Konkurrenzkampf? Leistungsdruck? Bildung!

Konkurrenzkampf? Leistungsdruck? Bildung!

Ein jämmerlicher Artikel ist heute im Spiegel erschienen, und ich wusste nicht, ob ich lachen oder weinen sollte, sich dafür zu schämen wäre wohl das Beste. Selbst schuld, Deutschland schafft seine Eliten selber ab.

Nichts von dem, was in diesem Artikel steht, kann ich nachvollziehen, es ist das Ergebnis einer Kuschelpädagogik, die jedem Deppen, der allenfalls das Schreiben und Lesen beherrscht, den Zugang zum Studium ermöglicht, Punkt. Und wer so erbärmlich jammert, der gehört nicht an eine Universität. Natürlich wird kein Professor das zugeben, natürlich kein Lehrbeauftragter, denn es ist ja politisch so gewollt, seit Mitte der 70er Jahre des letzten Jahrhunderts, dass das Kind keinen Schaden nimmt und möglichst jeder studieren kann. Und genau das rächt sich jetzt. Es kann und sollte eben nicht jeder studieren, denn wissenschaftliches Arbeiten setzt ein gewisses Grundwissen und gewisse menschliche Fähigkeiten voraus. Und große wissenschaftliche Errungenschaften werden in der Regel von Individuen erbracht, die in der Lage dazu sind sich Wissen selbst anzueignen, selbstständig zu denken, und das geht nicht in Großgruppen, das geschieht nach wie vor alleine und im stillen Kämmerlein. Und sofern es in Kleingruppen geschieht, sind es wenige kluge Köpfe, die sehr ähnlich ticken …

Was also ist passiert, dass Deutschlands Studenten auf so niedrigem Niveau jammern, dass ihnen all das, was es eigentlich braucht, um Universitätsreife zu erlangen, so fremd ist, dass es Psychologen braucht, die uns erklären wollen, daran sei ein unglaublich brutaler Neoliberalismus schuld? Nun, es ist niemand daran schuld ausser einer politischen Klasse, die meint, alle Menschen seien gleich. Und genau da liegt das Problem, es sind eben nicht alle Menschen gleich.

Was heute oftmals die Schule verlässt, und diverse Ländervergleiche bezeugen das, kann oft gerade lesen, schreiben und eventuell noch rechnen, nicht mehr, bringt aber keine umfassende Bildung mit an die Universität, ist schon gar nicht zu selbstständigem Denken außerhalb einer Gruppe in der Lage, und sobald sich das zeigt, sobald gewisse Gruppenmitglieder mehr wollen, können, also der Ausleseprozess der Besten, nämlich derer beginnt, die eben Universitätsreife haben sollten, die ein wirkliches Abitur abgelegt haben, wird gejammert über Leistungsdruck, der psychologisch belastet. Spätestens jetzt eigentlich sollte ein Möchtegern-Student erkennen, dass er nicht zu denen gehört, die hätten an einer Uni aufgenommen werden dürfen, alleine die Einsicht fehlt gänzlich, hat doch das Elternhaus, hat doch die Kuschelpädagogik der Schule, die alle gleich machte, etwas anderes versprochen.

Als ich in die Schule ging, gab es um das zu verhindern eine Auslese der besten Köpfe, und diese begann in der vierten Schulklasse. Innerhalb der nächsten zwei Jahre nämlich entschied es sich, ob ein Schüler das Gymnasium besuchen konnte oder eben nicht, und auf diesem erfolgte ein Probehalbjahr, das es in sich hatte. Und zum Abitur hin, in den letzten beiden Schuljahren, da ging dann spätestens richtig die Post ab, da wurde gelesen im Grundkurs Deutsch, was das Zeug hielt. Je Quartal von jedem Schüler ein Buch, wobei jeder Schüler jedes Buch gelesen haben musste, samt mindestens 30 seitiger Quartalsarbeit inklusive gültiger Quellenangaben dazu. Und die Klausurfragen zu Zitaten, die politisch zu behandeln waren, die hatten es in sich. Ebenso lief das im Fachbereich Kunst, dort ging man so sämtliche Zeiten und Kunststile durch, ebenso Facharbeiten im wissenschaftlichen Bereich. Und ich habe die Schule geliebt und bin dankbar, bis heute.

5 eigene Kinder habe ich danach durch die deutsche Schule gebracht und mich immer gefragt, was dort eigentlich an Leistung erwartet wird und habe sie an keiner deutschen Schule gesehen, Allerdings gingen fast alle dieser Kinder auch im Ausland zur Schule, an spanische, britische und hier in Deutschland später an amerikanisch-deutsche Einrichtungen. Und ja, dort wurde es noch so gehandhabt, wie ich es von Schulen erwarte, hier gab es noch Bildung. In der vierten Klasse las jeder bereits ein eigenes Buch, jeder schrieb dazu eine kleine Quartalsarbeit, und dabei waren nicht etwa irgendwelche Kinderbücher, im Gegenteil, darunter war zu Beispiel bereits zu diesem frühen Zeitpunkt Anne Frank. Und natürlich wurde mehrsprachig unterrichtet, und das Abitur entsprach in etwa dem, was ich selbst als Abitur erfahren hatte. An einer deutschen Schule hingegen, auch das erfuhr ich, wurde allenfalls im Abitur das abgefordert, was andere meiner Kinder und auch ich so gegen Ende der 9. Schulklasse gelernt hatten, und spätestens hier fragte ich mich entsetzt, warum ich das Abitur locker hätte ein zweites Mal ablegen können, denn es war zu dem, was ich als Abitur erfahren hatte, ein Nachmittagsspaziergang.

Und ja, jetzt werden wahre Horden von jungen Menschen an die Universitäten geschickt, die sich über Leistungsdruck und Ellenbogen wundern, die Eltern hatten, die jedwede Leistung wohl versucht haben, von ihrem Nachwuchs fernzuhalten, weil dieser kleine Kinderseelen zerstört, was totaler Unfug ist. Und ja, es ist die Aufgabe der Lehrkräfte, das aus zu sortieren, was eben nicht genug an Bildung erfahren hat, denn Wissenschaft erfordert es nicht, abends in gemütlichen Gesprächsrunden mit Kommilitonen den letzten Tagesablauf zu diskutieren, die Arbeiten auszutauschen oder zu vervollständigen, Wissenschaft erfordert überwiegend Menschen, die sich zurückziehen und dazu in der Lage sind, sich selbstständig Wissen zu erarbeiten.

Versteckte Bücher, sorry, es gab sie immer schon, es gibt aber auch die Möglichkeit, sich Bücher selbst zu kaufen, bereits neben dem Studium dafür zu arbeiten, was ich auch tat. Basta. Es gibt das Internet und fremdsprachige Literatur, es gibt Buchläden, die solche Seiten, die fehlen, wenn man denn freundlich ist, zu kopieren, was auch wir als Studenten taten.
Und ja, Mami und Papi sind nicht mehr da, haben einfach immer all das von dem bemitleidenswerten Kind fern gehalten, was eigentlich das Leben ausmachen sollte, eigene bittere Erfahrungen machen, daraus lernen. Und ja, so ist das leben, das war schon immer so, nur der Stärkere, der Bessere überlebt in der Wildnis.

Und kopierte Arbeiten von Laptops? Gott Kinder, ich könnte mich wegwerfen vor Lachen! Selber schuld! Ihr könnt doch zufrieden sein, dass der Laptop nicht komplett geklaut wurde. Sorry, aber wer sein Arbeitsmaterial unbeaufsichtigt stehen lässt, der darf sich nicht wundern, und wer in dem Alter von Passwörtern und ähnlichen Dingen noch nichts gehört hat, der eben auch nicht!

Ihr braucht jetzt Psychologen? Tschuldigung, liebe Leute, ihr gehört schlicht und einfach überall hin, definitiv aber nicht an eine Universität. Gut, dass ihr das lernt, allerdings absoluter Fail, dass ihr um das irgendwann zu begreifen, dafür und davor noch Psychologen Geld in den Rachen werfen müsst. Schade, denn immer noch absolut nichts begriffen. Wie kann man nur so blind sein? Schade um die schöne Zeit und um das viele Geld …

Bildung ist eben etwas ganz anderes, als das, was man euch geliefert hat. Bedankt euch bei euren Eltern, denn die haben euch dieses System eingebrockt. Bleibt mir nur die Hoffnung, dass ihr das bei euren Kindern wieder anders macht. Aber die Hoffnung stirbt ja bekanntlich zuletzt, und nein, wir, die wir Bildung erfahren durften, haben keinen Schaden an unseren zarten Kinderseelen erfahren.

Und übrigens, Bildung fängt beim Respekt vor dem Lehrpersonal von Eltern und Schülern an, ach was erzähle ich, es ist sinnlos …

Bedankt euch bei denen, die Bildung der Lächerlichkeit preisgaben und meinten, sie müsse allenfalls gleiche Weicheier produzieren, die bei leisester Kritik den Apotheker oder Psychiater befragen, weil sie meinen, Bildung gefährde die Gesundheit.

In diesem Sinne, fröhliches Nachdenken und einen guten Abend noch.

©denise-a. langner-urso

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