Gewollt und etwas unbequem in die Zukunft oder in dauerhafte Armut?

Ein wenig beachteter Artikel erschien gestern in den Medien, und man fragt sich, warum er kein größeres Aufsehen erregen konnte. Sind die Medien, die eigentlich Hintergründe durchleuchten,Zusammenhänge aufzeigen und drohendes Unheil beschreiben könnten, wie etwa der Spiegel, so unsensibel geworden, dass sie die Tatsachen, die hinter Meldungen wie:

Stern- Unilever-Strategie in der Schuldenkrise Konsumriese rechnet mit Europas neuer Armut

Welt Online- Konsumgüter, Unilever stellt sich auf neue Armut in Europa ein

nicht mehr zerfetzen, die Folgen, die sich auch für Deutschland daraus ergeben dürften, darzulegen versuchen?

Denn diese Meldungen sind ein Hinweis, auf das, was auch hier bald drohen könnte. Unilever drängt auf den europäischen Markt mit Billigstprodukten, nachdem der Konzernriese quasi in anderen Staaten an den Ärmsten herumexperimentiert hat, wie hoch Gewinne selbst bei Cent-Beträgen noch sind, und Wirtschaft und Politik reiben sich die Hände. Welche Sparmöglichkeiten sich daraus für die Unternehmen ergeben, welche Sozialleistungen man demnächst nicht mehr erhöhen muss, darüber berichten nämlich sämtliche Artikel gar nicht. Warum auch, es würde einen Aufschrei geben!

Setzt sich der Riese Unilever tatsächlich mit diesem Konzept durch, dann müssen Sozialleistungen wie Hartz IV dauerhaft nicht steigen, und wenn wir schon bei Leistungen sind, Löhne auch nicht, denn für das quasi mehr Netto sorgt dann Unilever. Rentenleistungen, wozu noch Rentenerhöhungen, käme doch plötzlich der Rentner aus mit dem Wenigen, was der Staat als Gnadenbrot gewährt.

Möglich ist das nur, weil Wirtschaft und Politik sich einig sind, es muß gespart werden, man braucht nur Wege, damit der Konsument ruhig bleibt, speziell in Deutschland. Dafür reicht oft schon das gefühlte Mehr an Wohlstand und Einkommen. Der Mensch ist Zahler und sonst hat das Kind die Klappe zu halten …

Jetzt aber beweist das Vorgehen Unilevers, wie sehr Konsumenten bisher ausgenommen wurden, um ihnen das Geld aus der Tasche zu ziehen, nicht nur von der Politik.

Die Politik wird diese Nachricht gefreut haben, will man soch den Bundestag um gleich 50 Sitze aufstocken, im Rahmen der Ausarbeitung des hoffentlich diesmal, grundgesetzkonformen Wahlrechts. Der bürger spart demnächst Unsummen, eine winzige Steuererhöhung ist somit sicher ein geringes Problem, die steigenden Strompreise auch, schließlich hat der Durchschnittskunde bald jede Menge Sparmöglichkeiten, bemerkt erneut nicht, wie man das umgehend zum Vorteil weniger ausdeuten wird, und auch für die Eurorettung, für den nächsten Schirm, kann man demnächst die Bürgschaften verdoppeln.

Das hingegen darf nicht geschehen, es ist Aufgabe der Politik, jetzt die richtige Strategie zu finden, damit sich das nicht dauerhaft manifestiert, damit der Staat, ändert sich die europäische Lage, etwas davon hat, indem man gewisse dinge zeitlich beschränkt, dann Gewerbesteuern erhöht, wenn die Gewinne steigen, es Europa besser geht, dann umgehend sich parteiübergreifend für gute Arbeitsbedingungen einsetzt. Das scharfe Auge, die Vorverhandlung, die Zusammenarbeit ohne Lobbyisten zwischen Ministerien und Konzernleitung ist dafür notwendig. Die lange Leine, an der gewährt wird, an Freilauf ist nicht zu denken.

Eine Art UnilverI Gesetz für Wirtschaftskrisen ist jetzt gefragt, wobei Löhne wie bei dem Kurzarbeitsmodell der jeweiligen Lage der Staaten, den Mieten angepasst werden, verbunden mit steigenden Abgaben für die Unternehmen und Arbeitsverbesserungen für die Angestellten, wenn die Krise schwindet, ein automatisiertes Verfahren also. Was bei Hartz IV möglich ist, bei dem Modell der Kurzarbeit muss hier eingeführt werden, damit die Arbeitnehmer nicht in dauerhafter Armut verelenden, damit zeitnah auch Gewinne,Preise und Steuern angeglichen steigen. Politik endlich wieder, zum Wohle der Menschen, auch untermehmerische Politik bitte, denn das schafft Nachhaltigkeit, Ansehen.

Hand in Hand quasi, die Menschen würdig mitnehmen in Politik und wirtschaft, „volksfreundlich“, zum Wohle der Menschen!

Der Kunde und Bürger wird’s bereitwillig ertragen, für ein paar mehr Cents, die er Netto selbst spart, wird sich bei Tarifverhandlungen zurückhalten, weil das Leben so unschlagbar günstiger wird, und die Sozialausgaben müssen ja auch demnächst nicht steigen, schließlich reicht das, was man hat demnächst gleich für die doppelte Personenzahl, da kann man am Ende vielleicht sogar noch etwas zusammenkürzen, am Hartz IV Satz, den Renten und Gehältern.

Was für ein mieses, abgekartetes Spiel aus Wirtschaft und Politik! Aber wo verdammt nochmal bleibt der Aufschrei der Sozialverbände und Gewerkschaften, der in den Medien, der auf die drohende Gefahr hinter den Niedrigstpreisen und aufmerksam macht?

Derweil und über diese Dummheit und Blindheit lachen Wirtschaft und Politik, Arbeitgeber sich ins Fäustchen, zumindest in Deutschland, denn ein Armutsgefühl ist Mentalitätssache.

Das Armutsgefühl als Mentalitätssache und die vielen Abwärtsspiralen

 

Europas Wirtschaft und Politiker wissen längst, dauerhaft muß Europa mit dem starken asiatischen Markt konkurrieren. Auch dort werden dauerhaft die Lonstückkosten, die Löhne steigen, sind schon am anschwellen.

Das derzeit marode Europa mit sich vermehrender Arbeitslosigkeit kommt also zur rechten Zeit. Und auch Amerika mit seinen vielen Arbeitslosen schwächelt, dort wird der Präsident gewählt, der einen Großinvestor, der Arbeitsplätze schafft, an seiner Seite weiß, von diesem quasi gekauft, finanziert wird. Goldige Zeiten also für Unilever.

Und auch in Europa sind die Äpfel reif! Arbeitsplätze fehlen dringend in Griechenland, und dort kommt sie schlechte soziale Absicherung hinzu. Irgendwann nimmt man jeden Job an, der sich bietet, und die Politik weiß auch, nur so ist dauerhaft der massiv gefährliche Populismus zu bremsen, der Rechtsruck Europas. Da käme ein Investor wie Unilever gerade recht.

Aber reden wir auch über die Folgen. Produkte so billig produziert, wie niedrig müssen dann die Löhne wohl in jenen Geschäften sein? Mindestlohn in Deutschland? Vergessen Sie es, Mindestlohn war gestern, denn je weiter Europa zurückfällt, derzeit, umso sicherer werden auch die Mieten ect. sinken. Mindestlöhne von 8 Euro, darüber muss niemand mehr schwadronieren, auch nicht in Deutschland. In anderen EU-Staaten heißt Ehrgefühl eben auch, die Familie ernähren zu können, spätestens dann, wenn sämtliche Sozialleistungen auslaufen, ein Gefühl, dass die Deutschen nie hatten, hier garantiert der Staat so gut wie das Rundumglücklich-Gefühl.

Anders hingegen in Amerika und den südlichen Ländern der EU, dort brechen Massenproteste aus, steigt der Hass auf Ausländer, schleichend auch hier bemerkbar. Und das müssen Politik und Wirtschaft bewältigen, das dürfte den Akteuren sehr bewusst sein. Setzt also Unilever sich auf dem europäischen Kontinent durch, dann gibt es Arbeitsplätze, dann kann Europa langsam wieder zu dem werden, was es war. Allerdings nur zu dem Preis, dass eben auch deutsche Arbeitnehmer gewaltige Einschränkungen werden hinnehmen müssen, wobei es sich nicht um wirkliche Einschränkungen handeln dürfte, sondern eben um Nichtlohnsteigerungen und Nichterhöhung von Sozialleistungen und Renten, weil der Lebensstandard ja dennoch erhalten bleibt, mehr Arbeitsplätze zu niedrigeren Löhnen entstehen dürften.

Etwas höhere Lohnkosten als in Asien, getauscht gegen hohe Transportkosten, und die Rechnung geht vielleicht sogar auf, die Asiaten zahlen, wegen der steigenden Löhne, etwas verbesserter Lebensbedingungen demnächst mehr für Unilevers Produkte

Die Frage ist, ob den Deutschen das reicht, die doch nur zufrieden sind, wenn der Urlaub weiterhin möglich, der Zweitwagen nach wie vor garantiert ist, man daran und am rentenalter nicht rüttelt, derweil für den Preis der Arbeit in den Südländern eben Siestas fallen und die Rentenalter nach oben verschoben werden.

 

Weitere unbequeme Fragen

 

Zu welchem Preis, welchen Arbeitsbedingungen werden derzeit jene Produkte Unilevers produziert? Wie umweltschädlich, wie gesund sind diese noch? Und welche weiteren Auswirkungen hat die derzeitige Krise für Deutschland und Europa? Und sind wir bereit, das vorerst zu ertragen?

Zum Wohle der Arbeitsplätze wird die Energiewende sich massiv nach hinten verschieben müssen, denn die Energie muss bezahlbar bleiben, dauerhaft kann der Durchschnittseuropäer die Kosten nicht alleine schultern. Dafür aber stehen die Chinesen vermutlich längst in den Startlöschern, die bald, es dürfte nur eine Frage der Zeit sein, mit Billigstanlagen in Griechenland und Spanien damit beginnen werden, umweltfreundlichen Solarstrom zu produzieren und liefern, um ein Vielfaches günstiger, als deutsche Unternehmen es derzeit anbieten, damit muss sich dieser Industriezweig sicherlich abfinden.

Die Produktionshoheit für diese Technologie hat Europa verpennt, was sehr bedenklich ist und erneut die behördlichen, gesetzlichen Steine aufzeigt, die Schwerfälligkeit eines völlig aus der Zeit gefallenen behäbigen Beamtenapparates, der schnellstmöglich reformiert und entschlackt gehört. Wenn man aus Krisen schon lernen will und muss, dann dies: Europa behindert sich und Investitionen selbst. Bestes Beispiel der Berliner Pannenflughafen, derweil nageln andere Staaten ganze Flughäfen auf aufgeschüttete Inseln im Meer und fliegen die halbe Welt an!

Hier bedarf es etwas mehr vom amerikanischen Geist-machen lassen. Baut in euren Garagen was ihr wollt, wenn es halbwegs sicher ist, wird das genehmigt, egal ob Auto oder PC, und junge aussichtsreiche Produkte, die fördern wir, anstatt sie durch Bürokratie solange zu verhindern, bis andere sie serienreif auf den Markt bringen.

Wer Europa wirklich will, der muss das jetzt beweisen, und zwar umgehend! Und dann stellt man sich nicht neben einen Messie und schreit: „ich guck beim Aufräumen zu!“, derweil dieser den grünen Sack an den Platz des blauen stellt, und umgekehrt. Dann hilft man, indem Brüssel Beamte abstellt, oder Unternehmen ihre fast fertigen Steuerberater, die dort die Finanzämter aufräumen, und die Daten in PCs einpflegen, die wieder andere Unternehmen nicht mehr benötigen, die diesem Zwecke aber noch dienen können, die man den Behörden schenkt. Dann hilft man mit Produkten zweiter Wahl, nicht mit Kapital.

Da bildet man europäische Netzwerke, den Austausch an. Eine Woche oder zwei vom Urlaub geopfert, die Griechen nehmen auf, zahlen Unterkunft und Verpflegung, der halbe Tag wird in der Behörde verbracht, geschult. Demnächst dreht man den Spieß um, das kostet alleine guten Willen. Welche massive Hilflosigkeit!

Da schafft man umgehend ein Abkommen, Steuerflüchtlinge europaweit auszuliefern, zu jagen, wenn man Europa will, es mit der Hilfe für Griechenland und andere Staaten tatsächlich ernst meint, da bewegt man sich endlich, statt im dunklen Kämmerlein vor sich hin zu schwadronieren, zu mahnen. Einem Messie hilft man schließlich auch nicht mit Zugucken!

So, und jetzt ist die linienstromförmige, behäbige Alt- und Normalpresse am Zug! SChließlich darf Europa weder Populisten noch einer unendlichen Bürokratie und schon gar nicht unfähigen Politikern überlassen werden! Die Wirtschaft zeigt den Weg, die Politik muß endlich handeln, ünbürokratisch und schnell, Gesetze, die mehr verhindern denn nutzen abschaffen! Und wenn man dann wieder konkurrenzfähig ist, dann steigen auch Löhne und Renten, dann darf man über Mindestlöhne und Urlaub nachdenken, dann auch über Energie, ansonsten soll man die Zukunft Europas den Rechten und alleine dem Kapital überlassen, dann regelt eben der Markt die Überlebensfähigkeit …

 

©denise-a. langner-urso

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