Perfide – Arbeitnehmerüberwachung ala XKeyscore

Ich habe soeben entsetzt einen Auftrag zur Veröffentlichung eines Artikel abgelehnt. Im Rahmen dieses Artikels wird eine Unternehmersoftware beworben, die die Totalüberwachung von Arbeitnehmern und Bewerbern bis ans heimische Festnetz ermöglicht.

Auf den Computer des Arbeitnehmers oder dessen Handy aufgespielt, ermöglicht sie es dem Unternehmen, jede Tätigkeit am Gerät direkt zu verfolgen, mitzulesen und abzuhören. Es bedarf dazu nur der dem Unternehmen bekannten Rufnummern des Angestellten oder der Bewerber, es genügt, die Kenntnis der E-Mailadresse. Unglaublich perfide, und vermutlich bereits tausendfach in Unternehmen im Einsatz. Xkeyscore für Unternehmen quasi. Und so beschrieb es auch der Artikel, den ich veröffentlichen sollte.

Dass ich dem Auftraggeber dazu meine Meinung mehr als deutlich aufs Butterbrot geschmiert habe, das sollte klar sein, und wer MenschenZeitung kennt, dem muss auch klar sein, so ein Artikel erscheint erstens nicht, und zwar für kein Geld der Welt! Nein, im Gegenteil, darüber berichte ich, denn ab sofort kann kein Mitarbeiter eines Unternehmens mehr sicher sein, nicht bis auf die Privatleitung hin vom Unternehmen ausgehorcht zu werden. Sorry, aber das sind Stasimethoden!

Und nein, ich nenne hier auch keinen Namen dieser perfiden Software, das Wissen, dass soetwas in Deutschland vertrieben und genutzt werden kann ist traurig genug. Denn hier arbeiten Unternehmen mit Überwachungsmöglichkeiten, die sie einsetzen, ohne jeden richterlichen Beschluß, was ansonsten ganz anderen Behörden zu eigen ist. Geheimdiensten und der Polizei.

Es ist wirklich unerträglich, wie hier Arbeitnehmerrechte verletzt werden. Und ja, ich sage auch, geben sich andere Medien dafür her, solch eine Software zu bewerben, so ist die Demokratie wirklich am Ende. Es muß endlich Schluß sein mit dem, was Unternehmen so erlaubt ist. Ein solcher Artikel gehört nicht in die Presse, er gehört zum Datenschutz, zu den Gewerkschaften geschickt. Sie wären entsetzt, was in Deutschland an Überwachung von Arbeitnehmern anscheinend bereits möglich ist. Vielleicht sollten Gewerkschafter sich einmal ansehen, welche Überwachungsmethoden in ihrem Unternehmen so eingesetzt werden, und welche Software dort so auf Computern eingesetzt wird, was diese ermöglicht.

Ich jedenfalls bin empört. Es ist eine Zumutung, mir einen solchen überhaupt Auftrag anbieten zu wollen. Da müsste mein Herz ein Affe sein!

Und was sagt die FDP dazu? Ein Exportschlager …! Ich sage dazu: Unwählbar.

©denise-a. langner-urso

Ein perfides Beispiel zu unternehmerischer Überwachungssoftware findet sich unter diesem Link

Siehe dazu: Deutscher AnwaltSpiegel

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