DSGVO, Kleinstunternehmen und Blogs – Was nicht diskutiert wird

 

Derzeit verschwinden ja so einige Auftritte von Bloggern und Kleinstunternehmen aus dem Internet, und es wird viel über Panik geredet, nur wie es zu diesem Verschwinden kommt, darüber wird überhaupt noch nicht geredet. Es ist, als ob niemand versteht oder verstehen will, woher die Angst derer kommt, die sich da derweil löschen. Und das sind ja nicht nur kleine Katzenbildblogs, das geht ja hin bis zum Zahnarzt oder Handwerksbetrieb nebenan.

Mir selber ist das übrigens auch jetzt erst klar geworden, weil ich einfach einmal nachgedacht habe, warum und wozu eigentlich Menschen ihre oft kleinen Webseiten im Internet aufgebaut haben. Die überwiegende Mehrzahl tut dies, weil es damit um Reichweite geht, denn so eine oft rein informative Seite für zum Beispiel einen Installateur ist für ihn immer auch die Visitenkarte im Netz, die oft kostenlose Werbung für das eigene Unternehmen.

Das mit den Visitenkarten, und wie damit umzugehen ist, das wissen wir bereits, und wohl dem, der nur einen einzigen Auftritt im Netz hat, und gerade derzeit ist es wichtig, sich einmal blitzartig zu überlegen, ob man tatsächlich nur eine einzige Seite im Internet hat. Es können nämlich auch mehr sein, als einem überhaupt bewusst ist. Ja, das gibt es wirklich, und genau hier liegt das Problem. Man verknüpft sich, und genau das war und sollte eigentlich der Sinn des Internet sein, Netzwerke zu bilden.

Man war stolz auf seinen Auftritt, und den hatte man, ich gehe jetzt einmal nicht von Facebook, Blogger irgendwas und google+ aus, irgendwo anders, bei sich selbst oder auf dem Server mit vielen anderen oder alleine, bei einem Hoster. Das ist jetzt erst einmal Nebensache. Doch Webseiten und die Menschen dahinter, sind soziale Wesen, man will ja auch mit anderen Kommunizieren. Also meldet man sich bei Facebook und vielen anderen Internetplattformen an und sieh mal einer guck, schon haste ein paar Webseiten mehr. Ist doch so, oder habe ich etwas falsch verstanden? Ich denke nicht.

Vor der DSGVO ging es auch recht schnell und einfach, hin und wieder die immer schneller verabschiedeten Gesetze umzusetzen, hier das eigene Impressum dazu, anderswo anderweitig fehlendes zufügen, löschen, ändern. Doch dann kamen, und viel zu spät zudem, die Vorschriften wie denn im Rahmen der DSGVO was zu ändern ist und welche Addons welcher Plattformen das absolute No-Go sind, welche Plugins nicht konform sind, welche zu ersetzen sind, und klar war zu dem Zeitpunkt auch, da sind Anbieter unterwegs, bei denen kann der Nutzer tun was er will, DSGVO-konform bekommt er da ohne eigene Programmierkenntnisse überhaupt nicht gebacken und zuzüglich kann man dort überhaupt nichts ändern, weil dafür gar keine Möglichkeiten vorgesehen sind. Wer sich dort niedergelassen hat, ist darauf angewiesen, dass dort vom Betreiber geändert wird.

So, da ist nun also der eigene Auftritt seit einer Dekade im Netz und der Eigentümer hat sich vernetzt. Zumindest bei mir ist das so, bei allen anderen Bloggern, die ich kenne, auch. In dieser Dekade entstanden so bei google+ und bei „Blogger what so ever“ Spiegelbilder der eigenen Seite, das muss man derzeit im Blick haben, und da stehste nun und überlegst. Du musst nämlich dich urplötzlich nicht nur um die eigene Urmutter deiner Seite kümmern, was ohnehin schon zum Kraftakt wird, nö, du hast nen Rattenschwanz am Arsch, von dem du träumst, seien es nun komplette Seiten oder nur einfache Visitenkarten.

Und endlich froh, dass du die Urmutter aller Internetauftritte im Griff hat, stolperste jetzt über deine Spiegelscherben. Die auch noch zusammenkehren, aufräumen, ändern? Forget ist, kannste knicken, schafft kein kleines gut vernetztes Lädchen ums Eck, schafft kein Einzelunternehmer, schafft man tatsächlich nur, wenn man zum Rattenschwanz von Auftritten auch den Schwanz von Programmierern und Anwälten an der Backe hat.

Und jetzt, was bleibt dir da übrig, wenn du dich noch ums eigene Einkommen statt um dein Netzwerk kümmern willst? Richtig: Löschen, löschen, löschen und dein Netzwerk irgendwann, wenn sich alle anderen ausgeklagt haben und du weißt, das halbwegs Rechtssicherheit herrscht, neue Netzwerke aufbauen. Das müsste man mal mit Politikern veranstalten oder mit Großunternehmen.

Oh, wait, die haben ja genau das, was Normalbürgern fehlt, genug Kohle im Hintergrund, um sich ellenlange Rattenschwänze und Heerscharen für alles leisten zu können. Tja, da siehste mal, denn du bist dein eigenes klitzekleines Netzwerk los und die Reichweite auch.

So, liebe Leute, und jetzt alle nochmal scharf nachdenken, wo denn von euren Webseiten noch so überall in den letzten Jahren 1.1 Spiegel entstanden sein könnten, und entweder ran und alles von vorn, was ihr bei der Urmutter eurer Webseite schon gemacht habt, oder eben:

Löschen. Ich habe mich für Letzteres entschieden. Wenn das das Ziel der Verantwortlichen der EU für die DSGVO war, dann haben die wirklich ganze Arbeit geleistet, mir zumindest ist es zu unheimlich geworden, denn ich vermute einfach, dass es genug Anwälte geben wird, die nur darauf warten, irgendwo kleinste Fehler abmahnen zu können, und dafür reicht eine Handvoll dieser netten Zeitgenossen, denen irgendjemand aus irgendeinem Grund, und sei es nur, weil der Wasserhahn nach irgendeiner Reparatur einem doch nicht gefällt, das Wasser abdrehen will. Was gemeint ist, wenn dabei noch Politik ins Spiel kommt, in diesen Zeiten, darf sich jeder gerne selber ausmalen. Ich kehre also die plötzlich kaputten Spiegelseiten nach und nach zusammen, klicke auf den Müllbutton und lasse sie still und leise im Papierkorb verschwinden. Ist besser so. Aber, hey Leute, wer braucht schon Netzwerke? …

Und jetzt bitte zurück zur Frage, warum derzeit so einige Seiten komplett aus dem Netz verschwinden. Merkt ihr hoffentlich jetzt selber, oder? Ich bleibe zwar da, und nur da, wo ich es für unproblematisch halte, aber mir fehlen demnächst eben meine Communities. Bitte, danke, gern geschehen.

©denise-a. langner-urso

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