich war bei Freunden in der Nachbarschaft zu Gast, wie man eben als Kind dort zum Mittagessen eingeladen wird, und die Mutter schickt uns Kinder noch einmal in die Küche um die Gläser zu holen, derweil sie den Tisch deckt. Der Familienhund, der unter dem Küchentisch liegt, schießt unter diesem hervor und hängt mir unvorbereitet und ohne jede Warnung an der Schulter, ein weißer Spitz.

Ich habe das bis heute nicht vergessen und auch die Tollwutspritze nicht, die in meinen Allerwertesten gejagt wurde und die höllisch weh tat. Und ja, ich mache lieber einen Bogen um Hunde, kam es doch erst vor ein paar Tagen beim Überqueren einer Kreuzung dazu, dass ein kleiner, nicht angeleinter Hund urplötzlich wütend und bellend auf mich zu schoss und kaum zu bremsen war. Niemand sonst, nur von der einen Seite Hund und Halter, an der anderen Straßenseite ich, wartend auf die grüne Ampel. Warum auch immer, und auch dieser Halter hielt es nicht für nötig, sich zu entschuldigen. Ein Auto, dass die rote Ampel eben noch überquert, wie sehr hätte ich mir das in diesem Augenblick gewünscht. Und ich habe den Hund ja nicht provoziert, im Gegenteil, ich schaute nach links in diesem Augenblick, zu den Autos, was ich stets mache, denn sicher ist sicher, könnte doch immer noch ein Mensch, der es eilig hat, eine Ampel einfach schnell bei dunkelgelb überfahren. Auf Zuruf drehte der Hund ungefähr einen Meter vor mir um, und doch, da war sie wieder, die Angst gebissen zu werden.

Aber zurück zum Berliner Vorfall, denn dieser Hund war ja angeleint. Und ja, sie sind ein Wirtschaftsfaktor, eine riesiege Industrie beschäftigt sich nur mit Produkten für sie, Versicherungen biten ihnen Krankenschutz und Hundehaftpflicht an, die Werbebranche macht mit ihnen Umsatz, im Internet werden Unsummen mit Vergleichsportalen verdient, die sogar derweil den Hundehaftpflicht Preisvergleich bieten.Sie sichern Arbeitsplätze, sind sinnvolle Begleiter für Blinde, Helfer bei Katastrophen und der Polizei. Und doch, in falschen Händen eine Waffe. Eine, die hin und wieder alleine und unbedient losgeht zudem.

Und dann steht natürlich die Frage im Raum, warum jene Besitzerin das Kind nicht nach Hause begleitet hat. Menschen in Schockzuständen nämlich machen die merkwürdigsten Dinge, laufen zum Beispiel ohne zu schauen über Straßen. Und man fragt sich auch, ob dieser Vorfall von Berlin mit diesem Hund wirklich der erste war, oder ob dieser Hund nicht schon öfter gebissen hat, in ähnlicher Situation, ob die Besitzerin bis dato nicht einfach nur unglaubliches Glück gehabt hat, stets so davon kam, wie dieses mal, mit einer quasi „Hundehalterflucht nach Biss“, wie ein Forist im Tagesspiegel es nannte. Und wenn dem so wäre, warum das Tier keinen Maulkorb trug. Und natürlich wäre es auch gut wissen, ob die Halterin wenigstens aus dem Vorfall etwas gelernt hat, der Hund jetzt das Mittel trägt, das den Zubiss verhindert hätte. Zurück aber bleibt vermutlich ein Kind, das Angst vor Hunden hat, vielleicht zum „Hundehasser“ wird, weil es sie für unberechenbar hält, selbst, wenn sie angeleint sind. Der Maulkorb hätte das Schlimmste verhindert, den Zubiß und die damit vielleicht lebenslange Angst, die in ähnlichen Situationen immer wiederkehren wird. Und das muss sich die Halterin vorwerfen lassen, und die unterlassene Hilfe, das Nichtbegleiten nach Hause auch. Etwas mehr Wert sollte das Kindeswohl dann doch Wert sein! Nach solchen Vorfällen jedenfalls müssen sich Hundehalter nicht wundern, wenn man ihre Lieblinge an die Leine und hinter den Maulkorb zwingt, es Menschen gibt, die von Hunden in Städten wenig halten. Mensch und Hund können gemeinsam leben, wenn die Besitzer verantwortungsvoll mit ihren umgehen und andere dadurch nicht gefährdet werden, und wenn sie sich ihrer Verantwortung stellen, wenn so ein Tier sich doch einmal daneben benimmt, Schaden an Mensch und Material verursacht, doch das ist zu oft nicht der Fall. Und daran trägt ganz bestimmt nicht das Tier die Schuld!

 

©denise-a. langner-urso