Folge des Neoliberalismus – Wenn der Mensch zerbricht, dann zerbricht Europa

Dieter Schütz / pixelio.de

Und der Mensch zerbricht. Europaweit sieht man wie steigende Arbeitslosigkeit Existenzen vernichtet, wie Menschen ihre Wohnungen verlieren, auf der Straße landen und wie sich bis zu uns in Deutschland immer mehr Bündnisse gegen Zwangsräumung gründen, die sich dagegen wehren, dass Menschen aus ihren Wohnungen vertrieben werden, wie zuletzt am 20. 11. in Berlin.

Wenn der Euro zerbricht, dann zerbricht Europa, das ist die Weisheit, die die deutsche Bundeskanzlerin dem entgegen ruft. Zynischer geht es kaum. Es ist das verfluchte Kapital, an dem die Menschen zerbrechen, eine Münze, und mit den Menschen zerbricht der europäische Zusammenhalt. Jeder vernünftige Mensch kann das sehen doch die Politik, jene Politiker, die doch im guten Glauben gewählt wurden, um dem Menschen zu dienen, sie stellen sich blind.

Wohin steigende Arbeitslosigkeit führt, das hingegen ist hinreichend bekannt, und selbst für Angela Merkel sollte es kein Problem sein, einmal ein Geschichtsbuch aufzuschlagen und vielleicht doch einmal etwas intensiver die historischen Ereignisse zu studieren, die zum ersten und in ihrer drastischsten Art erneut 1933 Europa in den Abgrund rissen. Schließlich schmückt sich „Madame No“ mit einem Doktortitel. Aber auch der Opposition sei zu einem Blick in die Historie Europas geraten.

Der Euro überlebt, indem er auf dem Rücken der Menschen wächst, wie ein Krebsgeschwür. Ein ansteckendes gar. Immer mehr Menschen werden infiziert, der Euro, das Kapital hingegen, es wandert weiter, fluchtartig sucht es sich immer schneller neue Opfer und die politischen Akteure stellen sich blind.

Das Kapital flüchtet immer weiter und verwischt auf seinen undurchsichtigen Wegen mit Hilfe generöser politischer Beihilfe alle Spuren, entzieht so den Staatshaushalten jenes Geld, das sie für soziale und bildungspolitische Zwecke dringend benötigen würden. Doch es scheint jene, die von den Menschen gewählt wurden, um zum Wohle der Menschen zu handeln, nicht im geringsten zu interessieren, denn für sie zählt nur die eigene Wiederwahl, die eigene gut gesicherte Existenz, europaweit!

Der europäische Mensch zählt nicht

Wie wenig der Mensch zählt, wie viel mehr wert die schnöde Münze geworden ist, das kann man an einem einfachen Beispiel bestens demonstrieren, nämlich am Umgang mit Menschenleben am Flughafen BER. Alleine einer Kleinen Anfrage der Piratenpartei ist es zu verdanken, dass bekannt wurde, dass am im Bau befindlichen neuen Berliner Großflughafen inzwischen 4 Menschen ums Leben kamen. Nicht einmal der Regionalleiter der Gewerkschaft in Berlin und Brandenburg, Rainer Knerler hat bis zur Anfrage der Piratenpartei von dieser hohen Zahl Kenntnis gehabt, wie der Spiegel berichtet.

Wenn aber stadtintern Todesfälle an quasi landeseigenen Großprojekten die politischen Akteure, und der Bürgermeister sitzt im Aufsichtsrat, nicht mehr interessieren, weshalb sollte dann die Bundeskanzlerin sich für das Leid der Menschen in Spanien oder Griechenland interessieren, die wegen der Finanzkrise das Dach über dem Kopf verlieren, vielleicht bereits jetzt erfroren sind, denn es ist derweil kalt in ganz Europa.

Warum sollten die allgemeinen Medien, bei denen oft genug Akteure der Regierungsparteien Kontrollfunktionen besetzen, darüber informieren, wenn das doch zu Unmut in einer ohnehin aufgeheizten Atmosphäre führen würde? Die Menschen verstehen die Rettungsversuche, das Gezerre im Euroraum ohnehin nicht, haben es nie verstanden, weil kein einziger Politiker ihnen den Sinn verständlich aufzubereiten vermochte. Und je länger die Krise anhält, umso weniger glauben sie auch nur ein Wort von Sinn oder Zweck der hektischen Aktionen, der immer schnelleren Kapitalverbrennung, die angeblich sie, die Steuerzahler nichts kosten soll.

Sie kostet aber, auch wenn es der Bürger nicht auf den ersten Blick sieht. Eltern bemerken es seit Jahrzehnten an einem sich immer weiter verschlechternden Bildungssystem. Dieses ist auch Ausdruck der Spaltung der Gesellschaft. Um diese zufriedenstellen zu können, ruhigzustellen, werden politische Akteure immer kreativer. Der neuste Schwachsinn lautet Mütter bleibt daheim, wir zahlen euch eine Gluckenprämie, da Klagewellen wegen fehlender Kinderbetreuungsplätze uns noch wesentlich teurer kämen, die Welt sehen würde, dass sämtliche Gutachten richtig lagen, die stets genau das beurkundeten, weil dann das marode System mit fehlender frühkindlicher Bildungschance für alle Kinder zu offensichtlich enttarnt wäre.

Zerstörte Zukunftschancen

Jetzt aber ist offensichtlich, wie sehr die Gesellschaft gespalten ist, wie sehr die Mittelschicht, sofern es sie überhaupt noch gibt, geschrumpft wurde. Am Schulsystem wird dies sichtbar. Es gibt keine Dreiklassengesellschaft mehr, die einst aus Unter- , Mittel- , und Oberschicht bestand, wovon das dreigliedrige Schulsystem zeugte, das aus Haupt- , Realschule , und Gymnasium bestand. Die Zweiklassengesellschaft aus Arm und Reich hat sich festgefressen. Schon wird der Ruf nach einem neuen Schulsystem laut, wie ihn der Tagesspiegel beschreibt: Wir brauchen Schultypen für bildungsnahe – und bildungsferne Schichten.

War es früher schon schwierig genug, sich von einem System in das nächste hoch zu arbeiten, so ist jetzt klar, es ist durch die europäische Krise noch schwieriger zu werden, gesellschaftlich den Anschluss zu behalten, den Aufstieg zu schaffen. Deutschland beweist wohl den anderen Europäern gerade deutlich, wohin der Weg in Europa führen soll, sofern man Deutschland die Hauptrolle, die Führungsrolle weiterhin fast widerspruchslos überlässt, nämlich geradewegs hinein in eine Klassengesellschaft nach russischem Vorbild.

Wie diese neue Gesellschaft dann mit Menschen umgeht, speziell mit ihren Ärmsten, das sehen wir an den Zwangsräumungen und in brutalster Form äußert sich das bereits jetzt an der Flüchtlingspolitik, wie man gerade in Berlin sieht, wo die Polizei den Wärmebus vom Brandenburger Tor, der den dort seit Wochen ausharrenden Flüchtlingen diente, in der Nacht abschleppen lies. Die Armut, das Elend gehört nicht in die Hauptstadt, der umworbene Tourist darf dadurch nicht belästigt werden, der Deutsche soll nicht sehen, wie Armut aussieht, noch nicht. Ganz zu schweigen von der Neokonservativen neuen grünen Elite, die dort täglich auf ihrem Weg ins warme Parlament umweltneutral durchradeln muss. Das würde kein uniformierter, treuer Staatsbeamter (Polizist) den zartbeseiteten Gemütern zumuten …

In den Foren der Medien, die darüber berichten, tobt derweil der blanke braune Hass jener, die derweil zu dem Teil der Gesellschaft gehören, der derzeit am schnellsten wächst, den Ärmsten und jener von Armut bedrohten einst gutsituierten Mittelschicht, jenem Dreiviertel der neuen Zweiklassengesellschaft, wenn es denn nicht wesentlich mehr sind. Europa muss nur genau hinsehen.

Und noch offener wird die gesellschaftliche Spaltung in Athen und Madrid sichtbar, schon länger, brutaler als in Berlin, als in Deutschland, weil ihr eben dort die Regierung hin und wieder ein paar Brotkrumen verächtlich hinwirft, damit sie schweigt, wie eben am Betreuungsgeld und am Puzthilfenzuschuß sichtbar wird. Zynischer geht es nimmer. Es zählt nicht der Mensch, es sind seine Aufstiegschancen irrelevant, solange nur ein paar Großaktionäre und Anteilseigner von Banken und der Wirtschaft ihr Kapital quer durch Europa von einem Ort zum anderen mit politischer Beihilfe in Sicherheit bringen können.

Zerbricht der Euro, dann zerbricht Europa, die wohl größte Lüge aller Zeiten, die alleine den Reichsten und ihnen verbundenen Parteien wie denen, die bis auf Die Linke im Bundestag sitzen dient.

Und ihnen allen voran rennt die neue giftgrüne Elite, ein vielleicht 25% reiches, das „Neokonservatives Bügertum“ vertretende Klasse mit ihren heuchlerisch angeblich ach so menschenfreundlichen Parolen, die angeblich die Ärmsten bemitleiden und vertreten wollen, genau diesen aber jene Kosten alleine aufbürden, die sie selbst nicht zu tragen bereit sind. Gemeint ist, sie vertreten auch eine wirtschaftliche Elite, die von sämtlichen Bürden der Klimapolitik befreit sein müssen und ihre ihnen dienenden Banken, damit ihr Geld gesichert sei. …

Dächte man hingegen an die Menschen, so könnte man heute schon sehen, zerbrechen die Menschen am Euro und an dem, was diese Währung die Menschen europaweit kostet, dann zerbricht Europa am rechten Hass. So einfach ist das!

denise-a. langner-urso

Wie nützlich ist dieser Artikel?

Bitte bewerte diesen Artikel