Regierungskrise – Und wie heißt jetzt eigentlich der Regierungschef?

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Ganz ehrlich, ich bin verwirrt, ich weiß es nicht. Seehofer führt seit Wochen ein Affentheater auf, wie ich es noch nicht erlebt habe, erpresst ununterbrochen die eigenen Regierungspartner samt einer Kanzlerin, die zur Marionette von Trump und Kurz geworden ist, macht seine eigene Außenpolitik und bestimmt, ob er gerade Lust zum Regieren hat oder nicht.

Trump schreibt wütende Brandbriefe an Natopartner, die ihm nicht in den Kram passen und offensichtlich muss ja irgendjemand mit dem österreichischen Regierungschef verhandelt haben, wenn man an der deutsch-österreichischen Grenze Seehofers Asylzentren zu errichten und dort Abschiebehaftanstalten bauen möchte.

Da schlägt sich die Politik über alle Parteigrenzen hinweg die Nächte um die Ohren und wenn die Bürger früh aufstehen, wissen sie nicht, wer überhaupt noch im Amt ist oder ob er noch eine Regierung hat und wie denn derweil diese ausschaut, wer da gerade wieder Kanzler spielt, obwohl er eigentlich andere Aufgaben hätte, und davon mehr als genug, und wer sich welche Mitsprache in welchem Ministerium anmaßt.

Man fasst es nicht, es macht sprachlos und ein Minister bestimmt neuerdings, ob er gerade Lust hat, sein Amt auszuüben oder doch lieber nach Bayern reist und stöhnt dann dort über die Zumutung überhaupt dahin fahren zu müssen, wo sein eigentlicher Arbeitsplatz ist, nach Berlin, und wenn ihm etwas nicht passt, dann droht er eben kurz mit Rücktritt, so dass sich nach langer Regierungsbildung, die quasi erst durch den Bundespräsidenten herbei gebeten und geredet werden musste, sich jetzt neuerdings der Bundestagspräsident genötigt sieht einzugreifen, um wenigstens vorübergehend etwas Ruhe in den von Seehofer angerichteten Scherbenhaufen bringen zu müssen.

Ich glaube, ich bin im falschen Film, mein Schein pfeift, da kommt niemand mehr mit, davor steht man fassungslos, es macht wütend. Und es ist ja nicht gerade so, dass dieser neue Möchtegern Regierungschef aus Bayern, bisher überhaupt etwas Vernünftiges das eigene Ressort betreffend angegangen wäre, im Gegenteil er lässt sich offensichtlich seine benötigten Unterlagen auch noch auf Kosten der Steuerzahler erstellen, weil er dafür selber überhaupt in dem kompletten Chaos gar keine Zeit haben kann.

Ganz zu schweigen, dass für diesen Typen die andere große Koalitionspartei überhaupt zu existieren scheint, die lässt er schlicht links liegen, so dass diese, will sie überhaupt noch irgendetwas erfahren, einen Koalitionsauschuss nach dem nächsten beantragen muss.

Das geht auf keine Kuhhaut mehr, das hat mit Regierung nichts mehr zu tun, es ist eine Zumutung, nicht nur für die SPD, nein auch für die staunenden Bürger. Wer die Hosen anhat in diesem, Entschuldigung, Saustall, das weiß derweil kein Mensch mehr, derweil ein bayrischer Hinterwäldler wütend durch Berlin und Bayern trollt und ansagt, ob er gerade im Amt oder doch endlich zurückgetreten ist oder wurde, wie es sich bei so einem Benehmen eigentlich gehören würde, wie man es erwarten könnte.

Noch existierte ja etwas, das leider als Regierung anzuerkennen ist, doch frage ich mich, wie man das aushalten soll, wie so vernünftige Politik gemacht werden kann, und wie Frau Merkel ohne rot anzulaufen, überhaupt noch einem anderen Regierungschef gegenübertreten soll, Trump etwa, denn der nimmt sie doch ab sofort noch weniger ernst, und andere Regierungschefs wohl eher auch nicht.

Seehofer hat diese Regierung weltweit lächerlich gemacht, sie derart beschädigt und geschwächt, wie es niemandem in der Geschichte nach dem Zweiten Weltkrieg gelungen ist. Und das also soll so weitergehen? Das will die SPD mittragen? Eine ganze Regierungsperiode hindurch? Ganz ehrlich? Ich würde ja, nachdem die Kanzlerin mit mir verhandelt hat, jeweils nachträglich bei Seehofer nachfragen, ob Frau Merkel dafür überhaupt ein Verhandlungsmandat von diesem hatte, um es einmal übertrieben aus Sicht anderer Staatschefs vom Format Kurz, Trump oder Orban zu formulieren.

Ich konstatiere: mehr Dachschaden ginge nicht, wenn man zuließe, dass Seehofer im Amt bleiben darf.

©denise-a. langner-urso